Ungeklärt Deutsche Gewehre in Libyen

Von Franz Feyder und Christoph Reisinger 

 Foto: StN
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Bundesregierung weist Verantwortung von sich - Hersteller: Definitiv nicht von uns geliefert.

Oberndorf/Tripolis - Libysche Kämpfer der Anti-Gaddafi-Milizen haben sich in den Waffenarsenalen des Diktators mit Beutewaffen aus deutscher Produktion eingedeckt. Das wirft die Frage auf: Wie sind die Oberndorfer Produkte nach Libyen gelangt? Heckler & Koch dazu: "Die Waffen wurden definitiv nicht von uns geliefert."

Abdull Mohammed Khalil ist auf Kampf eingestellt, als er in den Stadtpalast Bab al-Azizia in Tripolis eindringt. In die Nobelbehausung, in der Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi inmitten von Prunk und Tand den Lebemann gab. "Ab und zu surrte ein Querschläger an mir vorbei", erzählt der Student unserer Zeitung. 53 Schuss Munition habe er noch für sein Gewehr gehabt - eine Kalaschnikow, älter als er selbst. "Zu wenige Patronen, wenn Gaddafis Leibgarde noch gekämpft hätte."

In deren Unterkunft sollte der Student bald schon unerwarteten Nachschub finden, der die Bundesregierung in Erklärungsnot bringt. In einem offenbar als Waffenkammer genutzten Raum fand Khalil deutsche G36-Gewehre. Auf denen sind über dem Handschutz die Bezeichnung HK G36 KV, Kal. 5,56 mm x 45, ein Bundesadler mit zugefügtem N, die Buchstaben AD sowie die stilisierten Württemberger Geweihstangen eingestanzt. Entschlüsselt bedeutet der Code: Bei den Gewehren handelt es sich um von Heckler & Koch hergestellte Waffen des Typs G36 KV. Sie haben das Kaliber 5,56 Millimeter x 45 und wurden 2003 in Oberndorf am Neckar hergestellt. Das Beschussamt Ulm hat diese G36 geprüft.

Dem ARD-Nachrichtenmagazin "Kontraste" liegen detaillierte Fotos von deutschen Waffen vor, die in Tripolis von Rebellen im Gaddafi-Fundus erbeutet wurden. Es strahlt die Aufnahmen am Donnerstag ab 21.45 Uhr aus. Offiziell sind die Waffen nie an das Gaddafi-Regime geliefert worden. In den Rüstungsexportberichten der Bundesregierung ist eine Lieferung von Sturmgewehren nicht verzeichnet. Das Bundeswirtschaftsministerium zuckt mit den Schultern. Ressortchef Philipp Rösler lässt seinen Sprecher mitteilen, "dass der Bundesregierung derzeit noch keine gesicherten Erkenntnisse über einen möglichen Einsatz von G36-Gewehren in Libyen vorliegen".

Dabei hätten die Ministerialen nur am vergangenen Donnerstag die "Tagesschau" sehen müssen. Sie zeigte, wie ein Rebell vor dem Corinthia-Hotel am Rand der Altstadt von Tripolis mit einem G36 K auf regimetreue Scharfschützen feuerte.

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