Stuttgarter Filmwinter Der Riesenpapst lächelt vom Laster

Von Oliver Stenzel 

Das diesjährige Filmwinter-Motto „Welcome to the New Age“ bezieht sich auf Auswirkungen der digitalen Revolution auf unser Leben und die Kunst. Am Donnerstag feierte das Festival Eröffnung im Theater Rampe.

Stuttgart – Es gibt tatsächlich noch Orte in Stuttgart, an denen der Filmwinter noch nicht war. Das Theater Rampe zum Beispiel, in dem das seit Jahren vagabundierende Experimentalfilm- und Medienkunstfestival am Donnerstagabend eröffnet worden ist. Das diesjährige Festivalmotto „Welcome to the New Age“ hat allerdings nichts mit dem neuen Spielort zu tun, sondern unter anderem mit den Auswirkungen der digitalen Revolution auf unser Leben und die Kunst. Und obwohl sich das Motto nur auf das Rahmenprogramm bezieht, gab es auch in der ersten Rolle des Kurzfilmwettbewerbs, traditionell das Herzstück des Festivals, so manche neuen Welten zu entdecken.

Film – ein Bildexperiment

Der Eröffnungsfilm „Twelve Tales Told“ des Österreichers Johann Lurf ist gleich ein zwölffacher Anfang: Lurf mixt ein Dutzend Studio-Logos aus Vorspännen von Hollywoodproduktionen in immer schnellerem Rhythmus, zerhackt die ikonischen Marken zum Stakkato aus Bild- und Tonschnipseln.

Langer Titel, kurzer Film: Mit „A Very Large Increase In The Size, Amount, or Importance of Something Over a Very Short ­Period of Time“ erweist sich der gebürtige Ulmer Max Hattler einmal mehr als Virtuose abstrakter Animation. Auf einen Urknall lässt er Wachstums- und Wandlungsprozesse bunter Blasen folgen, selten wirkten geometrische Formen so organisch.

Für pointierten Trash sorgt Stefan ­Möckel. In „Herr H. Andy“ thematisiert der Braunschweiger Super-8-Freak, der auch den diesjährigen Festivaltrailer verantwortet, den modernen Albtraum des Handyverlustes – gewohnt ultrakurz, gewohnt ­komisch.

Die Österreicherin Anna Vasof zelebriert lustvoll die Absurdität. Sie befreit in ihrem Beitrag „Down to Earth“ den Schuh von der funktionalen Beschränkung, bequemer Fortbewegung zu dienen, und präsentiert 28 Modelle, die der Erfinderwelt Daniel Düsentriebs entstammen könnten. Mausefallen, Hammer oder Pfannen sind durch so originelle wie haarsträubend sinnlose mechanische Apparaturen mit dem Schuhwerk verbunden, die bei der Bewegung ausgelösten Prozesse sorgen für große Heiterkeit.

Ebenfalls aus Österreich kommt Experimentalfilmer Thomas Draschan. Er widmet sich in „Wotruba“ der Wiener Wotruba-Kirche, die der Bildhauer Fritz Wotruba vor 40 Jahren aus 152 einzelnen Betonkuben konzipiert hat. Draschan filmt nicht einfach die spektakuläre Architektur ab, sondern reiht Einzelaufnahmen so aneinander, dass die nun ruckeligen und fragmentierten Bilder kongenial die Wirkung von Wotrubas Formensprache verstärken – grandios.

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