Tischtennis Speedy Fetzner dreht die Uhr zurück

Von muz 

Steffen Fetzner (re.) mit Doppel-Partner Jörg Roßkopf 1992 bei der EM in Stuttgart. Foto: Baumann
Steffen Fetzner (re.) mit Doppel-Partner Jörg Roßkopf 1992 bei der EM in Stuttgart.Foto: Baumann

Tischtennis-Ex-Weltmeister Steffen Fetzner startet neben anderen einstigen Stars beim Legenden-Turnier in Pfullingen und bedauert den Niedergang der Sportart in Deutschland.

Pfullingen - 8. April 1989. Die Spannung ist in der bis auf den letzten Platz ausverkauften Dortmunder Westfalenhalle zu spüren. Drei Matchbälle hat deutsche Duo im Finale der Tischtennis-WM bereits liegen lassen. Dann verwandelt Jörg Roßkopf sicher, liegt sich mit Doppelpartner Steffen Fetzner in den Armen. Die Polen Zoran Kalinic und Leszek Kucharski sind geschlagen, die Zuschauer toben, jubeln, kreischen.

Am 6. Januar (11 Uhr/Finale 17.15 Uhr) treffen zwei Protagonisten dieses denkwürdigen Abends in der Kurt-App-Sporthalle in Pfullingen erneut aufeinander. Steffen Fetzner, den alle „Speedy“ nannten, und Leszek Kucharski gehen wie die ehemaligen schwedischen Ausnahmespieler Jörgen Persson und Mikael Appelgren und Ex-Weltmeister Werner Schlager (Österreich) beim Treffen der Tischtennis-Legenden an die Platte. „Wir werden den Zuschauern sicher ein paar schöne Spiele mit spannenden Ballwechseln zeigen“, verspricht Fetzner, der zugibt: „Ich habe zwar ein paar Kilo zuviel auf den Rippen und bin nicht mehr ganz so schnell, aber die Freude am Spiel ist immer noch da.“

So wie an vielen Orten in Deutschland – Tischtennisplatten stehen in Freibädern und Schulhöfen, wo man sich den Zelluloidball zuschmettert. Doch die goldenen Zeiten sind vorbei. Der Triumph der Außenseiter Roßkopf und Fetzner veränderte zunächst die Sportart. Einladungen zu Fernsehsendungen, Empfänge, Ehrungen, ein regelrechter Hype um die beiden Burschen, die 19 und 20 Jahre alt waren, folgten. Drei Wochen nach dem WM-Erfolg übertrug die ARD das Europapokalfinale von Roßkopfs und Fetzners Club Borussia Düsseldorf drei Stunden live. Tischtennis war plötzlich Spitzensport. Und die Erfolge ließen nicht auf sich warten: 1992 gewannen Roßkopf und Fetzner bei Olympia in Barcelona Silber, Roßkopf holte bei der EM in Stuttgart den Titel im Einzel.

Schleichend setzte der Niedergang ein

Schleichend setzte der Niedergang ein – trotz der überzeugenden Erfolge der nachfolgenden Generation um Timo Boll, Patrick Baum, Dimitrij Owtscharow, die nun von Bundestrainer Roßkopf gecoacht werden. Von den starken Auftritten der deutschen Asse bekommt der Zuschauer nichts mit. „Das ist extrem schade, Tischtennis findet im Fernsehen viel zu selten statt“, moniert Steffen Fetzner, der als Manager für den Tischtennis-Ausrüster Donic arbeitet. Warum das so ist? Der 47-Jährige ringt um eine Antwort. Denn vieles wurde ausprobiert, um die Sportart modern und telegen zu präsentieren. Unter den Tischen liegt ein kontrastgebender roter Boden, es gibt einen Centre Court, die Bälle wurden vergrößert, die Sätze verkürzt. Viele Probleme sind jedoch hausgemacht. So machen teils nicht nachvollziehbare Regeländerungen bei Beläge und Bällen den Spitzenspielern zu schaffen. „Nichts davon macht den Sport attraktiver“, schimpft der Olympia-Dritte Owtscharow.

Warum nicht den Skispringern nacheifern, meint Fetzner. Sein Vorschlag: Viele Zeitlupen, noch besser Super-Slow-Motion, und ein Experte, wie Dieter Thoma bei den deutschen Adlern, der das komplexe und schnelle Spiel analysiert und erklärt. Das Spiel muss attraktiver werden. Denn ohne TV-Präsenz lassen sich junge Leute nicht vom Tischtennis begeistern. „Wenn es so weitergeht, ist die Sportart im Fernsehen bald verschwunden“, befürchtet Fetzner.

Ohne Quote keine Sponsoren und ohne Geld können sich Clubs das Abenteuer Bundesliga nicht leisten. Jüngstes Negativbeispiel aus Baden-Württemberg: Der TTC Frickenhausen und der SV Plüderhausen sind nicht mehr in der Beletage vertreten. „Schade drum“, sagt Fetzner, der am 6. Januar wieder zeigen will, wie spannend und attraktiv das Spiel mit dem kleinen Ball sein kann.

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