Beim Thema Tiertransporte verhält es sich wie mit großen Naturkatastrophen: Es lässt niemanden kalt, die Emotionen kochen hoch, auch bei Tierschutzverbänden. Relativ sachlich setzt sich der Deutsche Tierschutzbund damit auseinander. Die Tiertransporte würden oft tagelang dauern, kritisiert er, das Platzangebot sei ungenügend. Ein Schwein von 100 Kilogramm habe nur eine Fläche von einem halben Quadratmeter zur Verfügung - und das trotz einer EU-Verordnung, die 2007 in Kraft getreten ist. Doch selbst die ist nach Meinung vieler Tierschützer viel zu lasch geraten.
Will der Viehhändler demnach seine Schweine länger als acht Stunden transportieren, benötigt er lediglich eine Zulassung als Transportunternehmer und muss "die Kontrolle und Zulassung der Straßentransportfahrzeuge" nachweisen. Kälber müssen zudem älter als 14 Tage alt sein, Schweine schwerer als zehn Kilo und Pferde älter als vier Monate, "sofern sie nicht von dem Muttertier begleitet werden", wie es in der Verordnung heißt.
"Von uns werden alle Vorschriften eingehalten"
"Häufig werden nicht einmal diese geringen Anforderungen eingehalten", kritisieren der Tierschutzbund und Animals' Angels, ein Verein, der sich gegen Tiertransporte einsetzt. Hans-Peter Eberhardt aus Glatten im Schwarzwald kann solchen Aussagen nur widersprechen. Eberhardt ist Viehhändler, mit seinen Lastwagen lässt er jede Woche tausende Rinder und Schweine durch Deutschland fahren. Hauptsächlich nach Norddeutschland gehen die Reisen. "Von uns werden alle Vorschriften eingehalten", versichert Eberhard und verweist auf seinen Fuhrpark. Die Lastwagen seien unter anderem mit Klimaanlage, Temperaturmesser und Ventilatoren ausgerüstet. An heißen Sommertagen würde er außerdem meist nachts fahren lassen. In der vorvergangenen Woche sei er drei Mal von der Polizei kontrolliert worden, sagt er. Die Polizei hätte nichts zu beanstanden gehabt.
40.000 Tiertransporte haben die Beamten im vergangenen Jahr im Südwesten kontrolliert. Es gab Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten, Verwarnungen und Belehrungen. Agrarminister Rudolf Köberle (CDU) ist der Schutz transportierter Tiere ein "besonders wichtiges Anliegen". Tiertransporte dürfe es nur im "unbedingt erforderlichen Maß" geben. Die Viehhändler im Land dürften das etwas anders sehen.