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Stuttgarter AfD Klingler vergreift sich im Ton

Von Josef Schunder 

Bernd Klingler im Wahlkampf: Er hat hohe Ansprüche, aber nicht immer an seine Wortwahl Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Bernd Klingler im Wahlkampf: Er hat hohe Ansprüche, aber nicht immer an seine WortwahlFoto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Strafanzeige gegen AfD-Landtagskandidat Bernd Klingler wegen Beleidigung war schon formuliert – weil er einen CDU-Bezirksbeirat als „niederträchtiges Schwein“ tituliert hatte. Mit einer Entschuldigung konnte er die Anzeige aber noch abräumen.

Stuttgart - Die Rechtspopulisten von der AfD feuern manchmal gern aus der Hüfte. Erst gewagte Aussagen, dann halbe Dementis oder Erklärungen der Partei, dass alles nicht so gemeint war oder unglücklich formuliert worden sei. In dem Stil ist am Mittwoch auch der Stuttgarter Landtagskandidat Bernd Klingler (47) zurückgerudert.

Dass er das CDU-Bezirksbeiratsmitglied Johannes Schlichter als „niederträchtiges Schwein“ bezeichnete, sei ihm im Zustand der körperlichen Erschöpfung unterlaufen, postete Klingler im sozialen Netzwerk Facebook. Unserer Zeitung sagte Klingler außerdem, Schlichter wisse selbst, dass er zuvor auch falsch agiert habe.

Erst gepostet, dann den Eintrag wieder gelöscht

Schlichter hatte, vom Wahlkampf beseelt, zuerst in Facebook gepostet. Einer wie Klingler habe im Landtag nichts zu suchen, weil er sich überall hineinwählen lasse, aber die Termine nicht wahrnehme. Beispielsweise als Betreuungsstadtrat der AfD im Bezirksbeirat Mühlhausen oder im Bund der Selbstständigen. Als Klingler das am Sonntag bei der Rückkehr vom schweren Wahlkampf entdeckte, lief ihm die Galle über. Und da postete er wütend zurück: „Du niederträchtiges Schwein.“ Stunden später löschte er den Eintrag. Er sei von Schlichter, mit dem er sich duzte, enttäuscht gewesen, sagt Klingler. Gerade ihm könne man Faulheit und Schwänzen nicht vorwerfen.

Das sieht Reinhold Uhl, Kreisvorsitzender des Bundes der Selbstständigen, anders. Der „rechtsradikale Agitator“ Klingler sei beim BDS nicht erst weggeblieben, als er Ende 2015 mit dem Gewerbe- und Handelsverein Weilimdorf die Organisation verlassen habe. Insofern sei Schlichter nicht ganz falsch gelegen.

Betroffener nimmt Entschuldigung an

Schlichter selbst hat am Mittwochmorgen entschieden, doch keine Anzeige zu erstatten. Weil Klingler sich am Vorabend entschuldigt hatte.

Reinhard Löffler (CDU), der das Direktmandat trotz guter AfD-Umfragewerte im Kopf-an-Kopf-Duell mit dem grünen Minister Franz Untersteller wieder für eroberbar hält, will zu Klingler nicht viel sagen. Nur soviel: „Das ist eine Unperson für mich.“ Er selbst wolle Diffamierungen vermeiden, habe kürzlich auch dafür gesorgt, dass die Junge Union viel kritisierte Plakate gegen die Grünen im Wahlkreis Stuttgart III nicht aufhängte. Klingler ist da skeptisch. Er ist überzeugt davon, dass Hasstiraden in Facebook gegen AfD-Personal von einer Wahlkampforder der CDU herrühren. Die Sache mit Schlichter glaubt er wieder einrenken zu können. Man habe abgesprochen, nach der Wahl je zwei Viertele und einen Rostbraten zu konsumieren. „Wenn ich niederträchtiger Mensch gepostet hätte statt niederträchtiges Schwein, wäre das ohnehin okay gewesen“, meint Klingler. Der feine Unterschied mag Hinweis sein, wie man bei der AfD politische Kultur versteht.

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