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Stuttgart Innenstadt soll Gratis-Internet bekommen

Von Martin Haar 

  Foto: Max Kovalenko
 Foto: Max Kovalenko

Ines Aufrecht will für ein kostenfreies Internetnetz in der City kämpfen. Stuttgart könne sich diesem Trend nicht länger verschließen. Unterstützung bekommt die Wirtschaftsförderin von Stuttgart-Marketing.

Stuttgart - Berlin macht’s vor. Die Hauptstadt plant wie viele europäische Städte einen kostenfreien, öffentlichen WLAN-Internetzugang in der Innenstadt.

Freies Internet für freie Bürger.

Es ist eine zeitgemäße Vision, wie auch eine neue Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest zeigt. Danach werden Handys und Smartphones mit Internetzugang als Alltagsbegleiter immer wichtiger – vor allem für Jugendliche. „Insgesamt 96 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen besitzen ein eigenes Handy, über 80 Prozent nutzen es täglich“, heißt es in der Jim-Studie 2012, „dabei spielt die mobile Internetnutzung eine immer größere Rolle.“

Aber auch Erwachsene nutzen die Vorteile des mobilen Internets immer stärker. Immer mehr sind bereits „always on“ – sie nutzen also auch unterwegs das Internet. Privat oder geschäftlich. Laut des Telekommunikations-Branchenverbands Bitkom nutzten 37 Prozent oder 26 Millionen Menschen in Deutschland das Internet auf dem Handy oder Tablet-Computer.

„Eine moderne Stadt sollte kostenloses WLAN anbieten“

Für die Wirtschaftsförderin Ines Aufrecht ist ein freies Internet sogar ein Argument in der Diskussion um die Zukunftsfähigkeit der Stadt. Daher will sich Aufrecht für eine Umsetzung des Gratis-Internets einsetzen. „Ich finde das eine tolle Idee“, sagt sie, denn dieses Thema betreffe auch die Kernkompetenzen, die den Wirtschaftsstandort Stuttgart stark machen könnten. Aufrecht: „Diesem Trend entsprechend sollte eine moderne Stadt kostenloses WLAN im gesamten Stadtgebiet zur Verfügung stellen.“

Natürlich ist Aufrecht klar, dass auf dem Weg zum freien Internet einige Hürden genommen werden müssen. Auch weil man hier als Kommune in Konkurrenz zu kommerziellen Anbietern trete. Zudem müsse noch eine juristische Hürde genommen werden. Es geht um den Schutz von Internetbetreibern im Falle illegaler Nutzungen. Hier muss die Bundesregierung erst noch die bestehenden Gesetze erweitern. Danach soll nicht mehr der Anbieter der Netzverbindung belangt werden können, wenn illegal Daten herunterladen werden, sondern der Anwender. Diese Gesetzesnovelle soll angeblich noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden.

Damit wäre die Gesetzgebung wahrscheinlich schneller als manche Städte oder Verkehrsbetriebe. Denn nur wenige Verkehrsgemeinschaften bieten ihren Fahrgästen so einen Service. Auch Pläne, die Züge und Busse mit WLAN-Technik auszurüsten, gibt es selten. Auch der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) hinkt in dieser Hinsicht einem Verkehrsbund wie dem in Unna hinterher. Dort gibt es zumindest in einem Pilotprojekt auf einer Schnellbuslinie zwischen Hamm und Dortmund kostenloses WLAN. „Bei uns ist das kein Thema“, bestätigt VVS-Sprecherin Nadine Szymanski, „wir haben auch noch keine Pläne diesbezüglich, aber wir stehen der Sache aufgeschlossen gegenüber. Für die Zukunft ist es eine Überlegung wert.“ Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass von den Kunden entsprechende Anregungen kämen. Fahrgäste müssten also Gratis-Internet in Bussen und Bahnen einfordern.

Kein Gratis-WLAN am Flughafen

Auf dem Flughafen Stuttgart ist ein freies Internet überhaupt kein Thema, wie Pressechef Volkmar Krämer bestätigt: „Bei uns ist die Internetnutzung kostenpflichtig, und wir haben auch keine Pläne, das zu ändern.“

Die Prokuristin der Stuttgart-Marketing, Andrea Gehrlach, bedauert diesen allgemeinen Trend. Sie hält ein öffentliches und kostenfreies Internet in Stuttgart für wünschenswert. Vor allem aus touristischer Sicht. „Das wäre richtig gut“, sagt Gehrlach, „wenn ich an unsere Touristen denke, die mal kurz ihre E-Mails checken wollen, gehören öffentliche Wifi-Zonen eigentlich zu einem Pflichtangebot einer modernen Stadt.“ Aber in dieser Hinsicht sei ganz Deutschland eben noch ein Entwicklungsland. So kommt es nicht von ungefähr, dass ausgerechnet eine amerikanische Kaffeehaus-Kette ein Vorreiter in Sachen Digitalisierung ist. Die weltweit operierende Firma Starbucks bietet in den drei Stuttgarter Filialen ihren Gästen zwei Stunden kostenfreies Surfen an.

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