Taktikanalyse zu VfB Stuttgart in Hannover VfB ist stabil, aber harmlos

Von Jonas Bischofberger 

Taktikblogger Jonas Bischofberger analysiert die VfB-Partie gegen Hannover 96 und erklärt, wo die Schwächen der Stuttgarter lagen.

Hannover - Das Spitzenspiel der zweiten Liga bot wegen Stuttgarts Stabilitätsdenken und Hannovers starkem Pressing nur wenig ansehnlichen Fußball. Am Ende setzten sich die insgesamt stimmiger organisierten Gastgeber knapp durch.

–Hannovers Pressing überzeugt mit Zwischenpositionen

–Beide Teams isolieren auf dem Flügel

–Stuttgart stabil, aber harmlos

Der VfB startete zwar mit derselben Besetzung wie gegen Erzgebirge Aue in die Partie, verteidigte aber diesmal in einem weitaus weniger ausgefallenen Pressingsystem. Das 4-2-3-1 wurde gegen den Ball zu einem standardmäßigen 4-4-2 mit recht weit auseinander stehenden Spitzen und variabler Pressinghöhe. Wichtige Elemente waren hier Alexandru Maxims weites Verschieben, das Hannover immer wieder auf den Flügel drängte, sowie Pavards griffiges Herausrücken gegen Prib.

Hannovers flexibles Pressing

Das Pressing der Gastgeber kam im Vergleich dazu deutlich außergewöhnlicher daher. Trotz des ja ziemlich flachen 4-4-2 als Grundordnung war Hannovers Formation von einer Menge Dreiecken und Zwischenpositionen geprägt. So spielte Harnik als hängende Spitze versetzt hinter Füllkrug, während Prib tiefer und enger spielte als Klaus, fast wie ein zusätzlicher Achter. Auch Bakalorz und Anton teilten sich ihre Aufgaben auf: Anton blieb tief und zentral, während Bakalorz praktisch auf dem ganzen Platz Zweikämpfe führte. Vereinzelt tauschten die beiden auch ihre Rollen.

Durch die vielen Zwischenpositionen war es Hannover möglich, ein flexibles Pressing aufziehen. So konnte zum Beispiel Bakalorz weit herausrücken, weil Prib ihn aus seiner Mischposition heraus absicherte. Auf dieser Grundlage versuchte Hannover weit vorne Druck zu machen und den VfB auf dem Flügel festzudrücken. In tiefen Zonen half ihnen dabei die hintereinander gestaffelte Doppelsechs, wobei vor allem Anton umsichtig die Passwege zumachte. Auch Harnik leistete für dieses Vorhaben wichtige Beiträge, indem er weit mit zurück arbeitete, während die Außenverteidiger bei Bedarf aggressiv herausrückten, um den nötigen Druck zu erzeugen.

Stuttgart konzentriert sich auf Stabilität

Um dieses Pressing effektiv auszuspielen, war das Spiel der Stuttgarter zu defensiv angelegt. Die Sechser und Außenverteidiger blieben meistens tief und gingen erst bei längeren Ballbesitzphasen mit nach vorne. Diese waren jedoch selten, da Hannover hoch presste und der VfB im Aufbau wenig Risiko ging. Die Stuttgarter Ballzirkulation strahlte keinen Dominanzanspruch aus: Es fehlten mutige Verlagerungen und Pässe ins Zentrum, um die isolierenden Läufe von 96 auszuhebeln. Ohne Unterstützung waren die breit gestaffelten Offensivspieler außerdem leicht voneinander abzuschneiden.

Zumindest sicherte sich der VfB mit dieser Spielweise aber viel Stabilität: Durch die risikolosen Passmuster und die tiefe Grundposition vieler Akteure hatte der VfB immer genügend Spieler hinter dem Ball und war somit fast immun gegen Konter. Hannover hatte auf der anderen Seite ähnliche Probleme im Ballbesitzspiel wie der VfB und biss sich mit einer vertikalen und wenig raumgreifenden Spielweise häufig an der Stuttgarter Formation fest. Das Spiel wurde zu einer eher unansehnlichen Abfolge von mittelmäßig vorbereiteten und daher wenig ergiebigen Angriffen gegen jeweils überzeugende Defensiven.

Zweite Halbzeit

Auch nach der Pause änderte sich an der Gemengelage wenig, was womöglich auch daran lag, dass beide Mannschaften mit dem Ergebnis nicht unzufrieden sein konnten. Hannover ließ sich mit der Zeit etwas weiter zurückfallen, Klaus verteidigte nun enger gegen Insua und verfolgte dessen Läufe teilweise bis in die letzte Linie. Zwischendurch verloren die Niedersachsen dadurch etwas von ihrer Stabilität im Zentrum, Breitenreiter wechselte mit Schmiedebach für Klaus aber bald sinnvoll nach. Der VfB stellte hingegen früh auf 4-4-2 mit Ginczek als zweiter Spitze um, blieb aber mäßig verbunden und fand im Offensivspiel kaum mehr neue Ideen.

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