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Tunnelbau Maulkorb-Erlass für alle Vertragspartner

Konstantin Schwarz, vom 19.08.2010 18:55 Uhr
 Foto: dpa
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Die Aufträge zu der Beweissicherung haben nach einer Ausschreibung zwei Firmen aus Esslingen erhalten. Öffentlich äußern dürfen sie sich nicht. Die Bahn hat alle Vertragspartner eine Art Maulkorb-Erlass unterschreiben lassen. Wer dennoch plaudert, riskiert es, seinen Auftrag zu verlieren.

Mitarbeiter der beiden Firmen vermessen seit wenigen Wochen jene Häuser, die dem Tunnelportal an der Willy-Brandt-Straße am nächsten stehen. Auch auf der gegenüberliegenden Talseite, wo von der Jägerstraße aus Tunnel in Richtung Feuerbach gegraben werden, sind Messteams unterwegs. Sie verankern Höhenbolzen im Mauerwerk und dokumentieren vom Keller bis zum Dach den aktuellen Zustand. Die fotografischen Protokolle gehen an die Bahn.

Das Verfahren ruft bei Anwohnern der S-Bahn auf den Fildern ungute Erinnerungen an den Streckenbau in den 90er-Jahren wach. "Damals sind die Gutachten auch nicht ausgehändigt worden", sagt Trudl Kauschinger. Als sich an Wintergarten ihres Hauses im Schützenweg in Leinfelden und an Wänden im Nachbarhaus Risse zeigten, seien die zwar durch den Bahn-Gutachter erfasst worden, die Papiere seien aber in den Aktenschränken des damaligen Bundesunternehmens verschwunden.

Über Umwege konnten Kauschingers die Gutachten erhalten. Eine Entschädigungsforderung habe die Bahn mit der lapidaren Erklärung "dann klagen sie doch gegen uns" abgeblockt. "Wir haben den Rechtsstreit gescheut und selbst bezahlt", sagt Trudl Kauschinger. "Eine Einsichtnahme in die Beweissicherungsunterlagen ist in Abstimmung mit dem Ersteller möglich." Eine Aushändigung der Unterlagen in Kopie sei "grundsätzlich möglich", sagt eine Stuttgart-21-Projektsprecherin auf Anfrage.

Dass die Gutachten nur bei der Bahn lagern stört auch Ulrich Wecker. Der Geschäftsführer des Haus- und Grundbesitzervereins vertritt rund 19.000 Mitglieder. "Ich denke, die Eigentümer haben Anspruch auf Herausgabe der Unterlagen", sagt der Jurist. Der Verein fordert Transparenz. Wecker spricht von "einer Art Waffengleichheit". Wer dem Bauherrn Bahn nicht vertraut, für den hat Haus und Grund bei einem Stuttgarter Gutachter eine Pauschale ausgehandelt. Für 350 Euro pro Objekt mit einer Wohnung und für 60 Euro für jede weitere Wohnung erstellt dieser eine Bestandsaufnahme - auch für Mitglieder, deren Haus nicht in die Beweissicherungsliste aufgenommen worden ist. "Wenn Schäden außerhalb des Gebiets auftreten, gilt das ganz normale Schadensrecht. Gibt es einen Zusammenhang mit dem Tunnelbau, muss die Bahn entschädigen", sagt Wecker.

Kommentare (16)
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AUG
21
20:16 Uhr, geschrieben von Anwohner
Nur mal überlegen
Liebe Stuttgarterin, was wäre alles nicht gemacht und nicht gebaut worden, wenn man jeden Betroffenen gefragt hätte, ob er dafür ist. Das berühmte Sankt-Floriansprinzip würde alles verhindern. Wäre dann die Welt besser? Wenn hier lauter derzeitige Bahn- Experten unserem Land, unserer Demokratie und seinen Menschen die Fähigkeit absprechen so ein Projekt zu planen und ordentlich durchzuziehen, dann ist das mehr als ein Protest. Dann ist das eigentlich ein Grund auszuwandern in eine andere Republik.
AUG
20
12:26 Uhr, geschrieben von Eine Stuttgarterin
Ich bin mal gespannt, ob es zensiert wird!!
Am Dienstag eröffnet die Stadt Stuttgart die Angebote der Tunnelbauer! ----ich hoffe für UNS ALLE, dass den Zuschlag nicht der billigste Anbieter bekommt! Es ist LEIDER gesetzl. so festgelegt, dass städtische Ausschreibungen ab einer gewissen Summe, öffentlich (Landesweit) ausgeschrieben werden müssen. Das heisst, dass Angebote aus ganz Deutschland eintrudeln werden. Die Stadt ist verpflichtet den günstigsten Anbieter zu beauftragen. Eine hohe Qualität, die bei diesem Projekt ein absolutes Muss sein sollte, bleibt hier auf der Strecke. Ich frage mich so oft, warum können wir Bürger in Deutschland nicht MITBESTIMMEN! Also einen richtigen Volksentscheid, der auch akzeptiert wird. Warum müssen wir uns immer mit ALLEM abfinden, was die Politiker etc. "für unser aller Wohl" planen und umsetzen? Warum werden wir für DUMM verkauft? Ich bin einfach von ALLEN Politikern etc. dermaßen enttäuscht,dass mir einfach die Worte fehlen. " HOFFENTLICH " können die Verantwortlichen gut schlafen, wenn es zu den ersten Erdrutschen, vielleicht sogar Todesfällen ( siehe Köln ) kommt. Leider bringt unsere Schreiberei GAR NICHTS, weil DAS die Verantwortlichen überhaupt nicht interessiert und somit auch nicht lesen!
AUG
20
12:05 Uhr, geschrieben von Kellerkind
Bravo!
Da melden sich ja wieder eine ganze Menge baulicher Experten zu Wort und erzählen über Dinge von denen Sie nichts verstehen. Wenn man den Argumenten einiger S21-Gegner hier folgt, dürfte überhaupt nichts mehr gebaut werden. Und das in einem Land, dass gerade auch im Bausektor zu den anspruchsvollsten zählt. Aber wer hier so groß gegen den Tunnelbau und die Gefahr vorm Versinken Stuttgartts tönt, kann ja gerne nach Köln auswandern. Die suchen noch nach Experten, die erklären könne warum das Archiv wirklich eingestürzt ist - und nein der fehlende Baustahl war nicht der Grund...
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