Uni würdigt Einsatz Grube wird Ehrensenator – Bonatz-Enkel erbost

ks, 28.10.2012 08:00 Uhr
Die Uni Stuttgart würdigt den Einsatz des Bahn-Chefs für die Forschung – Architekt Dübbers: Der Geehrte ist verantwortlich für die Teilzerstörung des Bahnhofs.

Stuttgart - Bahn-Chef Rüdiger Grube wird am 16. November durch die Universität Stuttgart zum Ehrensenator ernannt. Er steht damit in einer Reihe mit dem Architekten des alten Hauptbahnhofs, dem 1956 verstorbenen Paul Bonatz. Dessen Enkel Peter Dübbers zeigt sich über die Ehrung massiv verärgert.

Dübbers hatte sich vor Gericht entschieden gegen den Teilabriss des Kopfbahnhofs gewandt und Vorschläge für den Erhalt der Seitenflügel trotz des Durchgangsbahnhof gemacht. Er sehe in der Würdigung des Bahn-Chefs einen „eher unnötigen, für mich äußerst befremdlichen Akt des vorauseilenden Gehorsams“, schreibt Dübbers in einem offenen Brief an Rektor Wolfram Ressel.

Bonatz sei ein bedeutender Architekturlehrer gewesen, dessen beispielhafte Bauten Stuttgart geprägt hätten, besonders das Bau- und Kulturdenkmal Hauptbahnhof. Grube sei „mitverantwortlich für die Teilzerstörung dieses Wahrzeichens Stuttgarts“, zürnt der 74-jährige Architekt Dübbers.

„Persönliches Engagement und die großzügige Förderung der Forschung und des Ingenieurnachwuchses an der Universität Stuttgart“

Die Universität zeigt sich über den Angriff erstaunt. „Herr Grube hält seit Jahrzehnten Vorlesungen und betreut Projekte“, sagt Pressesprecherin Andrea Mayer-Grenu. Nach einer Pause tritt Grube im Sommersemester 2013 wieder ans Pult. Die Ehrung beziehe sich „auf die Person und nicht auf Stuttgart 21“. Gewürdigt würden Grubes „persönliches Engagement und die großzügige Förderung der Forschung und des Ingenieurnachwuchses an der Universität Stuttgart“. Dass man in verschiedenen Projekten gemeinsam mit der Bahn forsche, sei nicht ungewöhnlich. „Wir sind eine der Unis in Deutschland, die mit die höchsten Drittmittel einwerben“, sagt die Sprecherin. 2010 kamen 146 Millionen Euro, davon 53 Millionen von der Industrie. Wie viel Geld aus der Kasse der Bahn floss, könne nicht gesagt werden.

Dübbers nimmt an dieser Förderung Anstoß. Die Aufträge des Konzerns könnten für das Institut für Eisenbahn- und Verkehrswesen „tatsächlich überlebenswichtig sein (bis hin zu gelegentlichen Gefälligkeitsgutachten)“, giftet er. Dass die Bahn fördere, sei nur logisch, sagt Mayer-Grenu, „schließlich ist sie der größte Anbieter in der Republik“.

Der Vorschlag für die Ernennung Grubes zum Ehrensenator kam aus der Fakultät 2, in der das Institut für Eisenbahnwesen eingegliedert ist. Der Antrag sei schon früher einmal gestellt worden, eine Entscheidung aber „wegen Stuttgart 21 und dem Volksentscheid“ erst im Juli gefallen, sagt Mayer-Grenu. Grube selbst werde bei der Ehrung aus Termingründen nicht zugegen sein können. Die Bahn lehnte am Freitag jede Äußerung zu dem Angriff auf ihren Vorstandschef ab.

 
 
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Kommentare (89)
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Loreleyla Ist schon länger als 1 Jahr her
Ich glaube, ich gebe mein Diplom zurück!
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kein Dübbers Freund Ist schon länger als 1 Jahr her
Herr Dübbers ist der Enkel von Bonatz. Mit welchem Recht spricht er denn für ihn? Seine Klagen wurden alle abgewiesen, der Mann hat keinerlei Legitimation! Man sollte ihm kein Forum mehr bieten und seine Aussagen ignorieren. Schade um die Feier, in Stuttgart herrscht durch die S21 Gegner nun leider eine unangenehme Atmosphäre der Angst. Es wird erwartet, dass man genau überlegt, ob es dem aggressiven Haufen wohl gefällt oder nicht - und wenn das Urteil negativ ausfällt wird abgesagt. Das hat schlimme Ausmaße angenommen!
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rabe7 Ist schon länger als 1 Jahr her
schöne zusammenfassung, jeder satz auf den punkt. der sachverhalt müsste eigentlich jedem denkendem menschen klar sein, spätestens seit dem peinlichen auftritt von prof. martin bei der 'schlichtung'. umso mehr bin ich entsetzt über die uni stuttgart, die sich einer solchen ehrung nicht entblödet. eigentlich, so hätte man gedacht, müsste es da dort auch noch ein paar 'ehrliche wissenschaftler' anstatt bloße gefälligkeitsgutachter gegen 'cash' geben. die ganze stadt wird in grubes grube hinabsinken.
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Bonatz-Urenkel Ist schon länger als 1 Jahr her
Das spricht Bände (liebe StN, das ist wahr und Sie können es ruhig freischalten!): Der geplante Festredner für den Festakt, Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Kinzelbach von der ETH Zürich hat seine Teilnahme wegen der geplanten Grube-Ehrung abgesagt. Ein Parkschützer schreibt unter http://www.parkschuetzer.de/statements/142859 'Herr Kinzelbach hat mir mitgeteilt, dass er die Zusage zum Vortrag in Unkenntnis der anstehenden Ehrung und der damit zusammenhängenden Umstände gegeben hat. Er habe inzwischen seine Mitwirkung abgesagt und dem Rektor die Aussetzung der Veranstaltung empfohlen. Der Mann hat Format.' --- Dem ist nichts hinzuzufügen.
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SEPP Ist schon länger als 1 Jahr her
S21 hin oder her, schauen Sie mal aus dem Talkessel hinaus, nach Berlin z.B. oder Richtung Ruhrpott, in die ländliche Gegend. Fragen Sie mal, was sich grade bei der Strecke Nürnberg-Erfurt tut und zu welchen Preis. Schauen Sie mal was im Winter bei der Bahn los ist und was im Sommer. Fragen Sie mal, wohin die Landessubventionen fließen, bei dem „ehrbaren Kaufmann“. Und da wir dennoch in Stuttgart sind, fragen Sie mal, wieso Züge durch eine vermutlich defekte Weiche weiter durchgeschleust wurden, wartete man bis jemand zu Schaden kommt? Das Warten scheint sich gelohnt zu haben. Der gute Mann soll weniger die Forschung fördern, sondern erst seinen Laden aufräumen! Das ist schon kriminell was da passiert! Ja, ich persönlich traue ihm wenig Gutes zu, erst neulich hat seine Bahn am Service abgebaut (Unmöglichkeit des Erwerbs von Fahrkarten in fremden Verkehrsverbünden), alles bei der versprochenen Fahrpreiserhöhung (das einzige Versprechen, das ich ihm abnehme). Und zu anderen, stellen Sie sich vor, bei jeder Diskussion, solange es keine Ja-Sager-Veranstaltungen sind, gibt es gegenseitige Meinungen. Und wenn jemand der Gegenmeinung die Legitimität abspricht, wie es Herr Grube tat, der braucht sich über steigende Animositäten nicht zu wundern. Übrigens, das Wort „Feind“ höre ich in dem Streit das erste Mal und das von Ihnen.
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