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Stuttgart Stadt überprüft Kriterien für Feinstaub-Alarm

Von Konstantin Schwarz 

Viel Platz, keine Umsteiger vom Auto auf die Stadtbahnlinie U 11 am Cannstatter Wasen Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Viel Platz, keine Umsteiger vom Auto auf die Stadtbahnlinie U 11 am Cannstatter WasenFoto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Stadtverwaltung will die Kriterien für den Feinstaub-Alarm und die Angebote zum Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn bis zum Herbst überprüfen.

Stuttgart - Ab Mitte April wird in Stuttgart die Periode der Feinstaub-Alarme enden. „Wir haben dann wahrscheinlich keine Inversionswetterlage mehr“, sagt Wilfried Weiß, der Leiter des Referats Luftqualität bei der Landesanstalt für Umwelt und Messungen in Karlsruhe. Erst im Oktober müsste dann wieder mit Alarmtagen und dem Appell zum Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn gerechnet werden.

Die Alarmierungen, mit denen Stadt, Verkehrsministerium und Regierungspräsidium die Schadstoffwerte unter den von der EU verfügten Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft drücken wollen, sind nicht immer passgenau. Von den insgesamt 17 Grenzwertüberschreitungen beim Feinstaub am Neckartor vom 18. Februar (erster Alarm) bis zum 1. März lagen zehn außerhalb der Alarmtage. Eine Trefferquote von nur 41 Prozent mache deutlich, „dass die sichere Erkennung von Smogsituationen und die sachlich saubere und vollständige Information der Öffentlichkeit über die tatsächliche Gefahrensituation nur mangelhaft funktionieren“, so Ewald Thoma. Der Leonberger, der sich in der dortigen Arbeitsgemeinschaft Verkehrslärm engagiert, war beruflich nach eigenen Angaben mit dem Aufbau der Luftmessnetzzentrale gegen Smog in den 80er-Jahren beschäftigt.

Allein die Wetterprognose entscheidet

Heute beim Feinstaubalarm nur auf die Wetteprognose zu setzen und tatsächliche Messwerte nicht einzubeziehen hält Thoma für einen „fundamentalen Fehler“. Aus juristischen Grünen sei eine messtechnisch unterstützte Alarmierungsmethode zwingend notwendig, wenn es nicht nur bei freiwilligen Maßnahmen bleibe, sondern mit der Alarmierung Zwangsmaßnahmen wie Fahrverbote verbunden würden.

Das bisherige Verfahren liefere keine absolute Vorhersage-Sicherheit, räumte die Stadtverwaltung bereits vor dem ersten Alarm ein. Am Montag teilte Stadtsprecher Andreas Scharf unsere Zeitung mit, dass man „nach dieser ersten Saison“ die Instrumentarien auswerten und gegebenenfalls bis zum Herbst anpassen wolle. Man wolle sich die meteorologischen Kriterien, die zur Auslösung eines Feinstaub-Alarms führen, „auch anschauen“.

Einsatz der U 11 kann diskutiert werden

Ob der seit Montag laufende vierte Alarm bereits an diesem Dienstag endet, ist ungewiss. „Die Wetterprognose für die Folgetage ist nicht eindeutig“, teilte die Stadtverwaltung mit. Eine Entscheidung über die Verlängerung oder Aufhebung könne daher erst auf der Basis der neuen Prognose am Dienstagmittag getroffen werden. Zur Aufhebung müsste der Deutsche Wetterdienst eine nachhaltige und deutliche Verbesserung des Austauschvermögens der Atmosphäre vorhersagen. Eine eintägige Unterbrechung der Inversionswetterlage reiche nicht aus.

Auf den Prüfstand stellen will die Stadt bis Herbst auch den Einsatz der Stadionlinie U 11, die beim Feinstaub-Alarm mit fast leeren Wagen ab 8.30 Uhr vom Wasen in die Innenstadt pendelt. Das Umstiegs-Angebot wird nicht angenommen, kostet aber pro Tag 10 000 Euro. Man wolle dies wie Vergünstigungen „im Lichte der Erfahrung diskutieren“, so Scharf, aber nicht mittendrin in der Feinstaub-Saison Änderungen vornehmen. Die U 11 entlaste den innerstädtischen Verkehr und helfe Einkaufsfahrten zu vermeiden. Auf weiten Strecken der U 11 verkehren aber weitere Linien in dichtem Takt.

Angesichts neuer Farbenspiele nach der Landtagswahl fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz „die Verringerung des Autoverkehrs, Fahrverbote und eine massive Verbesserung der umweltfreundlichen Verkehrsmittel“, so die Landesgeschäftsführerin Sylvia Pilarsky-Grosch. Diese Themen dürften nicht verhandelbar sein, denn die Überschreitungen der Feinstaub- und Stickoxid-Grenzwerte seien massiv, die Zahl der Menschen, die ihr Verhalten freiwillig änderten dagegen zu gering.

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