Stuttgart-Lauf Marathon-Idee stößt auf Skepsis

Martin Haar, 13.06.2012 18:00 Uhr

Stuttgart - Stuttgart galt einmal als Mekka für hochkarätige Leichtathletik-Veranstaltungen. Doch seit dem Umbau der Mercedes-Benz-Arena in ein reines Fußballstadion ist damit Schluss. Daher will Schorndorfs OB Matthias Klopfer die Leichtathletik-Tradition wiederbeleben. Durch einen Stuttgart-Marathon.

Am Wochenende gehen schätzungsweise wieder 20.000 passionierte Läufer auf die Strecke. Der Stuttgart-Lauf, der seit 1994 ausgetragen wird, hat eine große Anziehungskraft und Tradition. Vor allem der Halbmarathon hat sich im Veranstaltungskalender der Leichtathleten als feste Größe etabliert. Dennoch reißen vor dem Stuttgart-Lauf die Diskussionen nicht ab, aus dem Halben (21,0975 km) etwas Ganzes zu machen. Also einen klassischen Marathon über 42,195 Kilometer.

Matthias Klopfer, Schorndorfs Oberbürgermeister und Vorsitzender der Sportregion, hatte im Interview mit unserer Zeitung im Mai vorgeschlagen: „Ich denke an einen internationalen Marathon. Damit könnte man unglaublich viele Menschen bewegen. Der Stuttgart-Lauf ist gut, hat aber längst nicht die Strahlkraft eines Hamburg- oder Berlin-Marathons. Warum sollte hier kein internationaler Mercedes- oder Porsche-Marathon stattfinden?“

„In Stuttgart muss man mal einen Berg rauf, das ist für Marathon-Läufer nicht machbar“

Die Leichtathletik-Szene reagierte prompt. „Ich wurde bei einem Schülersportfest am Sonntag erst wieder von einem Vertreter des Württembergischen Leichtathletik-Verbandes und des VfB Stuttgart angesprochen“, sagt Klopfer. In diesen Gesprächen spürte er beides: Zustimmung und Skepsis.

Günther Kuhnigk, Leiter des Stuttgarter Sportamtes, sieht die Sache eher nüchtern: „Natürlich wäre ein Marathon für Stuttgart eine ganz reizvolle Sache, aber die topografische Situation macht die Umsetzung eher schwierig.“ Kuhnigk: „In Stuttgart muss man halt auch mal einen Berg rauf, das ist für Marathon-Läufer nicht machbar.“

So sieht es auch WLV-Präsident Jürgen Scholz. „Das haben wir doch alles schon geprüft“, sagt Scholz, „das wäre ein sehr großer organisatorischer Aufwand.“ Wollte man in Stuttgart einen Marathon umsetzen, so Scholz, müsste man die Stuttgart-Runde zweimal laufen. Nur so ließen sich Anstiege vermeiden. Dies wiederum wäre für die Läufer und das Publikum wenig attraktiv.

Aber genau darum geht es Matthias Klopfer: um den Glanz einer hochkarätig besetzten Veranstaltung, der auf Stuttgart abstrahlen soll. Aber auch hier muss Leichtathletik-Präsident Scholz den Schorndorfer OB etwas korrigieren: „Ein internationaler Spitzenläufer verlangt nicht nur viel Startgeld, er kann pro Saison auch nur drei, maximal vier Läufe bestreiten. Außerdem ist die nationale und internationale Konkurrenz unter den Marathon-Veranstaltungen enorm groß.“ In diesem engen Terminkalender einen neuen Marathon zu platzieren, hält Jürgen Scholz für schwierig.

Nachmeldungen zum Lauf in der Schleyerhalle möglich

Doch Matthias Klopfer lässt sich davon nicht beirren. Er wird seine Idee vom Stuttgart-Marathon weiterverfolgen und an diesem Mittwoch auf der Sitzung der Sportregion vorbringen. Danach will er ganz im Sinne der Langstrecke Ausdauer zeigen: Matthias Klopfer will abwarten, in welche politische Richtung sich der Wind in Stuttgart dreht: „Mal sehen, was sich nach der Oberbürgermeisterwahl ergibt. Vielleicht erkennt der künftige OB, welche Strahlkraft ein Marathon für Stuttgart haben könnte – und macht es zur Chefsache.“

19. Stuttgart-Lauf

Nachmeldungen sind für Läufer am Veranstaltungswochenende in der Schleyerhalle möglich: am Samstag, 16. Juni, von 10 bis 20 Uhr für alle Wettbewerbe, am Sonntag, 17. Juni, ab 7 Uhr bis etwa 90 Minuten vor den jeweiligen Wettbewerben. Alle Wettbewerbe starten auf der Benzstraße hinter der Mercedes-Benz-Arena und der Schleyerhalle. Ausnahmen: Der Kids-Inline- und der Jolinchen-Lauf starten auf der Mercedesstraße. Der Zieleinlauf befindet sich für alle Wettbewerbe mit Ausnahme des Kids-Inline-Laufs in der Mercedes-Benz-Arena.

Die Wettbewerbe: Samstag ab 14.30 Uhr Jolinchen-Lauf, ab 15 Uhr Minimarathon, 16 Uhr Handbike-Minimarathon, ab 16.30 Uhr Kids-Inline-Lauf. Sonntag ab 8.50 Uhr Handbike- und Rollstuhl-Halbmarathon, 9 Uhr Halbmarathon, 9.10 Uhr Staffel-Marathon, 11.30 Uhr Lauf über 7 km, 11.40 Uhr Walking/Nordic Walking über 7 km.

Wegen der Erneuerung des Bahnhofs Obertürkheim wird die S 1 umgeleitet und hält nicht am Neckarpark. Teilnehmer müssen in Bad Cannstatt aussteigen.

 
 
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JUN
18
Aurel, 10:11 Uhr

Marathon

Wir haben doch mit dem Bottwartal- und dem Trollingermarathon schon zwei klasse eingeführte und laufenswerte Marathons im Großraum Stuttgart. Wüsste nicht, was da noch ein zusätzlicher Stuttgart-Marathon sollte, zumal die Marathon-Teilnehmerzahlen sowieso rückläufig sind...

JUN
16
Horst, 13:22 Uhr

Ja oder nein das ist die Frage

Wer will den bei 30C ein Marathon laufen. Ihr schaft es immer wieder das es an dem Wochenende immer Heiß ist. Dann die Startverzögerung und die Lage im Kessel machen die Streckenführung nicht einfach da der Verkehr auch rollen muss. Wenn ihr keine Eliteläufer einladet die Bestzeit laufen wollen kann ein Berg einem Läufer nichts ausmachen. Den Schwarzwald Marathon in Bräunlingen hält sich ja auch. Es gilt die Stadt mit den Parks zu verbinden. Wenn mehr durch den Park gelaufen wird. Ist es für den Verkehr auch besser und günstiger wegen den Absperrungen.

JUN
15
Kesselrunner, 09:31 Uhr

Was hat das Stadion damit zu tun?

Mit erschließt sich nach wie vor nicht, warum ein Stadion über den Erfolg einer Laufveranstaltung entscheiden. Weder in Hamburg noch in Berlin befindet sich das Ziel im Stadion. Selbstverständlich war es 'damals' toll, nach dem Zieleinlauf auf dem Rasen auszuruhen. Aber viel wichtiger als dies sind doch Strecke, Organisation und gerne vergessen: Die Startgebühren. Sich in die Riege der großen deutschen oder gar internationalen Marathons einzureihen wird schwierig. Vielleicht wäre ein Nischenkonzept besser: Neckarmarathon, Stuttgart-Remstal-Lauf oder ähnlich. Und vielleicht sagt jemand dem Leiter des Stuttgarter Sportamtes, dass Marathonläufer sehr wohl in der Lage sind, einen Berg hochzulaufen.

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