Der Spinner mit Krawatte und Schlips wirkt nicht wie ein Spinner. Robert Fleischer, der mit Militärs und Geheimdienstlern im Kontakt stehen will, verströmt so gar nichts von einem Thriller-Helden. Einen irren Eindruck macht er aber auch nicht. Trotzdem gehört er zu denen, die einen an der Klatsche haben. So beschreibt sich Fleischer selbst aus der Perspektive der öffentlichen Meinung. Denn Fleischer macht als Koordinator der Organisation Exopolitik Öffentlichkeitsarbeit für eine These, die in den Augen vieler absurd bis lachhaft ist: Fliegende Untertassen gibt es wirklich.
Eine Handvoll Menschen sind ins Kulturcafé Cassiopeia gekommen, um Fleischers Vortrag über die Existenz von Fliegenden Untertassen zu hören. Da ist das Ehepaar aus Karlsruhe, das beklagt, keine Gleichgesinnten in Baden-Württemberg zu finden. Eine Stuhlreihe weiter sitzen Ufo-Jäger von der Organisation Mufon-Ces. Anders ausgedrückt: Einen harten Stand hat Fleischer nicht. Dennoch gibt er sich alle Mühe, so als müsste er überzeugen, statt nur eine vorhandene Weltsicht reflektieren. Also legte der ehemalige Journalist das vor, was er Fakten und Beweise nennt.
Belgien, 29. November 1989. An diesem Tag beginnt, was Fleischer als die große belgische Ufo-Welle bezeichnet. In Osteuropa ist der Feind des Kalten Krieges gerade dabei zusammen zu brechen, da steigen in den Nächten bis zum März 1990 belgische F-16-Kampfjäger auf. Der Luftraum des NATO-Landes wird immer wieder verletzt von Flugobjekten, die rasend schnell ihre Position auf dem Radar verändern, um plötzlich spurlos zu verschwinden. Am Boden beobachten Militärs und Zivilisten Lichter, die immer wieder ihre Farbe ändern. Als die Welle nach Monaten abebbt, veröffentlicht die belgische Luftwaffe einen Bericht, in dem die üblichen Erklärungen für unidentifizierte Flugobjekte ausgeschlossen werden. Für Fleischer ist die Ratlosigkeit der belgischen Luftstreitkräfte der Beweis, dass es sich bei den Ereignissen in Belgien um "echte" Ufos gehandelt haben muss. So nennt er die Flugobjekte, für auch Regierung und Wissenschaft keine Erklärung finden.
Seine Argumentation ist geschickt. So zitiert aus freigegebenen Dokumenten der unterschiedlichsten Regierungen und beruft sich auf staatliche Einrichtungen, wie Geipan, die französische Einheit der Raumfahrtbehörde, die sich mit unidentifizierten Flugobjekten befasst. Seine Zeugen für die Existenz von Fliegenden Untertassen sind Piloten oder Militärs, nicht etwa angebliche Entführungsopfer von Aliens.
Doch einen Haken haben seine Erklärungen: So zitiert er aus freigegebenen Akten, glaubt aber dennoch, dass die Staaten Informationen im großen Stil zurückhalten. Im Zeitalter von Wikileaks wirkt das wenig glaubwürdig. Doch Fleischer bleibt dabei, dass die Regierungen die wichtigsten Informationen in ihren Tresoren lagern. Deutschland attestiert er eine besondere Ignoranz gegenüber ungeklärten Fragen am Himmel. Anders als zum Beispiel in Frankreich gibt es in der Bundesrepublik nur Laien, die sich mit Ufo-Beobachtungen befassen. Meist können sie für diese eine einfache Erklärung finden, sagt der Informatiker Wolfgang Stelzig von Mufon-Ces. "Und dann gibt es noch den Rest, der bleibt."