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Übergriffe an Silvester Frauen fühlen sich nicht sicher

Von Carolin Klinger 

Nach der Silvesternacht sind Frauen in Stuttgart verunsichert Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Nach der Silvesternacht sind Frauen in Stuttgart verunsichertFoto: Lichtgut/Max Kovalenko

Frauen und Diskotheken-Betreiber berichten von einer allgemein aggressiveren Stimmung in Stuttgart. Die Polizei bestreitet, dass es, abgesehen von Silvester, eine Häufung von sexuellen Belästigungen gibt.

Stuttgart - Nach den Übergriffen auf Frauen auf dem Stuttgarter Schlossplatz in der Silvesternacht hat sich die Zahl der Anzeigen erhöht. Inzwischen werde 17 Vorfällen nachgegangen, gab die Polizei am Freitag bekannt. Bei rund der Hälfte der Fälle gehe es um sexuelle Belästigung. Die verschiedenen Fälle werde man nun zusammentragen, Zeugenaussagen und eine Flut von Handyfotos aus der Nacht auswerten, so Polizeisprecher Jens Lauer.

In der Silvesternacht war ein 20-Jähriger verhaftet worden, der nun in Untersuchungshaft sitzt. „Wir haben ihn zunächst als verdächtigen Einzeltäter festgenommen, ob er aus einer Gruppe heraus agiert hat, wissen wir noch nicht“, stellt Lauer klar. Auch wie viele Täter oder Tätergruppen am Schlossplatz ihr Unwesen trieben, sei noch nicht geklärt. Bei dem festgenommenen Tatverdächtigen wurden zwei Mobiltelefone gefunden, deren Verbindungsdaten noch ausgewertet werden. „Das dauert seine Zeit“, sagt Lauer. Dem 20-Jährigen wird sexuelle Nötigung, Widerstand gegen die Polizei und Beleidigung vorgeworfen.

Nach den Medienberichten melden sich immer wieder Frauen, die von beängstigenden Szenen am Schlossplatz in der Silvesternacht – aber auch von anderen Vorkommnissen im Alltag berichten. Eine Frau aus Stuttgart schreibt beispielsweise unserer Zeitung, dass sie mit ihrer Schwester, die in Berlin lebt, auf dem Schlossplatz feiern wollte, jedoch von der „aggressiven Stimmung“ abgeschreckt wurde. „Wir hatten ein so ungutes Gefühl, dass wir den Platz so schnell wie möglich wieder verlassen haben.“ Drei junge Frauen aus dem Kreis Esslingen erzählen, dass sie das Schwimmbad meiden, seit sie dort von arabisch aussehenden Männern belästigt wurden. Auch in einer Kneipe wurden sie von Männern ausländischer Herkunft bedrängt und anschließend bis zu ihrem Auto verfolgt. Die Frauen mussten schließlich ihre Freunde zu Hilfe rufen.

Disko-Betreiber wünscht sich mehr Polizeipräsenz

Auch Carlos Coelho, Betreiber der Diskotheken Keller Klub und Wintergarten in der Stadtmitte beschreibt eine „merkwürdige, aufgeheizte Stimmung“ in der Stadt. Er wünscht sich mehr Polizeipräsenz: „Die Beamten sind die meiste Zeit in ihren Wagen unterwegs, aber eine Fußstreife würde in der Innenstadt für mehr Sicherheit sorgen, weil die Polizisten sich an den Brennpunkten aufhalten könnten.“

Die Stuttgarter Polizei geht jedoch zunächst davon aus, dass es sich bei den Vorfällen an Silvester um ein einmaliges Ereignis handelt. „Davor ist so etwas nicht passiert und danach auch nicht. Da wird jetzt auch vieles aufgebauscht“, sagt Lauer. Die Kritik, dass die Polizei zu wenig präsent sei, kann Lauer nicht nachvollziehen: „Wir sind doch schon in der Stadt dauerpräsent, wir waren auch am Schlossplatz in der Silvesternacht. Aber natürlich können wir nicht überall gleichzeitig sein.“

Dass sich Frauen im Raum Stuttgart nicht mehr sicher fühlen, ist ihm neu. „Vor Silvester gab es solche Aussagen nicht.“ Seiner Meinung nach sei diese Verunsicherung auch dem Hype geschuldet, der nun um die Ereignisse entstehe. „Sollen wir die Verunsicherung nun auch noch anfachen, indem wir in Schwimmbädern präsent sind?“, fragt Lauer. Belästigungen von Frauen habe es gegeben, aber es sei nicht zu einer extremen Häufung solcher Vorfälle im vergangenen Jahr gekommen.

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