Ungeklärt Deutsche Gewehre in Libyen

Franz Feyder und Christoph Reisinger, 31.08.2011 04:00 Uhr

Oberndorf/Tripolis - Libysche Kämpfer der Anti-Gaddafi-Milizen haben sich in den Waffenarsenalen des Diktators mit Beutewaffen aus deutscher Produktion eingedeckt. Das wirft die Frage auf: Wie sind die Oberndorfer Produkte nach Libyen gelangt? Heckler & Koch dazu: "Die Waffen wurden definitiv nicht von uns geliefert."

Abdull Mohammed Khalil ist auf Kampf eingestellt, als er in den Stadtpalast Bab al-Azizia in Tripolis eindringt. In die Nobelbehausung, in der Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi inmitten von Prunk und Tand den Lebemann gab. "Ab und zu surrte ein Querschläger an mir vorbei", erzählt der Student unserer Zeitung. 53 Schuss Munition habe er noch für sein Gewehr gehabt - eine Kalaschnikow, älter als er selbst. "Zu wenige Patronen, wenn Gaddafis Leibgarde noch gekämpft hätte."

In deren Unterkunft sollte der Student bald schon unerwarteten Nachschub finden, der die Bundesregierung in Erklärungsnot bringt. In einem offenbar als Waffenkammer genutzten Raum fand Khalil deutsche G36-Gewehre. Auf denen sind über dem Handschutz die Bezeichnung HK G36 KV, Kal. 5,56 mm x 45, ein Bundesadler mit zugefügtem N, die Buchstaben AD sowie die stilisierten Württemberger Geweihstangen eingestanzt. Entschlüsselt bedeutet der Code: Bei den Gewehren handelt es sich um von Heckler & Koch hergestellte Waffen des Typs G36 KV. Sie haben das Kaliber 5,56 Millimeter x 45 und wurden 2003 in Oberndorf am Neckar hergestellt. Das Beschussamt Ulm hat diese G36 geprüft.

Dem ARD-Nachrichtenmagazin "Kontraste" liegen detaillierte Fotos von deutschen Waffen vor, die in Tripolis von Rebellen im Gaddafi-Fundus erbeutet wurden. Es strahlt die Aufnahmen am Donnerstag ab 21.45 Uhr aus. Offiziell sind die Waffen nie an das Gaddafi-Regime geliefert worden. In den Rüstungsexportberichten der Bundesregierung ist eine Lieferung von Sturmgewehren nicht verzeichnet. Das Bundeswirtschaftsministerium zuckt mit den Schultern. Ressortchef Philipp Rösler lässt seinen Sprecher mitteilen, "dass der Bundesregierung derzeit noch keine gesicherten Erkenntnisse über einen möglichen Einsatz von G36-Gewehren in Libyen vorliegen".

Dabei hätten die Ministerialen nur am vergangenen Donnerstag die "Tagesschau" sehen müssen. Sie zeigte, wie ein Rebell vor dem Corinthia-Hotel am Rand der Altstadt von Tripolis mit einem G36 K auf regimetreue Scharfschützen feuerte.

 
 
Kommentare (23)
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SEP
03
Andy Bellum , 10:07 Uhr

Röslers Unfähigkeit ! Oder ist es Unwilligkeit?

Es wäre ja nicht das erste Mal, dass ein FDP-Mann mit den Diktatoren gute Geschäfte einfädelt. Mit Pinochets chilenischer Militärdiktatur haben sich Röslers Vorgänger Möllemann und Lambsdorff nicht mit Ruhm bekleckert. Ebenso erst neulich: mit der Putsch-Regierung von Honduras hat die FDP und die Naumann-Stiftung wiederum eine sehr fragwürdige Freundschaft aufgebaut. Dass Westerwelle Gaddafi noch vor kurzem hofiert und sich danach blamiert hat, ist kein Geheimnis. Und so weiter und so weiter...die FDP ist gut zu jedem Halsabschneider.

AUG
31
HKFab, 21:38 Uhr

Dauert nur 10 Minuten

Die Herren vom Wirtschaftsministerium müssten nicht warten bis die neue Regierung arbeitsfähig ist. Da ein Großteil der Seriennummern der G36 Gewehre durch Pressefotos mittlerweile bekannt sind, genügt ein Blick in die Waffenbücher von Heckler und Koch um festzustellen an wen und wann die Waffen geliefert wurden. Dadurch lässt sich auch der evtl. Weiterverkauf durch dritte bis nach Lybien weiterverfolgen

AUG
31
Josef Schwarzwälder , 19:28 Uhr

Hallo Michael S. und Ihre vorgeschobene Lizenz.

Wenn diese Waffenschmiede Heckler und Koch korrekt handeln würde, dann gäbe es keine Lizenzverträge mit Saudi-Arabien, mit dem Iran und sonstwo, am besten auch noch Nordkorea. Wer vorsätzlich seine Vereinbarungen so trifft, dass die Lizenznehmer schmutzige Geschäfte machen, ist selbst kein Saubermann. Die Staatsanwaltschaft muss einschreiten. Solche Praktiken im sog. sauberen Nachkriegsdeutschland sind verabscheuungswürdig und entbehren jedweder Moral.

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