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Tradition und Moderne im Wohnzimmer

"Bad Cannstatt und Neckarvororte", vom 09.12.2011 02:46 Uhr
S-Ost Die Galerie Dorn lädt zur fünften Grafik-Biennale in die Planckstraße ein. Von Nina Ayerle

Aus Liebe zur Kunst und um ihre eigene kleine Kunstsammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, haben Helmut und Gertrud Dorn vor vierzig Jahren in ihrem Wohnzimmer in der Planckstraße 123 in Stuttgart-Ost ihre eigene Galerie eröffnet. Ihre Sammlung bestand vor allem aus Grafiken des Expressionismus. Auch eine bedeutende Auswahl an Grafikblättern des Künstlers Otto Dix sowie Werke aus dem Stuttgarter Kreis um Adolf Hölzel befindet sich in ihrem Besitz. "Irgendwann hat die Kunst die Familie aus den Wohnräumen verdrängt, das Haus wurde nur noch als Galerie genutzt", erzählt Martin Schmid, ein Mitarbeiter der Galerie Dorn.

Vor wenigen Tagen eröffnete die Galerie ihre fünfte Grafik-Biennale, eine Ausstellung mit expressionistischen Werken, aber auch Arbeiten aus der Moderne. "Neben Grafiken haben wir auch Kleinskulpturen von Bilderhauern in unserer Galerie ausgestellt", sagt Schmid. Der Kunsthistoriker betreut die Galerie zusammen mit der Mitarbeiterin Gisela Wild seit einigen Jahren. "Viele Kunstinteressierte kommen hierher, weil sie unser Galerieprogramm kennen", sagt der 46-Jährige. Wichtig sei der Galerie deshalb immer gewesen, ein gut profiliertes Programm zu haben. Besonders die Kleinskulpturen seien vom Publikum sehr geschätzt. "Wir haben hier keine typischen Galeriedimensionen, sondern sind nach wie vor in einem Wohnhaus. Die Kleinskulpturen passen deshalb auch sehr gut in unsere Atmosphäre", sagt Schmid. In der Tradition des Hauses liege es seit jeher, die ursprüngliche Wohnzimmer-Atmosphäre zu erhalten. "Unsere Besucher sollen sich hier wohlfühlen. Wir legen sehr viel Wert auf persönliche Gespräche", so der Kunsthistoriker.

Lange hatte sich der einstige Galeriebesitzer Helmut Dorn selbst um die Galerie gekümmert. "Seit seinem Tod im Jahr 2005 hat sich die Familie aus dem aktiven Geschäft etwas zurückgezogen", sagt Schmid. Die beiden Mitarbeiter Schmid und Wild kümmern sich seitdem um das Alltagsgeschäft und führen die Galerie im Sinne der Besitzerin Gertrud Dorn weiter. Nach wie vor gibt die 83-jährige Galeristin die Richtung der Galerie vor und wählt das Programm aus. "Es ist ihr sehr wichtig, dass die Atmosphäre der Galerie aufrecht erhalten wird, das Programm aber immer wieder auch ein neues Profil erhält", sagt Schmid. Die Verbundenheit zu Künstlern aus Baden-Württemberg ist der Galerie Dorn nach wie vor eine Verpflichtung, ebenso die Förderung junger Künstler, sodass auch immer wieder aktuelle Werke in den Ausstellungen entdeckt werden können, wie etwa von dem Rottweiler Künstler Norbert Stockhus.

In der Grafik-Biennale finden sich Kunstwerke, die aus dem Druckgrafischen kommen wie zum Beispiel Radierungen oder Holzschnitte. "Wir stellen nur Originale von Künstlern aus und keine Reproduktionen", betont Schmid. Alle Werke sind deshalb aus der ursprünglichen Auflage der Künstler und tragen deren Handschrift. Neben dem bekannten Dix-Hahn sind in der Ausstellung unter anderem Werke von Max Beckmann, Willi Baumeister, Max Ackermann oder Erich Heckel zu sehen. Die Offenheit und Neugier für Außenseiter in der Kunst des Ehepaar Dorns zeigt sich auch in der umfangreichen Sammlung an Originalgraphiken von Hundertwasser, von denen ebenfalls einige in der aktuellen Ausstellung bewundert werden können.

Öffnungszeiten Bis zum 21. Januar 2012 läuft die Grafik-Biennale in der Galerie Dorn.

Die Galerie ist von Dienstag bis Freitag von 16 bis 19 Uhr und am Samstag von 10 bis 13 Uhr geöffnet.

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