Stuttgart - Er sieht Fortschritte im Kampf gegen Doping. Und auch die Krise in den deutschen Ballsportarten nimmt er gelassen zur Kenntnis: „Wir werden bei den Spielen in London unseren Platz in der Weltspitze verteidigen“, sagt Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes.
Herr Bach, wir freuen uns außerordentlich, den künftigen IOC-Präsidenten an unserem Redaktionstisch begrüßen zu dürfen.
Ich bitte Sie, soll ich jetzt gleich zu Beginn wieder die alte Platte auflegen?
Jacques Rogge nennt Sie hartnäckig einen geeigneten Nachfolge-Kandidaten, der alle nötigen Qualitäten mitbringe.
Und ich sage hartnäckig, dass es ehrenvoll für mich und den gesamten deutschen Sport ist, für präsidiabel gehalten zu werden. Das ändert aber nichts daran, dass es bis zur Wahl noch über eineinhalb Jahre sind. Und es wäre nicht fair gegenüber dem Präsidenten und dem IOC, jetzt eine Personaldiskussion zu entfachen, die die wichtigen Sachthemen überlagert.
Also legen wir mit den Olympischen Winter-Jugendspielen los. Sie waren in Innsbruck dabei. Welche Signale gehen von dort aus?
Die Hauptbotschaft, die von diesen Spielen ausgeht, ist die Begeisterung der jungen Athleten. Sie hatten alle das olympische Leuchten in den Augen. Es war ein großes emotionales Erlebnis. Das war von der Stimmungslage her genau das, was man sich von Olympia wünscht.
Dann brauchen wir die eigentlichen Spiele gar nicht mehr?
Doch, doch. Die brauchen wir. Die Jugendspiele sollen die jungen Athleten ja dort hinführen.
Und wichtige Fingerzeige im Hinblick aufs olympische Programm geben?
Auf jeden Fall. Wir haben 14 neue Formate in Innsbruck getestet.
Welche könnten den Sprung schaffen?
Da gibt es einige. Die Grundidee der gemischten Staffel hat sich bewährt und wurde vom Publikum hervorragend angenommen. Der alpine Teamwettbewerb mit Parallelslalom war zum Beispiel hervorragend. Diese innovativen Wettkampfformen können für die Entwicklung von Sportarten in kleinen Ländern sehr wichtig sein. Nicht jede Nation bringt etwa vier Männlein und vier Weiblein für eine Biathlon-Staffel zusammen.
Können Sie sich auch gemischte Staffeln in der Leichtathletik und im Schwimmen vorstellen?
Im Triathlon wird ja schon über gemischte Staffeln nachgedacht. Bewähren sich solche innovativen Wettbewerbe, gibt es beim IOC eine große Offenheit, neue Formate aufzunehmen.
Neu ist auch die Doping-Schwerpunktstaatsanwaltschaft, die in Freiburg eingerichtet wird. Begrüßen Sie das?
Ich beglückwünsche Baden-Württemberg zu diesem Schritt. Die Einrichtung von Doping-Schwerpunktstaatsanwaltschaften haben wir ja bereits im Jahr 2006 gefordert.
Mit welchen Hoffnungen?
Mehr Sachverstand, mehr Zugriff auf die Hintermänner und einen besseren Informationsfluss zwischen staatlichen und sportlichen Stellen. Da sehen wir durchaus noch Defizite.
In München gibt es bereits seit knapp drei Jahren eine Schwerpunktstaatsanwaltschaft.
Und dort wird sehr erfolgreich gearbeitet.