Twike-Treffen im Rems-Murr-Kreis Umweltbewusster Fahrspaß

Von Frank Rodenhausen 

Beim Treffen im Rems-Murr-Kreis haben die Twikes für Aufsehen gesorgt. Im Vordergrund ein Gefährt aus Flintsbach im Kreis Rosenheim, das mit 330 Kilometern die längste Anreise hatte. Foto: Stoppel
Beim Treffen im Rems-Murr-Kreis haben die Twikes für Aufsehen gesorgt. Im Vordergrund ein Gefährt aus Flintsbach im Kreis Rosenheim, das mit 330 Kilometern die längste Anreise hatte.Foto: Stoppel

Es geht bequemer, aber aus unterschiedlichen Gründen kaum leidenschaftlicher: Mitglieder des Schweizer Twike-Clubs haben einen Ausflug in den Rems-Murr-Kreis gemacht.

Althütte - Zweimal hat Josef Knill auf seinem etwa 240 Kilometer langen Weg von Gailingen bei Schaffhausen nach Althütte-Sechselberg getankt und dabei jeweils längere Pausen gemacht. Zwischen 100 und 120 Kilometer schafft sein ungewöhnliches Transportmittel je nach Fahrweise, bevor der Akku aufgeladen werden muss – was vollständig etwa zwei Stunden dauert. Doch als Twike-Pilot weiß man, dass auf Langstrecken eben ein bisschen mehr Zeit einplant werden muss.

15 dieser dreirädrigen Elektrofahrzeuge (siehe „Das Twike“), die optisch mit Kabinenrollern verwandt sind, haben am Wochenende einen Ausflug in den Rems-Murr-Kreis gemacht. Der SchweizerTwike-Klub hat Mitglieder auch in ganz Deutschland und einige davon sind zum „Familien“-Treffen mit Programm aus verschiedenen Ecken der Republik ins Sechselberger Naturfreundehaus angereist.

250 Kilo statt 1,6 Tonnen

Insgesamt zehn bis 15 Twikes sind allein im Rems-Murr-Kreis zugelassen, schätzt Heinz-Peter Ulrichskötter aus Remshalden. Er selbst hat sich vor drei Jahren bereits sein zweites angeschafft. Die Technik der Leichtbaukonstruktion habe ihn fasziniert und zum Nachdenken darüber angeregt, ob es sinnvoll ist, einen 1,6 Tonnen schweren Kombi mit einem Benzinmotor antreiben zu lassen.

Er hat den Kombi gegen ein Twike getauscht, mit dem er entschleunigt auch gerne in den Urlaub fährt. Fünf Tage etwa habe er sich jüngst für die Anfahrt nach Barcelona Zeit genommen. „Das war der tollste Urlaub meines Lebens.“ Reise man zu zweit, „sollte die Beziehung allerdings schon in Ordnung sein“, rät Ulrichskötter und schmunzelt. In Anbetracht der beschränkten Platzverhältnisse müsse man sich gepäckmäßig ein bisschen bescheiden: „Zehn Paar Schuhe mitnehmen geht da nicht.“ Natürlich sei das Twike nicht für jeden Anlass geeignet, etwa dann, wenn man etwas Größeres transportieren oder mit einer Stepptanztruppe zum Wettkampf fahren müsse. Doch dafür gebe es ja Carsharing. „Man muss halt ein bisschen umdenken, aber so schwer ist das nicht.“

Tanken direkt aus der Rems

Wer Twike fährt, macht das meist auch, weil er sich generell gedanklich mit der alternativen Energieerzeugung beschäftigt. Heinz-Peter Ulrichskötter bezieht seinen Strom seit neustem nur ein paar hundert Meter von seinem Wohnort entfernt. Über das Remstalwerk lässt er den direkt von einem Wasserkraftwerk in Geradstetten einspeisen. Martin Vogelmann hat sich vor anderthalb Jahren an der Rems im Unteren Wasen einen lang gehegten Ingenieurstraum erfüllt, nachdem er dort ein Grundstück mit einem 1896 von einer Müllersfamilie erworbenen ewigen Wasserrecht erworben hatte. Seine 150 PS starke Turbine erzeugt pro Jahr etwa 550 000 Kilowattstunden Strom, was reicht, um 150 bis 180 Haushalte zu versorgen. Am Samstag hat Vogelmann indes wohl nicht viel in das Netz des Remstalwerks eingespeist. Die Twike-Klub-Mitglieder durften sich bei ihm nämlich nicht nur ein Bild von der Anlage machen, sondern ihre Gefährte während der Führung gleich aufladen.

Auch Josef Knill hat das gemacht. Laut Bordcomputer hätte die Restladung seines Akkus zwar wohl noch für die Rückkehr nach Sechselberg gereicht, aber die Gelegenheit, „verbrieft sauberen Strom“ zu tanken, hat er sich nicht entgehen lassen. Der gebürtige Schweizer ist, seit er seinen VW Passat vor zehn Jahren gegen ein Twike eingetauscht hat, privat fast ausschließlich mit dem Leichtbau-Elektromobil unterwegs – im Sommer wie im Winter. Aus der ursprünglich ökologisch motivierten Anschaffung („Ich hab mir gedacht, am Klima verändert sich nichts, wenn ich nicht auch etwas dafür tue“) ist längst eine Leidenschaft geworden.

Der Busfahrer wird bisweilen belächelt

Auch wenn er im Berufsleben bisweilen belächelt wird, wenn er nach dem Dienst knapp über Dackelhöhe in sein flaches Fahrzeug klettert, freut er sich jedes Mal auf das spezielle Fortbewegungserlebnis unter der Plexiglaskuppel. Seinen Lebensunterhalt verdient er als Busfahrer. Nur kurz habe er im vergangenen Jahr mal über die Anschaffung eines Elektro-Renault nachgedacht, sagt der 56-Jährige. „Das ist ein schönes Auto – aber eben ein Auto.“

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