Tarifrunde bei der Post AG Postboten wollen am Erfolg teilhaben

Von Matthias Schiermeyer 

Das Gros der Postbeschäftigten ist in den unteren Entgeltgruppen eingestuft und muss dafür  schwer strampeln. Foto: dpa
Das Gros der Postbeschäftigten ist in den unteren Entgeltgruppen eingestuft und muss dafür schwer strampeln. Foto: dpa

Vor der nächsten Tarifrunde bei der Deutschen Post AG will die Gewerkschaft wieder in die Offensive kommen. Provoziert fühlt sich Verdi durch die Absicht des Unternehmens, die duale Ausbildung zurückzufahren. Da will sie über die Politik Druck machen.

Leinfelden - Nicht zuletzt durch den florierenden Online-Handel steht die Deutsche Post DHL so gut da wie nie zuvor. 3,5 Milliarden Euro Gewinn waren es 2016, etwa 3,75 Milliarden Euro sollen es in diesem Jahr werden – weitere Steigerungen hat der weltweit führende Post- und Logistikkonzern fest programmiert. Dass dieser Boom Begehrlichkeiten der Beschäftigten fördert, am Erfolg teilzuhaben, ist logisch.

Anfang nächsten Jahres startet für die 140 000 Tarifkräfte die neue Tarifrunde. Am 31. Januar endet die Friedenspflicht. Nach dem längsten und härtesten Arbeitskampf der Postgeschichte vor zwei Jahren – aus Arbeitnehmersicht eine existenziell notwendige Abwehrschlacht – will die Gewerkschaft diesmal offensiver zu Werke gehen.

Auf einer Konferenz mit 200 Vertrauensleuten aus Baden-Württemberg hat Verdi schon die Richtung vorgegeben. Vor dem Hintergrund der günstigen gesamtwirtschaftlichen Lage hatte der Bundesfachbereichsvorstand jüngst eine „Diskussionsempfehlung“ von 5,5 Prozent Lohnsteigerung beschlossen. Bis Mitte Dezember läuft nun eine Mitgliederbefragung, in der die Basis ihre Meinung dazu kundtun soll. Dann entscheidet die Tarifkommission endgültig über die Forderung.

Mitgliederbonus ist ein heißes Eisen

Vier Prozent der Beschäftigten sind in der Entgeltgruppe eins eingestuft, wo sie – je nach Lohnstufe – 1802 bis 2127 Euro brutto pro Monat verdienen. 26 Prozent sind in Entgeltgruppe zwei (1940 bis 2452 Euro) zu finden und 64 Prozent – mithin 70 000 Beschäftigte – in der Entgeltgruppe drei (2044 bis 2668 Euro). Die Mehrheit hat jeweils den höheren Wert erreicht. Angesichts der niedrigeren Nettogehälter und hoher Mietkosten gerade im Südwesten diskutieren die Basisvertreter intensiv über Mindestanhebungen für die Niedrigverdiener. „Das ist für mich eine Frage der Solidarität, den unteren Gehaltsstufen mehr Geld zukommen zulassen“, sagt etwa ein Freiburger Vertrauensmann.

Ein besonders heißes Eisen ist der Mitgliederbonus – eine Vergünstigung nur für die Verdi-Beitragszahler, die bei der Post im Schnitt gut 70 Prozent der Belegschaft ausmachen. „Wer nicht Mitglied der Gewerkschaft ist, hat moralisch keinen Anspruch auf eine Entgelterhöhung“, betont Stephan Teuscher, der Bundesbereichsleiter Tarifpolitik. Allerdings sind Verdi enge Fesseln angelegt. Eine Exklusivklausel darf keine hohe Hürde sein, in die Gewerkschaft einzutreten, meint das Bundesarbeitsgericht. Und wie alle Arbeitgeber hat auch die Post kein Interesse an einer Differenzierung nach Mitgliedschaft in der Gewerkschaft. Eine Vorteilsregelung durchzusetzen dürfte Verdi schwerfallen.

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