Stuttgart-Vaihingen/Leinfelden Schüler zeigen das Musical „Anatevka“

Von Sabrina Höbel 

Etwa 300 Schüler sind an dem Musical „Anatevka“ beteiligt. Das Fanny-Leicht-Gymnasium lässt sich die Produktion 50 000 Euro kosten. Foto: Sabrina Höbel
Etwa 300 Schüler sind an dem Musical „Anatevka“ beteiligt. Das Fanny-Leicht-Gymnasium lässt sich die Produktion 50 000 Euro kosten. Foto: Sabrina Höbel

Die Schüler des Fanny-Leicht-Gymnasiums in Stuttgart-Vaihingen proben für ihr Musical „Anatevka“. Wir waren dabei, haben Schüler und Lehrer interviewt und Interessantes erfahren.

Vaihingen - Derzeit ist im Fanny-Leicht-Gymnasium nichts wie sonst. Ein Klangteppich erfüllt konstant das Schulhaus und die Lehrer stehen vor halb leeren Klassen. Verantwortlich dafür ist weder eine plötzliche Grippewelle noch ein verfrühter Ferienbeginn. Es ist Musical-Saison am Fanny. Und etwa 300 Schüler sitzen nicht im Unterricht, sondern proben fleißig in der rappelvollen Pausenhalle. Kurz vor der Premiere werden die Proben dann in die Filderhalle verlegt, wo auch die Aufführungen sind. Alle drei Jahre veranstaltet die Schule ein großes Musical. Diesmal wird von 20. bis 23. Juli „Anatevka“ gezeigt.

Das Werk des amerikanischen Komponisten Jerry Block nach dem Buch von Joseph Stein spielt zu Beginn des 20. Jahrhunderts in einer Siedlung polnischer Juden. Hauptakteur ist der Milchmann Tevje, der davon träumt, reich zu sein und seine Töchter nach jüdischer Tradition zu verheiraten. Die Mädchen stellen sich allerdings quer. „Das wichtigste Kriterium bei der Stückauswahl war, dass es spielbar ist“, sagt Regisseurin Regina Peter. Man wolle aber gleichzeitig den pädagogischen Auftrag erfüllen und eine Geschichte erzählen, die hörenswert ist. Peter ist freischaffende Regisseurin und Theaterpädagogin. Mit dem Fanny-Leicht-Gymnasium verbindet sie eine lange Zusammenarbeit, langweilig wird es ihr dort aber nie: „Was am Fanny an Niveau und Masse an Mitwirkenden passiert, ist die oberste Kante“, sagt sie. Neben dem Leiterteam aus Lehrern seien es vor allem die Schüler, die zum Erfolg beitragen. „Die Schüler sind so was von motiviert, die geben ihr letztes Hemd“, sagt Peter.

Etwa 300 Schüler sind beteiligt

Für die Aufführung arbeiten mehrere AGs der Schule zusammen. Chöre, Orchester, Jazz-AG, Technik, Bühnenbau, ein Lehrerteam und viele weitere helfende Hände braucht es, um das zweieinhalb Stunden lange Musical auf die Beine zu stellen. Obwohl das Fanny ein allgemeinbildendes Gymnasium ist, liegt der Schwerpunkt auf der Musik. „In den AGs darf jeder mitmachen, wir wollen breit fördern“, sagt Constanze Daneck. Sie unterrichtet Musik an der Schule und steht beim Musical am Dirigentenpult. Die Proben laufen seit Anfang des Jahres, kurz vor dem Auftritt in der Filderhalle wird intensiv geübt. Für die Zeit werden die Mitwirkenden vom Unterricht befreit. „Die Schüler sind mit absoluter Ernsthaftigkeit bei der Sache und haben gleichzeitig Spaß“, sagt Daneck.

Einer von ihnen ist Alexander Klenk. Der 18-jährige konnte bei dem Casting im September die Hauptrolle des Tevje ergattern. Insgesamt gibt es zwei Besetzungen, um sich abzusichern, falls mal ein Akteur ausfällt.

Alexander Klenk ist schon lange musikalisch am Fanny-Leicht-Gymnasium in Stuttgart-Vaihingen engagiert. „Ich war früher im Chor und später im Orchester“, sagt er. „Das ist jetzt mein viertes Musical.“ Gerade hat er sein Abitur gemacht, musste also Musical und Lernstress unter einen Hut bringen. „Die Proben waren manchmal schon anstrengend“, gesteht der Abiturient. Jetzt, wo die Prüfungen geschafft sind, kann er sich ganz auf die Rolle konzentrieren. Zur Vorbereitung hat Klenk sogar Gesangsunterricht genommen.

Eine 50 000 Euro teure Produktion

Die Produktion von „Anatevka“ kostet etwa 50 000 Euro. „Wir müssen die Rechte, Noten, die Filderhalle, die Technik und vieles mehr bezahlen“, sagt Constanze Daneck. Durch den Eintritt, Sponsoren und Zuschüsse lande man am Ende wieder bei Null. Der große Auftritt vor 750 Menschen in der Filderhalle sei die Mühen aber allemal wert. Klenk lässt die große Zuschauerzahl noch kalt. „Ich bin momentan noch gar nicht aufgeregt“, sagt er und fügt schmunzelnd hinzu: „Wahrscheinlich sieht das vor der Aufführung aber noch mal ganz anders aus.“

Aufführungen „Anatevka“ wird vom 20. bis 23. Juli jeweils von 19.30 Uhr an in der Filderhalle, Bahnhofstraße 61, Leinfelden, aufgeführt. Karten gibt es zum Preis von zehn bis 20 Euro (ermäßigt sechs bis zehn Euro) in der Buchhandlung buch+musik, Haeberlinstraße 1–3 in Vaihingen, und in der Buchhandlung Ebert an der Filderbahnstraße 38 in Möhringen oder an der Abendkasse.

Redaktion Vaihingen

Ansprechpartner
Rüdiger Ott und Alexandra Kratz
vaihingen@stz.zgs.de

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