Als der Coup aufflog, stellte der Betrüger Selbstanzeige. Seither sitzt er in Untersuchungshaft. Wie Oberstaatsanwalt Wilhelm Kassenböhmer gegenüber unserer Zeitung mitteilte, hat der Mann zwischenzeitlich über seinen Anwalt einmal 662.000 Euro und einmal 140.000 Euro in bar abgeliefert. "Über den Verbleib der restlichen Summe aber schweigt er." Die gut 800.000 Euro liegen nun bei Gericht, in wenigen Wochen dürfte entschieden sein, ob sie zur Insolvenzmasse gehören.
Das Insolvenzgericht in Essen hat einen Anwalt als vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Dieser wird zunächst die Gründe für die Zahlungsunfähigkeit feststellen und dann entscheiden, ob das Verfahren eröffnet werden kann. Beobachtern zufolge ist die Anordnung der vorläufigen Insolvenzverwaltung ein Indiz dafür, dass ein Insolvenzverfahren eröffnet werden kann. Bis dahin vergehen in der Regel vier bis sechs Wochen. Erst dann können die Geschädigten ihre Forderungen beim Insolvenzverwalter anmelden und dafür Belege einreichen. Deshalb kann derzeit niemand sagen, ob die geprellten Kunden von Ticket Point eine Chance haben, an ihr Geld zu kommen, und wenn, in welcher Höhe. Selten bekommen die Gläubiger aber mehr als zehn Prozent von ihrem Geld zurück. Das zu Ticket Point gehörende lokale Reisebüro in Gelsenkirchen-Buer ist seit zweieinhalb Wochen "betriebsbedingt geschlossen", die Homepage des Unternehmens offline. Doch einige Mitarbeiter der einst 35-köpfigen Belegschaft bemühen sich um Schadenbegrenzung.
Viele haben Anzeige erstattet
Auf der Homepage können Kunden nur noch eine Info am oberen Balken anklicken oder die darunter angegebene Telefonnummer anrufen. Bei beiden Möglichkeiten erfahren sie, was passiert ist. Geschäftsführerin Diana Husemann erklärt in der Info, dass die gebuchte Leistung mutmaßlich nicht ausgeführt wird. Betroffenen wird empfohlen, über ihre Bank eine Rückbuchung der Lastschrift zu versuchen und sich mit der Fluglinie, dem Reiseveranstalter oder Autovermieter in Verbindung zu setzen. Ticket Point werde die Daten der betroffenen Kunden dem vorläufigen Insolvenzverwalter mitteilen. Dieser werde sie nach der Insolvenzeröffnung anschreiben, damit sie ihre Forderungen anmelden können.
Das haben die meisten Opfer zwischenzeitlich bereits getan. Viele haben zudem Anzeige erstattet und sich einen Rechtsanwalt genommen. In Blogs berichten sie über ihre Erfahrungen. Auch Heidrun Steinbuch hat sich hier kundig gemacht. Der Betrugsfall bei Ticket Point hat der Stuttgarterin jedenfalls nicht die Reiselust genommen. Sie wird ihre Flüge nach Dubai und nach Kapstadt auf jeden Fall antreten, musste dafür allerdings weitere 1216 Euro berappen.
Manchen kommen die Veranstalter aber auch entgegen. Schauinsland etwa kündigte gegenüber der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung an, dass es das Risiko trage, sich das veruntreute Geld des Vermittlers Ticket Point zurückzuholen oder den Schaden notfalls in Kauf zu nehmen. "Wer nachweisen kann, etwa per Überweisungsbeleg oder Kontoauszug, dass die Zahlung an Ticket Point geleistet wurde, den lassen wir in Urlaub fliegen, auch wenn das Geld nicht bei uns eingegangen ist", so eine Sprecherin.
