Tischtennis-WM Traum-Doppel mit Zugkraft

Von Jürgen Frey 

Hofft auf WM-Gold im Doppel: Tischtennis-Star Timo Boll Foto: dpa
Hofft auf WM-Gold im Doppel: Tischtennis-Star Timo BollFoto: dpa

Es hat den Knalleffekt eines China-Krachers: Damit der Sportart mehr Aufmerksamkeit zukommt, treten Timo Boll und der chinesische Star Ma Long bei der an diesem Sonntag beginnenden Tischtennis-WM gemeinsam im Doppel an. Boll erhofft sich dadurch seinen ersten Titel bei einer Weltmeisterschaft.

Suzhou/Stuttgart - Bernhard Schmittenbecher spielte die Werbewirksamkeit dieses Traum-Doppels etwas herunter. „Timo Boll ist schon sehr, sehr gut vermarktet. Dieser Aspekt steht wirklich nur an zweiter Stelle“, sagt der Manager des deutschen Tischtennis-Stars. Seinem Klienten gehe es vielmehr darum, die Karriere mit dem ersten WM-Titel zu krönen.

Und mit dem sechsmaligen Mannschafts-Weltmeister Ma Long an der Seite stehen die Chancen so gut wie nie. „Wir sind ganz sicher heiße Kandidaten auf den WM-Titel“, sagt selbst der sonst so bescheidene Boll.

Dass Ma Long (26) und Timo Boll (34)gemeinsam bei den Titelkämpfen am Tisch stehen, ist für Thomas Weikert, den Präsidenten des Tischtennis-Weltverbandes, „eine sportpolitische Sensation“. Vergleichbar mit einem Tennis-Doppel Rafael Nadal/Roger Federer bei einem Grand-Slam-Turnier.

Der Triumphzug ließ das Interesse am Tischtennis sinken

Wie es dazu kam? 2014 stellte China den Antrag, dass bei Weltmeisterschaften Spieler unterschiedlicher Nationen ein Doppel bilden dürfen. Auf den ersten Blick eine abstruse Idee: Jahrzehntelang legten die Chinesen völlig humorlos größten Wert darauf, alles, aber auch wirklich alles, abzuräumen, was es abzuräumen gibt. Doch der Triumphzug ließ das Interesse an der Volkssportart sinken.

„Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht zu Tode siegen“, erkannte Chinas Cheftrainer Liu Guoliang mit Blick auf den hoffnungslos abgeschlagenen Rest der Welt. Nun also soll das Promi-Doppel der WM im eigenen Land einen zusätzlichen Kick geben. „Das wird für frischen Wind sorgen. Timo ist der beliebteste und populärste deutsche Sportler in China“, betont Schmittenbecher.

„Sie passen sehr gut zusammen“

Trotz der Sprachbarrieren ergänzen sich beide Top-Spieler hervorragend: „Sie passen menschlich und sportlich sehr gut zusammen“, ist sich der Manager sicher. Boll ist Linkshänder, Ma Long Rechtshänder. Der Chinese macht mit seiner krachenden Vor- und Rückhand ein Wahnsinnstempo am Tisch. Dass nicht er, sondern Zhang Jike Olympiasieger und Weltmeister ist, liegt am stärkeren Nervenkostüm seines extrovertierten Landsmannes.

Einer allerdings von Bolls China-Connection nicht begeistert: Bundestrainer Jörg Roßkopf. Er hätte es gerne gesehen, wenn sich Boll mit seinem deutschen Doppel-Partner Patrick Franziska für Olympia 2016 eingespielt hätte.

„Jetzt beginnt eben nach der WM die Vorbereitung für Rio“, sagt Roßkopf. Er drückt Ma Long und Timo Boll trotzdem die Daumen. Dass das Duo nur an Position 18 gesetzt ist und schon früh auf starke Gegner treffen kann, sei kein Problem: „Sie werden das Feld von hinten aufrollen“, prophezeit Roßkopf. Ganz im gesamtpolitischen Sinne der Sportart Tischtennis.

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