Eva Loenicker, die Hobby-Historikerin aus Schmiden, hat in ihrem Referat "Eine Fellbacherin steht vor Gericht - "Die Hexe muss brennen"" am Dienstag den Prozess gegen die Fellbacherin Katharina Schmid im Jahr 1663 analysiert: "Mit der Aufarbeitung der Geschichte Katharinas hat sie etwas von ihrer Ehre und Würde zurückbekommen."
Durch den Hexenwahn starben in Europa rund 80 000 Menschen. 80 Prozent waren Frauen. "Das hing mit der Frauenfeindlichkeit der Kirche zusammen", sagte Eva Loenicker. "Die Religion ist die Käseglocke, unter der alles geschieht." Aber auch die schwache Position der Frauen vor Gericht, wo sie nur als Täter und Zeugen auftraten, niemals aber in der Rolle eines Richters, habe dazu beigetragen. Fast alle Hexen seien in rechtsgültigen Prozessen verurteilt worden, berichtete Eva Loenicker den mehr als 50 Zuhörern im kleinen Saal des Fellbacher Rathauses. "Die Theologie war bei den Prozessen die Herrin, die Jurisprudenz die Magd, Gott somit der höchste Gesetzgeber und Richter."
Im Herzogtum Württemberg gab es nicht so viele Prozesse wie anderenorts. "197 Frauen wurden als Hexen getötet", sagte Eva Loenicker. Katharina Schmid wurde verdächtigt, mit dem Tod mehrerer Kinder zu tun zu haben. Als vermeintliche Hexe wurde sie in Cannstatt hingerichtet. "Der Richttag war wie eine Theatervorstellung, bei dem Prozess und Urteil nachgespielt wurden", sagte Eva Loenicker.
Eva Loenicker hat die Entstehung des Hexenwahns zurückverfolgt bis zu den Anfängen. Die Menschen im Mittelalter suchten nach Sündenböcken für Missernten, krankes Vieh, unerklärliche Todesfälle und vielem mehr. Bereits Ende des 13. Jahrhunderts taucht der Teufel und der Ketzerglaube auf.