Stuttgarter in „Soko Köln“ „Irgendwann war klar, die Welt ist nicht zu retten“

Uwe Bogen, 10.10.2012 17:00 Uhr

Stuttgart – Herr Heller, Sie sind gerade auf Heimatbesuch in Stuttgart. Wo geht’s am Abend hin?
Meine Schwester und Mutter leben hier. Ich bin relativ häufig bei ihnen in der Nähe von Esslingen zu Besuch. Heute Abend geht’s in die Weinstube Widmer in die Leonhard­straße – zum besten Rostbraten der Stadt. Früher war ich nicht nur Gast hier, sondern habe auch als Kellner beim Fröhlich gejobbt.

Sie meinen Hans Fröhlich, den früheren ­Kulturchef der Stuttgarter Nachrichten und späteren Widmer-Wirt.
Ja, genau! Doch lang währte meine Kellner-Karriere beim Fröhlich nicht. Als ich einmal zehn Minuten zu spät zur Arbeit kam, hat er mich rausgeworfen. Da war er gnadenlos. Daraufhin wurde ich Taxifahrer.

Als Taxifahrer lernt man eine Stadt sehr gut kennen.
Wie wahr. Man bekommt Einblicke in die Schattenseiten und Abgründe einer Stadt.

Dann haben Sie in der Kinder- und Jugend­psychiatrie gearbeitet. Auch da dürfte mehr Schatten als Sonne sein.
Ja, das ist hart, wenn man erlebt, wie einsam und unglücklich Menschen in jungen Jahren sein können. Man ist auf ganzer Linie auch als Mensch gefordert, nicht nur als Pädagoge. Der Vater eines Patienten hat mir aus Dankbarkeit den Führerschein finanziert. Nach dem Abitur am Schickhardt-Gymnasium habe ich als Zivi Essen ausgefahren, spielte bis zum 18. Geburtstag bei den Stuttgarter Kickers Fußball und habe dann am Fröbel-Seminar Sozialpädagogik studiert. Bis 1986 habe ich in Stuttgart gelebt.

Woran erinnern Sie sich?
Ich weiß noch, wie 1977 – da war ich 16 Jahre alt – die Demonstranten zur Beisetzung der RAF-Terroristen an unserem Haus vorbeizogen, da bin ich runter und lief mit. Das ­waren die Jahre des Protestes und des Aufbegehrens, auch wenn wir nicht aufseiten der Gewalt waren.

Sie wollten die Welt retten?
Wir wollten die Welt retten, doch irgendwann erkannten wir, dass die Welt nicht zu retten ist.

Und dann gingen Sie zur „Soko“?
Es war noch ein weiter Weg zur „Soko Köln“. 1986 habe ich mit der Ausbildung zum Schauspieler in Hannover begonnen. Von 2002 bis 2005 war ich Ensemble-Mitglied am Stadttheater in Freiburg, dann in Basel, ­Berlin. Bis 2009 war ich am Schauspielhaus Zürich. Seitdem bin ich freischaffend. Die Dreharbeiten für die neue Staffel der „Soko Köln“ haben im Frühjahr begonnen. Ich spiele den Staatsanwalt Dr. Alexander Kern, eine gebrochene Figur, ein Alphatier, das Teamarbeit erst noch lernen muss.

Die „Soko Köln“ ist die erfolgreichste Ausgabe in der „Soko“-Familie. Wie erklären Sie sich den Erfolg der Krimiserie?
Durch das fünfköpfige „Soko“-Team sind mehr und vielschichtigere Konflikte möglich. Alle Figuren besitzen ein hohes Maß an Selbstironie. Die Lösung der Fälle ist geprägt von psychologischem Gespür, weniger von Action und Gewalt. Es gibt viele Außenaufnahmen mit starken Motiven, was die ­Kinoqualität der Bilder unterstreicht.

Der neue „Tatort“ aus dem Ruhrgebiet besteht auch aus vier Hauptdarstellern.
Ja, die haben dieses Prinzip mit mehreren Kommissaren jetzt wohl übernommen.

Wie erleben Sie heute Stuttgart aus der Ferne?
Ich lebe mittlerweile in der Schweiz. Was mich außer Freunden und Familie immer wieder nach Stuttgart zurückkehren lässt, ist das Mineralbad Berg, mein unumstrittenes Lieblingsbad. Mit Stolz hat mich erfüllt, was zum geplanten Bau des unterirdischen Bahnhofs hier passiert ist. Der Protest gegen Stuttgart 21 hat in ganz Deutschland die Menschen beeindruckt. Ich finde es gut, dass ein Grüner Baden-Württemberg regiert, und hoffe, dass Fritz Kuhn OB wird.

 
 
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