Stuttgart-Ost Die Welt der Andersgründer

Von Elke Rutschmann 

Maximilian Krafts  Start-up Raupe Immersatt wird bereits von Social Impact Lab Stuttgart gefördert. Foto: Elke Rutschmann
Maximilian Krafts Start-up Raupe Immersatt wird bereits von Social Impact Lab Stuttgart gefördert. Foto: Elke Rutschmann

Social Impact Labs helfen sozial engagierten Unternehmern bei der Gründung. Die Idee kommt aus Berlin.

S-Ost - Wer in der ersten Etage im historischen Backsteingebäude auf dem Kulturpark Berg im Stuttgarter Osten ankommt, der taucht ein in eine ganz andere Geschäftswelt. Im lichtdurchfluteten Flur steht eine Hängematte, überall sind kleine Sitzgruppen verteilt und in den großzügigen Büros arbeiten vor allem junge Menschen. Dort befindet sich seit Mai der neue Standort von Social Impact Lab. „Social Impact Labs sind Orte des Lernens, des Austausches und der Vernetzung, und sozial steht für gesellschaftspolitisch relevant“, sagt Norbert Kunz, Geschäftsführer der Social Impact GmbH. Profit ist hier nicht das Maß aller Dinge.

Die Menschen, die dort arbeiten, wollen möglichst viel Gutes in der Gesellschaft bewirken, die Welt ein bisschen besser machen und bieten in ihren Sozialunternehmen Produkte und Dienstleistungen an. Man hat die Umwelt im Blick, will Ressourcen schonen oder Menschen in den Arbeitsmarkt integrieren. Auch Jonas Behrend und Maximilian Kraft zählen zu diesen Andersgründern, die an unternehmerischen Ideen tüfteln, um soziale Probleme zu lösen. Behrend will mit seinem Start-up Abelo die für die Bestäubung so wichtigen Wildbienen schützen, in Schulen Wildbienenhotels aufstellen, Schüler und Lehrer für das Thema sensibilisieren. „Die Bienen finden einerseits ein Zuhause, und die Kinder lernen den Umgang mit den Tieren“, sagt Behrend.

Wer ein Unternehmen gründen will, braucht mehr als eine gute Idee

Im Foodsharing-Café Raupe Immersatt von Maximilian Kraft sollen vor der Tonne gerettete Lebensmittel gegessen werden können. „Wir wollen das globale Problem der Lebensmittelverschwendung angehen und ein Bewusstsein dafür schaffen“, sagt Kraft.

Er und Behrend wurden in das Stipendienprogramm „Wirkungsschaffer“ von Social Impact Lab aufgenommen, das ein achtmonatiges Qualifizierungsprogramm umfasst. Denn wer ein Unternehmen gründen will, braucht nicht nur eine gute Idee, sondern auch einen Businessplan und eine Steuernummer. Gründer müssen zu Ämtern gehen und sich Gedanken über ihre Zielgruppe machen. Das Lab vernetzt die Jungunternehmer mit Menschen, die sich genau mit diesen Dingen auskennen und bietet Coaching, Mentoring und Workshops. Im „Wirkungsschaffer“-Programm erhalten die teilnehmenden Teams sowohl Zugang zu relevanten Netzwerken als auch zu möglichen Investoren.

Im Gegensatz zu dem umfangreichen Förderangebot für klassische Existenzgründer können angehende Sozialunternehmer häufig keine Unterstützungsleistungen in Anspruch nehmen. Social Impact kann finanzielle Lücken bei Social-Start-ups mit alternativen Finanzierungsmöglichkeiten schließen. In Berlin, Hamburg, Frankfurt, Leipzig, Duisburg, Potsdam und München arbeiten sieben weitere Social Impact Labs bereits sehr erfolgreich und mehrfach ausgezeichnet im Bereich der Entwicklung von nachhaltigen und sozialen Innovationen.

Finanzierung der Start-ups

Mehr als 400 Teams und Unternehmen wurden bislang durch Social Impact in ihrem Gründungsprozess unterstützt. Zu den Vorzeigefirmen zählt Auticon in Berlin. Dort werden ausschließlich Menschen mit der autistischen Störung Asperger-Syndrom beschäftigt, die ausgeprägte mathematische Fähigkeiten besitzen, aber in der Hektik der normalen Arbeitswelt nicht zurechtkommen. Auticon bietet das passende, ruhige Arbeitsumfeld, die Mitarbeiter erledigen dort Softwareaufgaben großer Unternehmen. Ausgezeichnet wurde auch die Berliner Kiron University, an der Geflüchtete ohne Dokumente sich weiterbilden können.

Um die Start-ups zu finanzieren, bringt das Social Impact Lab Privatinvestoren, Stiftungen, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen zusammen. In Stuttgart sind dies die Caritas, die Vector Stiftung sowie die Karl-Schlecht-Stiftung. „Das Social Impact Lab tut Stuttgart sehr gut, es hat ein Ort gefehlt, an dem Sozialunternehmen entstehen können“, sagt Edith Wolf, Vorstandsmitglied der Vector Stiftung.

Redaktion Stuttgart-Ost

Ansprechpartner
Jürgen Brand
s-ost@stz.zgs.de

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