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Telefonisten in der Warteschleife

"Blick vom Fernsehturm", vom 05.12.2011 02:45 Uhr
Hohenheim Mitarbeiter sorgen sich um die Zentralnummerder Hochschule. Angeblich zu Unrecht. Von Judith A. Sägesser

Obwohl die Gefahr offenbar erst mal gebannt ist, macht sich Angelika Rockhausen Sorgen. Sorgen um die Zukunft ihres Arbeitsplatzes. Seit fast drei Jahrzehnten sitzt sie in der Telefonzentrale der Universität Hohenheim und nimmt ab, wenn jemand die Nummer 459-0 anruft. Angelika Rockhausen sagt, sie sieht "ein Damoklesschwert" über sich schweben. Der Grund: vor zweieinhalb Jahren hieß es, die Hohenheimer Telefonzentrale sei verzichtbar. "Das sehe ich nicht so", sagt sie. Und sie scheut sich nicht vor drastischen Formulierungen: "Notfalls kette ich mich hier an."

Montags bis donnerstags gehen Angelika Rockhausen und ihre beiden Telefonisten-Kollegen von 8 bis 17 Uhr an den Apparat, freitags von 8 bis 15 Uhr. Geschätzte 70 Prozent landen in der Zentrale, weil sie die falsche Uni-Nummer eingetippt haben. Entweder, weil sie sich vertan haben, oder weil der Anrufer eine alte Durchwahl gewählt hat. Die Uni-Telefonnummern sind nämlich seit geraumer Zeit acht- und nicht mehr siebenstellig. "Es kommen sehr viele Irrläufer", sagt Rockhausen. Die restlichen 30 Prozent sind Leute, die die 459-0 absichtlich gewählt haben - weil sie von der Zentrale verbunden werden wollen.

Als ins Gespräch kam, dass die Hohenheimer Telefonzentrale vielleicht von einem Sprachcomputer ersetzt werden könnte, blieb Angelika Rockhausen nur, den Kopf zu schütteln. Es hieß, heutzutage gingen die jungen Leute sowieso ins Internet, um die richtigen Nummern zu suchen. Die Hohenheimer Telefonistin hält dies für ein Gerücht. Zwar sei die Zahl der Anrufer tatsächlich leicht rückläufig, doch die Telefone klingeln tagtäglich immer noch 60- bis 80-mal. Vor allem, wenn die Bewerbungsfrist für die Studierenden näher rückt, stehen die Apparate in der Zentrale nicht mehr still. "Da könnten wir bis 19 Uhr offen haben", sagt Rockhausen.

Die Uni Stuttgart hat im vergangenen Jahr ein paar Monate getestet, ob ein Computer die menschlichen Telefonisten ersetzen könnte. Geplant war dies aber wohl nur für die Zeit, in der die Zentrale nicht besetzt ist, also zwischen 16 und 7.15 Uhr. Der Versuch hat gezeigt: der Computer ist keine Alternative. "Er versteht die ausländischen Namen nicht", sagt eine Mitarbeiterin der dortigen Zentrale.

In Hohenheim ist derzeit nichts dergleichen geplant, sagt Florian Klebs, der Sprecher der Universität. "Die Telefonzentrale bleibt, wie sie ist." Zumindest so lange, bis der neue Rektor im Amt ist. Über die Pläne des Neuen - der noch nicht einmal gefunden ist - kann Klebs freilich nichts sagen. Er bestätigt allerdings, dass es in der Vergangenheit Überlegungen gegeben hatte, die Mitarbeiterinnen der Telefonzentrale innerhalb der Hochschulverwaltung mit anderen Aufgaben zu betrauen. "Aber das wollten sie nicht", sagt Klebs. Im Jahr 2008 habe es eine Personalversammlung gegeben, bei der die Zukunft der Telefonzentrale heftig diskutiert worden sei.

Die Telefonistin Angelika Rockhausen traut dem Frieden nicht so recht. "Wir hängen in der Luft", sagt sie. Ein bisschen wie in der Warteschleife. Eine ihrer Kolleginnen sei dauernd krank, weil sie die Ungewissheit derart belaste. Sie selbst ist 61 Jahre alt und geht 2013 in Pension.

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