Kiss The Funky Monkey Mit der eigenen Musik um den Globus

Von Constantin Pläcking 

Vier Monate Urlaub einreichen, Gitarre einpacken und ab in den Flieger. Die Mitglieder der Stuttgarter Band „Kiss the Funky Monkey“ haben es gewagt und sich ihre eigene Welttournee gegönnt. Von Indonesien bis Hollywood, mit Höhen und Tiefen. Es hat sich mehr als gelohnt, sagen sie.

Stuttgart - Ein Konzert am Strand in Indonesien, eine Halle voll neuseeländischer Fans, die einem zujubeln, eine Pool-Party in Kalifornien, auf der die Gäste zur Musik der eigenen Band tanzen – davon träumt wohl jeder Musiker. Die Stuttgarter Indie-Rock-Band „Kiss the Funky Monkey“ (englisch: Küss den irren Affen) hat sich diesen Traum erfüllt und reiste vier Monate lang um die Welt.

Anfang 2014 packen die fünf Bandmitglieder ihre Koffer. Vor ihnen liegen Konzerte in fünf Ländern auf drei verschiedenen Kontinenten. Zunächst geht es nach Süd-Ost Asien, danach nach Neuseeland. Letzter Stop sind die Vereinigten Staaten von Amerika.

Hinter sich haben sie zu diesem Zeitpunkt eine harte Vorbereitungsphase. Schließlich haben die meisten von ihnen feste Jobs. Die Musiker brauchen Urlaub und Geld für ihr Vorhaben. Heraus kommen die abenteuerlichsten Kombinationen: Überstunden werden angehäuft und abgefeiert, Geld gespart, sogenannte Sabbat-Jahre mit den Arbeitgebern ausgehandelt. Ein Bandmitglied kostet das Vorhaben beinahe den Job. Nach langer Diskussion bekommt er unbezahlten Urlaub. „Wir wollten das auf jeden Fall“, sagt Benjamin Wolfinger, Gitarrist der Band und Ingenieur an der Uni Stuttgart.

Dass sich die Mühe gelohnt hat, merken die Musiker gleich am Anfang ihrer Tour in Indonesien. Hier kommen den Monkeys vor allem Kontakte des Sängers Roman Melanchrinos zu gute, der im Land aufgewachsen ist. Im Boshe-Club in Jogyakarta, den man mit dem Stuttgarter Penthouse vergleichen kann, spielen sie vor 500 Zuhörern. „Niemand kannte uns, aber alle haben abgefeiert“, sagt Alex Pohl, Gitarrist und Student. Sie lernen den Besitzer des Clubs kennen, der ihnen gleich weitere Auftritte vermittelt.

Über eine solche Bekanntschaft ergattert die Band auch Konzerttermine in Kambodscha, einem ungeplanten Zwischenstopp, der sich als bestes Erlebnis auf der Tour entpuppt. „Wir spielten ein Konzert in der Bondhi-Villa in Kampot. Das ist ein riesiges Areal am Fluss mit Club und Hostel, das einem ehemaligen australischen Militärpiloten gehört und für seine wilden Partys berüchtigt ist“, sagt Sänger Roman Melachrinos.

Während in Asien jede Idee und jeder Wunsch mit einem „geht klar“ erfüllt wird, treffen die fünf in Neuseeland auf die harte Realität. „In Südostasien hat keiner nach einer Arbeitserlaubnis gefragt, am Flughafen in Christchurch sah das ganz anders aus“, sagt Benjamin Wolfinger. Eine Hand voll junger Männer mit Instrumenten, aber ohne Arbeitserlaubnis fällt auf: „Wir wurden von den Behörden am Flughafen stundenlang verhört.“ Sie dürfen schließlich einreisen, doch die Suche nach einem Auftrittsort gestaltet sich schwierig. Sie spielen nur zwei Konzerte, dann geht es weiter nach Kalifornien.

Die Einreise gehen sie schlauer an und schlüpfen zeitversetzt durch die Passkontrolle. „Los Angeles, das ist ein Ort von dem man als Musiker träumt“, sagt Alexander Pohl. Hier kauft sich die Band einen alten Ford Siebensitzer als Tourbus. Im Radio klemmt eine Kassette fest, die Fahrten sind von der Blues-Legende Buddy Guy geprägt. „Kalifornien sollte eigentlich der Höhepunkt der Reise werden“, sagt Alexander Pohl. Doch auch hier ergattern die fünf kaum Auftritte: „Alles läuft über Agenten.“ Auf einem der letzten Konzerte auf einer Studentenparty dann der Schock: Die Polizei stürmt die Party. „So rabiat wie die dort vorgehen, würde das hier nie passieren“, sagt Pohl. Schließlich platzt dem Tourbus mitten in der Wüste ein Reifen. Die fünf wissen: die Reise ihres Lebens hat ein Ende. Nach vier Monaten kehren sie zurück mit der Erkenntnis: „Es hat sich mehr als gelohnt.“

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