Stuttgarter Kickers Guido Buchwald muss das Siegen lehren

Jürgen Frey, 20.11.2012 08:03 Uhr
Ex-Weltmeister Guido Buchwald teilte Dirk Schuster am Telefon seinen Rauswurf als Trainer mit. Anschließend leitete das Präsidiumsmitglied der Stuttgarter Kickers erstmals selbst das Training.

Stuttgart - Die Spieler drehten bereits ihre Runden im ADM-Sportpark, als am Montag um exakt 14.38 Uhr Guido Buchwald im Trainingsanzug den Rasen betrat. Er schritt das Spielfeld ab, stellte die Hütchen auf, kümmerte sich um die Tornetze. Dann rief der neue Interimstrainer des Fußball-Drittligisten am Mittelkreis die Spieler zusammen, redete noch einmal ein paar Takte mit ihnen und leitete dann erstmals eine Übungseinheit der Stuttgarter Kickers.

Eine halbe Stunde zuvor war ein paar ­Meter weiter aus der Kabine Applaus nach außen gedrungen. Es war die Reaktion der Spieler auf die Abschiedsrede von Dirk Schuster, der seit Juli 2009 Cheftrainer war. „Er hat uns viel Glück gewünscht. Er ist sicher, dass wir in der Liga bleiben“, verriet Kapitän Enzo Marchese – und wollte den Trainerwechsel nicht groß kommentieren: „So ist eben der Fußball.“ Sein Teamkollege Nick Fennell äußerte sich ähnlich: „Das ist das Geschäft, deshalb waren wir auch nicht überrascht. Von uns Spielern geht jeder anders mit dieser Entscheidung um.“ Mit Schuster musste auch sein Assistent Alexander Malchow gehen. Torwarttrainer Tobias Linse bleibt.

Nach zahlreichen Gesprächsrunden ­hatten die Kickers am Vormittag Schuster die Entscheidung mitgeteilt. „Wir sind nach langen Beratungen im Präsidium zu der Überzeugung gekommen, dass wir mit unserem Trainerduo nach diesem Negativlauf nicht mehr die Trendwende schaffen werden“, sagte Präsident Rainer Lorz. Das Spiel am vergangenen Samstag in Chemnitz hatte letztendlich den Ausschlag gegeben. Nach dem 0:2-Rückstand seien alle Dämme gebrochen, von einer Struktur nichts mehr zu sehen gewesen, lautete die Erkenntnis der Chefetage. Durch die Niederlage sind die Blauen auf einen Abstiegsplatz gerutscht. Seit fünf Spielen wartet das Team auf einen Torerfolg. In den vergangenen elf Pflichtspielen gab es gerade mal einen Sieg.

„Ich stehe in der Verantwortung, und dann zeige ich auch Flagge“

Jetzt soll Buchwald für die Wende sorgen. Zumindest bis zum eminent wichtigen Heimspiel am kommenden Samstag (14 Uhr/Gazistadion) gegen Schlusslicht SV Darmstadt 98 wird er das Sagen haben. Im Erfolgsfall ist auch ein Engagement in den folgenden drei Spielen bis zur Winterpause nicht ausgeschlossen. „Wir mussten einfach neue Impulse setzen“, erklärte Buchwald, „und zwar jetzt oder überhaupt nicht.“

Dass er selbst vorübergehend das Traineramt übernimmt, stand für den Ehrenspielführer des VfB Stuttgart außer Frage: „Ich stehe in der Verantwortung, und dann zeige ich auch Flagge.“ Unterstützt wird er in einigen Einheiten von Athletik-Coach Frieder Schömezler und Kickers-Oberligatrainer Jürgen Hartmann. Der ehemalige Profi war auch Buchwalds Assistent bei seiner letzten Trainerstation beim damaligen Zweitligisten Alemannia Aachen im Jahr 2007.

Neuer Trainer: Erste Kontakte dürften in den nächsten Tagen vertieft werden

Klar ist für Buchwald, dass seine Trainertätigkeit bei den Blauen kein Dauerzustand sein wird. „Wir wollen möglichst schnell einen neuen Mann verpflichten“, stellte der 51-Jährige klar. Erste Kontakte dürften in den nächsten Tagen vertieft werden. Das Anforderungsprofil steht: Es soll ein Coach der jüngeren Garde werden, der trotzdem schon bewiesen hat, dass er ein Team nach oben führen kann.

Unabhängig davon, wer das sein wird, ist Buchwald von der Qualität der Mannschaft überzeugt: „Ich bin ganz sicher, dass das Team stark genug ist, um in der Liga zu bleiben.“ Die erste Bewährungsprobe steht gegen Darmstadt an, dann folgen vor der Winterpause noch die Heimspiele gegen Hansa Rostock (1. Dezember) und den 1. FC Heidenheim (15. Dezember) sowie das Auswärtsspiel beim SV Wehen Wiesbaden (8. Dezember). „Ich freue mich jetzt schon auf Weihnachten“, sagte Buchwald am Montag. Stressige Tage gibt es bis dahin genug.

In unserer Fotostrecke präsentieren wir Ihnen die Trainer der Stuttgarter Kickers der vergangenen 30 Jahre.

 

 
 
Kommentare (2)
  1. (Logout)
  2. Die Redaktion veröffentlicht ausgewählte Kommentare auch in der gedruckten Ausgabe der Stuttgarter Nachrichten. Voraussetzung ist, dass der Beitrag mit Namen, Postanschrift und E-Mail (Adressen werden nicht veröffentlicht) vorliegt.
Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich.

Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben.

Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.
Benno Mehring Ist schon länger als 1 Jahr her
„Wir mussten einfach neue Impulse setzen“, erklärte Buchwald. Aber wie? Mit einem Notnagel als Interimstrainer? Wie das geht, hat der Weltmeister beim KSC und in Aachen gezeigt. Dort hat er zwei Traditionsvereine dem freien Fall überantwortet. Seit bei den Kickers im Hintergrund ein gewisser Wolfgang Dietrich die Fäden zieht, ist Management by Chaos Trumpf. Ein seriöser Sanierer wie Edgar Kurz - weg (intrigiert); ein Kenner der Szene wie Jens Zimmermann - degradiert; ein Fußball-Fachmann wie Dirk Schuster - geschasst. Wohin das führt? Kann beim Traditionsverein RW Oberhausen erfragt werden, der sich als Zweitligist dem Finanzjongleur Dietrich ausgeliefert hat und nun in der vierten Liga angekommen ist.
Antworten
Degerlocher Ist schon länger als 1 Jahr her
Solche Personen brauchen die Kickers jetzt. - Hoffentlich findet er noch ein paar Unterstützer die den Karren herumreisen können.
Antworten