Sumpfohren und Killer Lustige Ortsnamen und ihre Herkunft

Von Gregor Preiss 

Nichts ist für die Ewigkeit – Ortsnamen wie diese hingegen schon Foto: StN
Nichts ist für die Ewigkeit – Ortsnamen wie diese hingegen schonFoto: StN

Der namentliche Ursprung der Landeshauptstadt, dem einstigen Stutengarten, ist hinlänglich bekannt.Wie aber kamen Upflamör, Sumpfohren oder Deppenhausen zu ihren bemerkenswerten Namen?

Stuttgart - Inge Stoll aus Stuttgart macht auf Dotternhausen im Zollernalbkreis aufmerksam. „Seit ein Radiomoderator eine Anruferin aus Dotternhausen mit ,eine Dame aus Eigelb-City‘ angekündigt hat, ist der Ort fast zur Berühmtheit geworden“, schreibt Stoll.

Lustige Ortsnamen und ihre Herkunft - hier in unserer Karte.


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Von Irmhild Gassmann aus Stuttgart, Frank Höhmann aus Geislingen und Hildegard ­Auer aus Gärtringen stammen die Hinweise auf Igelsloch (in der Nähe von Oberreichenbach im Schwarzwald) und Rattenharz, ein Ortsteil von Lorch im Rems-Murr-Kreis. Mit Ratten hat der Name wahrscheinlich nichts zu tun – er entstammt wohl eher der Farbe Rot oder einem Personennamen.

Viele Leser, darunter Erich Schmidhäuser aus Herrenberg erinnern an das frühere Ganslosen. Weil die Bewohner immer gehänselt wurden, tauften sie ihr Örtchen – heute ein Ortsteil von Bad Ditzenbach/Kreis Göppingen – 1849 in Auendorf um. Ganslosen zählte, wie Schilda, zu den sogenannten Narrenorten. „Ganz geklappt hat die Namensänderung nicht“, schreibt Schmidhäuser. „Denn nun sagen die boshaften Nachbarn: ,Na ja, des isch halt au a Dorf.“

Lore Schlecht aus Stuttgart macht auf die putzigen Ortsnamen Hintermurrhärle und Vorderwestermurr (gehören zu Murrhardt) aufmerksam. Da fragt man sich nur: Wo liegt jetzt hier die Murr?

„Enzklösterle im Kreis Calw bilden die Gemeinden Gompelscheuer, Poppeltal und Nonnenmiß“, schreibt Ingrid Hangstörfer aus Vaihingen/Enz. Sie erklärt die Herkunft des Namens Gompelscheuer, der auf Bretterhäuschen über einem Gumpen zurückgeht. Gumpen sind kleine Seen.

Bernd Kühfuß aus Großbettlingen und Renate Bosch liegen Ewigkeit bei Leutkirch (Kreis Ravensburg) und Liebesdorf bei Gerabronn (Kreis Schwäbisch Hall) am Herzen. Leider lassen die Namen der Weiler nichts Gesichertes auf ihre Herkunft schließen.

Der Stuttgarter Stadtteil Luginsland wird mehrfach erwähnt, so von Sabine und Michael Hahn. Der Name erklärt sich von selbst, blickt man von Luginsland doch hinab ins Tal.

„Mir fallen Bettenhausen und Busenweiler ein, die beide zu Dornhan im Kreis Rottweil gehören“, schreibt Reiner Klumpp. „Na ja, passt irgendwie zusammen.“

Wo wir beim Thema sind: Ralf Mosny aus Ludwigsburg erfreut sich an Poppenweiler (Kreis Ludwigsburg) und Gaildorf (Kreis Schwäbisch Hall). Obwohl mit „ai“ geschrieben, sei der Wortsinn derselbe wie bei geil, erklärt Mosny und beruft sich auf das Grimmsche Wörterbuch. Demnach stand gail früher in der Landwirtschaft für fett oder ertragreich; in einem anderen Zusammenhang für fröhlich, lustig oder närrisch.

Dazu Max Ocker: „Kennen Sie die Steigerung von Ortsnamen? Freudenstadt – Lustnau – Gaildorf.“

Kulinarisch wird’s im Raum Heidenheim. Zwei Vororte heißen Kleinkuchen und Großkuchen. „Wer großen Appetit auf Kuchen hat, wohin wird er wohl gehen?“, fragt sich Nora Karl. Im Kreis Göppingen gibt es ein einfaches Kuchen sowie ein Süßen. Dorothea Binder schickt uns die Erklärung, wonach Kuchen einst Kuochheim hieß. Dies wiederum steht in Verbindung mit einem alten Kuchener Gewerbe, dem Hafner oder Häfner (heute besser bekannt als Töpfer).

Aha heißt ein zur Gemeinde Schluchsee gehörender Weiler, auf den Vreni Mewes aufmerksam macht. Aha kommt aus dem Althochdeutschen und steht für Quelle oder Wasser. Sprachlich nahe verwandt mit Aha ist die Aach, der Name gleich mehrerer Flüsse, die den Bodensee speisen.

Ein für Ausländer wahrscheinlich unaussprechbarer Ortsname ist das von Roland Ulbrich aus Ditzingen genannte Etzlenswenden im Kreis Heilbronn. Das -wenden könnte – ähnlich wie in Winnenden – auf eine ­Besiedlung durch Wenden/Westslawen hindeuten; Etzlens- geht wohl auf den Personennamen Ezelin zurück.

Bärbel Lange aus Böblingen fallen zwei tierische Orte ein: Käfertal, ein Stadtteil von Mannheim, und Tigerfeld im Kreis Reutlingen. „Dass es auf der Alb Tiger gegeben hat, denke ich nicht“, schreibt Lange. Eine nähere Erklärung lässt sich leider nicht finden, außer dass der Flecken in der Chronik des Klosters Zwiefalten 1089 erstmals als Tygirnvelt erwähnt wurde. Käfertal hat auf jeden Fall keinen tierischen Hintergrund: Es leitet sich von Kiefern(-wald) ab.

Veit Gruner aus Heidenheim gefällt besonders Schnürpflingen im Alb-Donau-Kreis. Die Endung – ingen deutet dabei auf ein sehr hohes Alter hin, stammt sie in der Regel aus der Karolingerzeit. Schnürpflingen muss also schon vor dem Jahr 1000 gegründet worden sein. Gruner weiß auch noch von einer interessanten Namensänderung: Irndorf im Kreis Tuttlingen hieß bis 1971 Irrendorf. Dann stieß man bei der Restaurierung einer Kirche auf alte Dokumente. Demnach tauchte das Dorf früher als Irrndorf und nicht als Irrendorf auf. In einer Bürgerversammlung entschlossen sich die Bewohner für eine Umbenennung. Gut, es geht noch schlimmer. In Urkunden aus dem 11. bis 15. Jahrhundert ist von Urindorf die Rede.

Siegfried Scheffbuch aus Stuttgart scheint ein Kenner der hiesigen Ortsnamen-Szene zu sein. Aus ihm sprudelt es nur so heraus: Mückenloch, Umweg, Billigheim, Mailand, Niemandsfreund, Frauenzimmern, Grab. Zur Erklärung: Mückenloch, ein Ortsteil von Neckar­gemünd im Rhein-Neckar-Kreis, lag einst an mehreren Bachläufen des Neckars. Der Name kommt also nicht von ungefähr. Sabine Herbold meint dagegen: „Man vermutet, dass der Name von einem Mönch mit Namen Mickenlohe stammt.“ Umweg ist ein Ortsteil vom zu Baden-Baden gehörigen Steinbach und liegt mitten in einem der größten Weinberge Deutschlands, was eine mögliche Heranführung sein könnte. Billigheim im Neckar-Odenwald-Kreis klingt nicht gerade schön. Dabei hat der Name mit billig nichts zu tun – er geht auf einen fränkischen Fürsten namens von Bulling zurück. Frauenzimmern, ein Ortsteil von Güglingen im Kreis Heilbronn, verdankt seinen Namen einem früheren Zisterzienserinnenkloster. Grab leitet sich vom Limes-Graben ab, der durch den zu Großerlach im Rems-Murr-Kreis gehörenden Ortsteil verläuft. Mailand gehört zum Leutkircher Ortsteil Reichenhofen, das Gehöft Niemandsfreund zu Amtzell im Kreis Ravensburg. Beide sind so klein, dass sich keine Erläuterung finden ließ.

Weitere Ortsnamen folgen in Kürze! Wenn Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, noch welche einfallen, schreiben Sie uns bitte an land@stn.zgs.de oder an Stuttgarter Nachrichten/Landesnachrichten, Plieninger Straße 150, 70567 Stuttgart.

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