Theaterstück wird abgesetzt Teilerfolg für Teresa Enke

Armin Friedl, 09.01.2013 17:27 Uhr
Maxim-Gorki-Theater setzt die umstrittene Enke-Passage in dem Stück „Demenz, Depression und Revolution“ bis auf weiteres aus.

Stuttgart/Berlin - Wie von unserer Zeitung berichtet, wehrt ­sich Teresa Enke, Witwe des Fußball-Nationaltorhüters Robert Enke, gegen eine aus ihrer Sicht nicht zulässige Verwertung der Biografie Enkes auf der Theaterbühne. Jetzt kündigt das Berliner Maxim-Gorki-Theater an, dass der Part „Schwarzer Hund“, strittiges Mittelstück des drei­teiligen Abends „Demenz, Depression und Revolution“, „bis auf weiteres abgesetzt wird“. „Dem Theater“, so die Begründung, „ist es ein wichtiges Anliegen, alle durch das Theaterstück entstandenen Probleme und Fragen einvernehmlich mit Frau Enke zu klären und zu einer Lösung beizutragen. Sollten durch unsere Aufführung die Gefühle von Frau ­Enke verletzt worden sein, bedauern wir dies außerordentlich.“ Die Sprecherin des Theaters ergänzt: „Eine Klage oder eine gerichtliche Auseinandersetzung möchten wir möglichst vermeiden.“ Allerdings hätten sowohl der herausgebende Henschel-Theaterverlag als auch das Theater selbst im Vorfeld der Uraufführung keine Notwendigkeit einer Kontaktaufnahme mit der Witwe des Torwarts gesehen. Man sehe „keine Rechtsverletzung Dritter.“

Von einer zufriedenstellenden Lösung will Heiko Klatt, Anwalt von Teresa Enke, nicht sprechen, sagt aber: „Das ist eine richtige Entscheidung, die ich begrüße.“ Die Aussetzung führe dazu, „dass bei der nächsten Aufführung am 19. Januar keine Rechtsverletzung stattfinden wird. Das ist erfreulich. Eine Wiederholungsgefahr ist damit aber nicht ausgeschlossen.“ Klatt warnt davor, die Familie in eine Art Sippenhaft zu nehmen: „Robert Enke nimmt sicherlich eine exponierte Position ein, das gilt aber nicht für seine Frau und erst recht nicht für seine Tochter.“ Enkes Tochter war 2006 im Alter von zwei Jahren gestorben. Klatt hat das Theater aufgefordert, ihm eine Aufzeichnung der Aufführung zur Verfügung zu stellen. Inszeniert hat das strittige Stück Gorki-Lenker Armin Petras, designierter Intendant des Staatsschauspiels Stuttgart.