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Umfrage Überfremdungsangst und Führerfantasien

Christiane Jacke , vom 14.10.2010 05:25 Uhr
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Berlin - Eine Befragung der Friedrich-Ebert-Stiftung kommt zu einem alarmierenden Ergebnis: Beinahe jeder zehnte Deutsche findet eine Diktatur gut. Der aktuellen Politik fühlen sich hingegen beinahe alle Bürger hiflos ausgeliefert. Die Toleranz schwindet.

Die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland nimmt zu. Ein Viertel der Bevölkerung ist inzwischen fremdenfeindlich eingestellt, wie eine am Mittwoch in Berlin vorgestellte Studie im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung ergab. 2008 sei es noch ein Fünftel der Bürger gewesen. Die Feindseligkeit gegenüber dem Islam ist der Studie zufolge besonders ausgeprägt. Auch der Zuspruch für eine Diktatur als Staatsform wächst.

Für die repräsentative Studie "Die Mitte in der Krise - Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2010" wurden im Frühjahr mehr als 2400 Menschen im Alter von 14 bis 90 Jahren in direkten Interviews befragt. Abgefragt wurden verschiedene Dimensionen von Rechtsextremismus, unter anderem Ausländerfeindlichkeit oder die Verharmlosung des Nationalsozialismus.

Mehr als 30 Prozent der Bevölkerung stimmen laut Studie der Aussage zu: "Ausländer kommen, um den Sozialstaat auszunutzen." Ein ebenso großer Anteil meint, bei knappen Arbeitsplätzen "sollte man die Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken", und durch "die vielen Ausländer" sei Deutschland "in einem gefährlichen Maß überfremdet". Besondere Ablehnung schlägt dem Islam entgegen. Der Aussage "Für Muslime in Deutschland sollte die Religionsausübung erheblich eingeschränkt werden" schließen sich 58,4 Prozent der Befragten an - in Ostdeutschland sogar 75,7 Prozent.

"Deutsch muss verpflichtende Schulsprache sein"

Ausländer- und Islamfeindlichkeit sind den Forschern zufolge im Osten deutlich stärker ausgeprägt als im Westen - trotz oder gerade wegen des geringen Migrantenanteils in den neuen Bundesländern. Durch mangelnden Kontakt zu Ausländern bleibe das Fremde "abstrakt", heißt es in der Studie. Das biete viel Angriffsfläche. Hintergrund für das Ost-West-Gefälle sei aber auch die hohe Arbeitslosigkeit in den neuen Bundeslöändern. Wer arbeitslos ist oder arbeitslos war, neigt den Forschern zufolge eher zu rechtsextremen Einstellungen.

Fast jeder Vierte meint laut Umfrage, Deutschland brauche jetzt "eine einzige starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert". Rund 13 Prozent wünschen sich einen "Führer", der "Deutschland zum Wohle aller mit starker Hand regiert", und fast neun Prozent halten eine Diktatur "unter bestimmten Umständen für die bessere Staatsform". 10,3 Prozent meinen, der Nationalsozialismus habe "auch seine guten Seiten" gehabt.

Parallel dazu fühlt sich die große Mehrheit der Politik machtlos ausgesetzt. über 90 Prozent der Bevölkerung halten es für "sinnlos", sich "politisch zu engagieren" und meinen, sie hätten "sowieso keinen Einfluss darauf, was die Regierung tut". Die Autoren werteten die Ergebnisse als "Alarmsignal für Politik und Gesellschaft". Angesichts von Abstiegsängsten hätten rechtsextreme Einstellungen mit der Wirtschafts- und Finanzkrise zugenommen, warnten Decker und Brühler. Es bestehe die Gefahr, dass Rechtspopulisten versuchten, aus der Situation "politisch Kapital zu schlagen".

Der Untersuchung zufolge ist keine gesellschaftliche Gruppe für rechtsextreme Einstellungen immun. Ältere Menschen stimmen zwar wesentlich häufiger rechtsextremen Aussagen zu als junge. Auch je niedriger das Bildungsniveau, desto ausgeprägter die rechtsextreme Einstellung. Rechtsextremismus sei jedoch kein Phänomen am Rand der Gesellschaft, sondern in der Mitte der Gesellschaft verbreitet.

Alle Parteien - auch Grüne wie Linke - haben der Untersuchung zufolge Anhänger mit rechtsextremen Auffassungen. Bei Gewerkschaftsmitgliedern sind solche Einstellungen in gleichem Maße zu finden wie in der Gesamtgesellschaft. Unter den Mitgliedern der evangelischen und katholischen Kirche sind diese Gedanken sogar etwas verbreiteter als unter Konfessionslosen.

Unterdessen schaltet sich die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, in die Debatte mit dem Vorschlag ein, Deutsch zur Pflicht in Schulen zu machen. "Vor einem Jahr hat diese Diskussion noch einen Aufschrei hervorgerufen. Heute hat sich die Erkenntnis durchgesetzt: Deutsch muss verpflichtende Schulsprache sein", sagte die CDU-Politikerin.

Kommentare (16)
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NOV
01
21:14 Uhr, geschrieben von WähleTrotzdem
Fragestellungen und Interpretationen
Das Problem bei Umfragen ist oftmals, dass eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Fragen nicht möglich ist. "Wir sollten einen Führer haben, der Deutschland zum Wohle aller mit starker Hand regiert" Klingt das nicht verlockend? Zum Wohle aller - nicht nur zum Wohle der Lobbyisten und Großkonzerne? Kann es sein, dass sich an solchen Fragen der Frust darüber entlädt dass man sich als Wähler gar nicht mehr ernstgenommen fühlt? (Man erinnere sich nur an das Thema Mehrwertsteuererhöhung!) Man kann doch das Gefühl haben, in einer Pappnasenrepublik zu leben. Politik als Kasperlaufführung für's naive Volk, das man unterhalten, aber nicht ernst nehmen muss. Pappnasenpolitiker an den Strippen von multinationalen Marionettenspielern. Ich kann gut verstehen, dass man gern mal jemanden hätte, der auf den Tisch haut und dem ewigen Gezerre ein Ende macht und anstatt jahrelang nur um die vereinfachte Steuererklärung zu diskutieren auch mal Taten sprechen lässt. Das Dumme ist nur, dass das mit dem "zum Wohle aller" bisher nicht wirklich funktioniert hat - auch nicht in der Diktatur.
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OKT
22
14:41 Uhr, geschrieben von Dieter Machmüller
Die Frage von der Ebertstiftung ist unehrlich in Ihrer Bewertung:
Sie verortet jeden der aufgrund der unbestreitbaren Probleme mit Multikulti (eine Totgeburt; ungefragt der Bevölkerung übergestülpt!) und dem Islam als solchen (In Demokratien unerträglich bzw. unverträglich mit deren Werten und Rechtssystemen) hat, als "rechtsstehend". Das ist nach Ansicht einer kleinen Minderheit von Gutmenschen und Politikern wohl Politcal Corect aber deshalb trotzdem nicht zutreffend! Die echten Rechten sind seit Jahren konstant in Zahl und bekannt in Köpfen. Somit beherrschbar. Sie können trotzdem keinen Honig aus dem Zuspruch zu den Thesen Sarrazins, Giordano, Cileli und anderer Antiislamisten ziehen. Die These mit den Rechtsstehenden ist schon allein deshalb nachweislich falsch weil dieses Phänomen nicht auf alle "Ausländer" angewendet wird sondern auf bestimmte Teile des Migrantentums: auf Türkisch/Arabische Muslime nämlich. Das ist keine typisch Deutsches Phänomen wie ein Blick über die Grenzen zu unseren Nachbarvölkern zeigt sondern ein internationales Phänomen. Überall auf der Welt haben die gleichen Leute die gleichen Ansichten und Probleme mit Muslimen und den von Ihnen verursachten Problemen: Ihre Unadaptierbarkeit an freie, westliche Gesellschaften. Das streben danach Ihre Muslimische Weltsicht als verbindlich für alle Völker dieser Erde einzufordern mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln! Sie sehen diese muslimische Weltsicht als Gegenentwurf zu den Entwürfen der freien westlichen Völker und Nationen! Und jetzt sollen alle die sich damit auf gar keinen Fall einverstanden erklären alles Rechte sein? Da gibt es querbet jede politische Meinung selbst bei den Grünen sind es noch über 30% der Mitglieder! 9% der Bundesbürger halten eine Diktatur unter bestimmten Voraussetzungen für die bessere Staatsform? Was für eine schallende Ohrfeige für die Politik: 9% der Bevölkerung sind der Ansicht schlimmer können wir nicht reinfallen als mit der Demokratie! Das ist das Kernproblem: die Politik und unsere Politiker! Sie sind maßgeblich am Zustandekommen solcher Ergebnisse schuld! Es ist deren versagen das inzwischen bei wichtigen Wahlen fast 50% der Wahlberechtigten zu Hause bleiben weil Sie sich sagen: es ändert sich ja doch nichts!
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OKT
18
22:10 Uhr, geschrieben von Der Stuttgarter
was soll das heißen - ist man ein "Rechter" wenn mann kitisch seine Meiung gegen Ausländer äußert?
Ich gehöre nicht den Republikanern oder der NDP oder gar einer noch radikaleren Truppe an, die die grässlichen Ideale von vor 60 Jahren angöttern. Ich habe nur ein Problem wenn ich mich als Deutscher in unserem Heimatland von Ausländern beschimpfen, bestehlen oder gar krimminellen Handlungen unterziehen muss. In Bad Cannstatt am Bahnhof musste meine Frus und ich neuilich von einem islamischen männlichen Mitbewohner als "Scheiss Deutsch" beschimpfen lassen, weil ich meiner Frau am Bahnsteig einen Kuss gegeben habe. In den Zeitungen liest man immer öfters, dass deutsche Schüler in den Schulklassen nichts mehr zu sagen haben, weil die Muselmanen das Sagen haben, nach dieser Verbalen Etgleisung kann ich das verstehen. Ich möchte, dass solche Menschen unverzüglich in ihr Heimatland zurückkehren müssen, sie haben bei uns nichts zu suchen, denn sie können unsere Gasfreundschaft nicht würdigen. Ich bin deshalb kein Rchter, ich möchte diesen Menschen auch nichts antun. Ich habe kein Problem wenn bei uns Menschen leben die unseren Staat und unsere Kultur würdigen, unter diesen Gesichtpunkten dürften sogar die Amen aus Afrika zu uns kommen. Leider jedem der sich in Deutschland gegen Ausländer stellt gleich rechtes Gedankengut nachgesagt, schade, denn wir leben doch eigentlich in einer Demokratie!
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