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Tierschutz Das Rebhuhn als Fieberthermometer der Filder

Malte Klein, vom 30.01.2012 10:30 Uhr
Wolfgang Drexler (3.v.r.) informiert sich über Rebhühner. Foto: Malte Klein
Wolfgang Drexler (3.v.r.) informiert sich über Rebhühner. Foto: Malte Klein

Filder - Auf einem schmalen Feldweg bei Sielmingen steht am Samstagmittag eine Gruppe von etwa zwei Dutzend Menschen. Konzentriert schauen sie in die Ferne. Sie sind wegen des Rebhuhns da, eines braungrauen Vogels, der vom Aussterben bedroht ist. „Dieses eingesäte Feld bietet dem Rebhuhn Schutz vor seinen Feinden wie dem Fuchs und dem Habicht“, sagt Wolfgang Hinderer, der Hegeringleiter der Jägervereinigung Esslingen.

Jäger und Naturschützer haben den SPD-Landtagsabgeordneten und Landtagsvizepräsidenten Wolfgang Drexler eingeladen, um ihm den Lebensraum des seltenen Vogels zu zeigen und um Unterstützung für ihre Sache zu bitten. Außerdem ziehen sie 20 Jahre nach dem Start des Rebhuhnprojekts in Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen eine Zwischenbilanz. Am Projekt beteiligen sich die Jägervereinigung Esslingen, die Ortsgruppe Leinfelden-Echterdingen des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu), die Biotopkartierer Filderstadt und viele Landwirte. Sie wollen den Lebensraum des Vogels so gestalten, dass er auf den Fildern überlebt.

Rebhuhn braucht Randstrukturen

Hinderer zeigt auf ein abgeerntetes und umgepflügtes Feld. „Das sieht aufgeräumt aus. Doch für das Rebhuhn ist das schlecht, weil es keinen Schutz findet.“ Das eingesäte Feld sei viel besser für die Vögel. Der Hegering hat es von einem Landwirt gepachtet, der dafür Geld bekommt. Es wird einmal jährlich gemäht. „Das Rebhuhn braucht diese Randstrukturen“, erklärt Eberhard Mayer von den Biotopkartierern. Ein Streifen von zehn Metern reiche völlig aus. „Wo sind denn die Rebhühner?“, fragt Drexler. Die Gruppe sieht keines, weil die Tiere in der Winterzeit ihre Kräfte schonen.

Bis in die 80er Jahre war die Welt der Rebhühner auf den Fildern in Ordnung. „Es gab einen erfreulich hohen Bestand.“ Doch dann nahm die Population rapide ab. Im Jahr 2000 lebte ein Viertel weniger Tiere. In Leinfelden-Echterdingen gab es nur noch drei und in Filderstadt zehn Brutpaare. „Wenn wir nichts unternommen hätten, wären die Rebhühner in den Städten schon ganz verschwunden“, vermutet Mayer.

Die Vögel haben mit vielen Einflüssen zu kämpfen. Mayer nennt den großen Flächenverbrauch durch Ortsumfahrungen, die Messe und Bauten am Flughafen, aber auch die Flurbereinigung, durch die Randstreifen als Lebensraum verloren gingen. Die natürlichen Feinde wie Füchse machten den Rebhühnern ebenso zu schaffen wie Spaziergänger und freilaufende Hunde.

Thomas Dietz, der Kreisjägermeister der Jägervereinigung Esslingen, betont, dass es nicht nur um die eine Art geht. „Wenn der Lebensraum für das Rebhuhn stimmt, profitieren auch andere Arten davon.“ Er nennt Hasen als Beispiel. „Das Rebhuhn ist ein Indikator, wie eine Art Fieberthermometer des Lebensraums Filder.“

Abwärtstrend ist gestoppt

Durch die vom Landesjagdverband, dem Nabu und den Städten Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt finanzierte Flächenpacht wird der Lebensraum der Vögel vergrößert. In Leinfelden-Echterdingen beträgt die Fläche für das Projekt sechs Hektar, in Filderstadt acht Hektar. Es handelt sich um städtische Flächen oder Äcker von Landwirten. „Der Abwärtstrend ist gestoppt“, zieht Mayer Bilanz. Jetzt gibt es in L.-E. bis zu zehn und in Filderstadt bis zu 20 Brutpaare. Er bremst aber die Erwartungen: „Es ist illusorisch, dass es wieder so viele werden wie in den siebziger oder achtziger Jahren.“

Um noch mehr für die Tiere zu tun, brauchen die Projektpartner mehr Geld. „Es wäre toll, wenn es Zuschüsse vom Land gäbe“, sagt Hinderer. Wolfgang Drexler verspricht, eine Anfrage im Parlament zu stellen. „Ich möchte von der Regierung wissen, welche Möglichkeiten es gibt, das Projekt zu fördern, oder was geändert werden müsste, damit das möglich wird.“

Kommentare (2)
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FEB
05
18:21 Uhr, geschrieben von Ein Leser
Jäger und Naturschutz
Hier sieht man beispielhaft was für die Natur gehen kann, wenn idologischer Ballast abgeworfen wird und Jäger und Naturschutzvereine miteinander reden und handeln. Ideologien wie teilweise in Leserbriefen zu lesen helfen weder der Natur noch sonst jemandem. Eine LAndschaft (und auch Wald) wie ihn sich Jäger und Naturschützer wünschen, hülfe beiden Seiten. Vorbildlich ist, dass Landwirtschaft, Jäger und Naturschützer miteinander etwas tun. Mich erschreckt es, wenn Menschen mit gefestigtem Weltbild dieses allen anderen aufzwingen wollen, als seine sie im Besitz der universellen Wahrheit.
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JAN
31
14:11 Uhr, geschrieben von Zeitobservist242
Seltener Vogel Rebhuhn
Das Rebhuhn ist nicht n u r allein durch Fuchs und noch andere vor sich hin vegetierende Wildtiere bedroht, sondern in erster Linie durch die Freilegung" der landwirtschaftlichen Gebiete ( Hecken und Büsche weiträumig entfernt ), sondern auch durch die gierige Jagd der so genannten Jäger im Lauf der letzten Jahrzehnte auf diese Tiere. Die Wildpopulation regelt sich von selber, wären da nicht die menschlichen Ausrotter dieser wild lebenden Tierwelt. Das Emblem DJV gehörte zur Beseitigung und gleichzeitig die Entwaffnung dieser Spezies JÄGER - dann gäbe es sehr bald wieder einen gesunden Ausgleich in der n o c h restlich vorhandenen Wildtierwelt ! Hagen J. Waggershauser / Zeitobservist
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