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Uli Gsell über Hunde und Kunst „Der Mops auf der Loriot-Säule muss ehrlich sein“

Von Eva Funke 

Bildhauer Uli Gsell arbeitet an seinem Mopsmodell Foto: Max Kovalenko
Bildhauer Uli Gsell arbeitet an seinem MopsmodellFoto: Max Kovalenko

Noch in der ersten Jahreshälfte soll auf die Loriot-Gedenksäule am Eugensplatz ein Mops kommen. Der Bildhauer Uli Gsell arbeitet schon dran. Der Grund für seine Kreativität: Die Stuttgarter finden, dass die Säule nur Sinn mit Mops macht.

Herr Gsell, mögen Sie Möpse?
Ein Hundeliebhaber bin ich nicht. Ich musste mich langsam an das Thema herantasten.
Wie machen Sie das?
Ich habe Möpse beobachtet, mir Gedanken darüber gemacht, was das Wesen des Mopses ausmacht. Dadurch hat sich auch meine Einstellung zu Hunden verändert.
Inwiefern?
Wenn Herrchen und Frauchen früher mit ihren Hunden Gassi gegangen sind, war mir das oft lästig. Denn einige Hunde pinkeln in unseren Vorgarten. Jetzt habe ich mehr Verständnis für die Hunde und ihre Halter.
Wie erklären Sie sich, dass so viele Menschen daran interessiert sind, dass ein neuer Mops auf die Loriot-Säule kommt?
Die Dynamik, die diese skurrile Geschichte entwickelt hat, ist schon erstaunlich. Noch mehr hat mich überrascht, dass sich sogar der Stuttgarter Oberbürgermeister zu Wort meldet hat für den Hund auf der Säule plädiert. Das Interesse über Stuttgarts Stadtgrenzen hinaus hat sicherlich mit der Wertschätzung für Vicco von Bülow alias Loriot zu tun: Er war Humorist und Humanist, der die Schwächen der Menschen beschrieb, ohne sie zu verletzen.
Mal ehrlich, sind Sie nicht ein kleines bisschen neidisch, dass die Blogger von Kessel-TV die Idee mit dem Mops auf der Säule hatten?
Gar nicht. Die Säule war eine Auftragsarbeit. Der sitzende Mops war zwar witzig. Er hat aber nicht zur Säule gepasst – weder von der Pose noch von den Proportionen. Wäre er nicht verschwunden, hätte ich ihn selbst irgendwann runtergenommen. Mein Mops soll auf vier Beinen stehen, etwa 40 Zentimeter groß und aus Bronze sein. Wichtig sind die Details. Wie sieht er von hinten, wie von unten aus? Auch die Körperspannung ist wichtig.
Wird es eine Möpsin oder ein Rüde werden?
Ich hab schon verschiedene Entwürfe gemacht: einen Styropor- und einen Papp­kameraden, auch zwei Modelle aus Ton. Um bei der Geschlechtsfrage dem alltäglichen Sexismus zu entgehen, ist ein Modell männlich und weiblich zugleich. Es erinnert an die Wölfin, die Romulus und Remus gesäugt hat. Der neueste Entwurf ist geschlechtsneutral.
Sie arbeiten mit Stein, schaffen abstrakte Kunst. Was bringt Sie auf den Hund?
Nachdem mich immer mehr Leute gefragt haben, ob ich mir einen Mops auf der Säule vorstellen kann, hab’ ich mich mit der Idee auseinandergesetzt. Es ist in der Tat etwas Neues für mich. Dadurch wird die Aufgabe auch zu einer Herausforderung, bei der ich lerne. Bronze ist das geeignetere Material, weil es nicht so leicht wie Stein kaputt gemacht werden kann. Der neue Mops muss gut gemacht, und er soll vor allem ehrlich sein. Ein Schulfreund von mir hat Möpse. Die werden mir Modell stehen müssen.
Wie kann verhindert werden, dass auch die neue Skulptur verschwindet?
Die Figur ist hohl. In die Beine kommen Gewindestangen, die mit der Säule vermörtelt werden. Sturm und Kunstdiebe haben da kaum Chancen.
Haben Sie schon Tierskulpturen geschaffen?
Ja, während der Ausbildung an der Kunstakademie war ich oft in der Wilhelma, habe zum Beispiel Schlangen aus Stein gehauen und einen Affen in Bronze gießen lassen.
Wie sind Sie zur abstrakten Kunst gekommen?
Vor allem über die archaische Architektur, die mich auf einer Reise durch Mexiko fasziniert hat. Zum Thema „Essen und Ernährung“ habe ich damals auch zwei Schweine, eins aus Blei, das andere aus Stein, gefertigt, Beide waren bereits stark stilisiert. Aber ­keine Sorge, der Mops auf der Loriot-Säule wird erkennbar bleiben.
Womit wir wieder beim Mops wären. Fürchten oder hoffen Sie, dass sich die Bürger auch künftig in Kunstfragen einmischen?
Ich finde es toll, dass sich die Bürger zu Wort melden. Da entwickelt sich etwas. Da kommen Kunst und Demokratie zusammen. Das ist eine Form von Bürgerbeteiligung. Und die Bürger mischen sich ja nicht in die Kunstgestaltung, sondern in die Gestaltung eines Stadtteils ein. Man muss Anregungen schon aufnehmen können.
Wann dürfen wir mit einer Party zur Einweihung des ­Vierbeiners am Eugensplatz rechnen.
Wenn die 6000 Euro für die Skulptur durch Spenden aufgebracht sind, kann die Figur gegossen werden.
Was würde wohl Loriot zu alldem sagen?
Der hätte bestimmt seinen Spaß daran.
Als Nächstes wird im März Ihre Gedenksäule für Thaddäus Troll in Bad Cannstatt aufgestellt. Bekommt die als Krönung nun auch ein für den Mundartdichter typisches Symbol?
Ein Weinglas würde passen. Aber wer weiß? -
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