Stuttgarter Kickers Luxusproblem für die Kickers

Jürgen Frey, 03.12.2012 12:35 Uhr
1:1 gegen Darmstadt 98, jetzt das verdiente 2:0 gegen Hansa Rostock: Guido Buchwald hat die Stuttgarter Kickers als Interimscoach wieder in die Spur gebracht. Dadurch muss der Fußball-Drittligist in der Trainersuche nichts überstürzen und kann warten – auf Wunschkandidat Rainer Widmayer?

Stuttgart - Für einen Bummel über den Weihnachtsmarkt in Pliezhausen nahm sich Guido Buchwald am Sonntag Zeit. Ansonsten muss die Familie derzeit viel auf ihr Oberhaupt verzichten. Der Weltmeister ist bei den Blauen an allen Fronten am Ball.

Das Spiel gegen Rostock: Nach sieben sieglosen Spielen hintereinander gab es erstmals seit dem 3:0 am 6. Oktober in Erfurt wieder einen Kickers-Sieg. „Wir sind alle sehr befreit“, sagte Präsident Rainer Lorz. Und Buchwald selbst stellte zufrieden fest: „Meine Mannschaft war gieriger auf den Sieg als der Gegner.“ Das zeigte sich allerdings erst nach der Pause: In der ersten Halbzeit hatten beide Teams bieder, einfallslos und weitgehend ohne Spielsteuerung vor sich hin gekämpft. Was bei den Kickers überhaupt nicht stattfand, war etwa ein Hinterlaufen der Außenverteidiger. Mit viel mehr Willen, mit viel mehr Aggressivität gingen die Spieler dann in den zweiten 45 Minuten zur Sache. Mit dem 1:0 (57.) durch Marco Grüttners elftes Saisontor platzte der Knoten. Prompt kam das Selbstvertrauen und auch das wochenlang vermisste spielerische Element wieder zurück. „Die Kickers haben sich in einen Rausch gespielt“, lobte Rostocks Trainer Marc Fascher. Das 2:0 (83.) durch den eingewechselten Fabio Leutenecker, nach Vorarbeit des starken Marcos Alvarez, bedeutete die Entscheidung.

Die Trainersuche: Es gibt bedeutend unangenehmere Situationen, als sie die Kickers bei der Suche nach einem neuen Coach derzeit vorfinden. Sie haben in Buchwald den für die Mannschaft derzeit idealen Mann auf der Bank. Kein anderer kennt die Spieler besser, zudem hat er die Trendwende eingeleitet. Deshalb besteht für den 51-Jährigen kein Grund, bei der Fahndung nach seinem eigenen Nachfolger etwas zu überstürzen – und sich nur deshalb für einen Trainer zu entscheiden, weil er frei ist, von dem Buchwald und seine Präsidiumskollegen aber nicht hundertprozentig überzeugt sind.

Zumal sich die Anzeichen immer mehr verdichten, dass die Chefetage unterm Fernsehturm am liebsten einem anerkannten Fachmann aus der Region das Vertrauen schenken würde, der allerdings noch unter Vertrag steht: Hoffenheims Co-Trainer Rainer Widmayer (44). Er passt wie wenig andere ins Anforderungsprofil des Vereins, ist genauso bodenständig wie innovativ und gilt als Teamplayer. Buchwald sagt zu alledem nur so viel: „Wir werden an diesem Montag im Präsidium zusammensitzen und besprechen, wie wir weiter vorgehen.“ Klar ist: In den beiden ausstehenden Spielen vor der Winterpause beim SV Wehen Wiesbaden (8. Dezember) und gegen den 1. FC Heidenheim (15. Dezember) hat Buchwald auf der Bank das Sagen. Ein Engagement bis Saisonende schließt er aus: „Das habe ich so entschieden, und ich bin einer, der sich sehr ungern von einem gefassten Gedanken entfernt.“

Die Spielersuche: Wie viele andere schauen auch die Kickers im Kader des insolventen Drittligisten Alemannia Aachen nach brauchbaren Verstärkungen. Ein Mann rückt dabei in den Fokus: Albert Streit. Zum bundesligaerprobten Mittelfeldspieler mit Stuttgarter Vergangenheit (Jugendspieler beim FV Zuffenhausen und VfB) gibt es Kontakte. Buchwald: „Er wäre für jeden Drittligisten eine Bereicherung, doch ob er zu finanzieren wäre, ist eine andere Frage.“

 
 
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