Die Stadt Esslingen hat offenbar die Bedingungen erklärt, unter denen sie bereit ist, der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg die alte Esslinger Synagoge zu überlassen. Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu vernehmen war, plant Esslingen, das mittelalterliche Fachwerkhaus der jüdischen Gemeinschaft in Erbpacht zu überlassen. Das heißt, nach 99 Jahren würde es wieder an die Stadt zurückfallen. Bis dahin würde es der Israelitischen Religionsgemeinschaft gehören, die im Gegenzug für die Heizung aufkommen müsste, die anscheinend in einem desolaten Zustand ist. Wie weiter zu erfahren war, überlegt sich die Israelitische Religionsgemeinschaft jetzt einen Finanzierungsplan für die Sanierung.
Die Stadt tritt auch einem offenen Brief des Theologen Thomas Schild an den Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger entgegen. Darin heißt es, wenn die Stadt das Gebäude der jüdischen Gemeinschaft in einem derart desolaten Zustand übergebe, würde sie die Beziehungen der Stadt zu ihren Bürgern jüdischen Glaubens belasten. Das Haus sei im Jahr 1949 rechtmäßig erworben worden, sagt dazu ein Sprecher der Stadt, und die Übergabe in Erbpacht sei ein großes finanzielles Geschenk.
Bisher war das Fachwerkhaus als Galerie genutzt worden, doch hatte die Galeristin Susanne Lüdtke das Handtuch geworfen. Nach dem Kriegsende hatten die amerikanischen Streitmächte das Gebäude konfisziert und darin von Juli 1945 bis April 1946 eine Synagoge eingerichtet. 1949 bot die als Besitzer eingesetzte Jewish Restitution Successor Organisation der Stadt das Gebäude zum Kauf an. Esslingen zahlte damals 35 000 Mark für das Gebäude, den dazugehörigen Garten und die beiden jüdischen Friedhöfe und erklärte sich bereit: "Falls sich in Esslingen eine jüdische Gemeinde bilden sollte, wird die Stadtgemeinschaft Esslingen ihr Möglichstes tun, um ihr einen Raum zur Abhaltung der Gottesdienste nachzuweisen." uls