Tatort-Kritik Die Zornzwerge

Von Frank Rothfuss 

Streithansel: Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, li.), Johanna Stern (Lisa Bitter) Foto:swr Foto: SWR
Streithansel: Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, li.), Johanna Stern (Lisa Bitter) Foto:swr

Willkommen bei den Zornzwergen, der „Tatort“-Kita in Ludwigshafen. Dort geht es wüst zu: Lena, Mario und Johanna sagen dauernd böse Sachen zueinander. Nebenbei lösen sie zwei Morde.

Ludwigshafen - Lena, Mario und Johanna sagen dauernd böse Sachen zueinander. Gut, das ist jetzt unfair. Allen Kindern gegenüber. In Kitas geht es gesitteter zu als im Büro der Ermittler.

Zwar suchen Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), Mario Kopper (Andreas Hoppe) und Johanna Stern (Lisa Bitter) eigentlich den Vergewaltiger einer Ballerina und den Mörder von zwei Kraftprotzen, doch die meiste Zeit zanken sie.

Warum? Weil dieser Film die schlimmste aller Sünden begeht: Er nimmt seine Zuschauer nicht ernst. Das Gekeife soll auch dem Dümmsten deutlich machen, wie unterschiedlich die Kommissare ticken: Stern ist die Logische, Odenthal trägt alle, wirklich alle Last der Welt,und Kopper Cowboystiefel. In allen Belangen übertreibt dieser „Tatort“. Da gibt es einen Rapper, dem viel Blingbling um den Hals hängt und der mit Künstlernamen El Macho heißt. Natürlich hat er nicht nur Goldzähne, sondern auch ein goldenes Herz.

Bodybuilder sind tumb; Italiener essen Nudeln und trinken furchtbar viel Rotwein; junge Leute schauen dauernd aufs Smartphone, treiben es auf dem Klo und machen Selfies vom Vögeln für ihre Freunde auf Facebook. Es ist Fall 64 für die Ludwigshafener, wenn sie so weitermachen, sind sie bald reif, nein, nicht für die Kita, sondern fürs Altersheim.

Und wenn sie nicht im Ruhestand sind, so zanken sie noch heute.

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