Stuttgart-Dürrlewang/Stuttgart-Rohr Waldkindergarten hat Geburtstag

Von Jacqueline Fritsch 

Am Anfang gab es für die Waldkindergartenkinder nur einen Bauwagen. Foto: Archiv
Am Anfang gab es für die Waldkindergartenkinder nur einen Bauwagen. Foto: Archiv

Der Waldkindergarten Rohr feiert sein 20-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass müssen sich die Verantwortlichen Sorgen um die Zukunft machen, denn die Rohrer Kurve kommt dem Kindergarten nah.

Dürrlewang/Rohr - Nach langen Trockenphasen sind die Kinder begeistert, wenn es endlich wieder Matsch gibt, in dem sie spielen können. Im Waldkindergarten braucht man nämlich kein herkömmliches Spielzeug, die Kinder nutzen ihre Fantasie und das, was die Natur ihnen bietet. In diesem Jahr feiert der Waldkindergarten Rohr sein 20-jähriges Bestehen.

Eine Elterninitiative gründete im Jahr 1997 den ersten Waldkindergarten Stuttgarts. Damals wurden acht Kinder in dem Waldstück am Lunaweg betreut, heute sind es 30 Mädchen und Jungen in zwei Gruppen. „Aufgeteilt sind die Kleinen seit 1999“, sagt Dorothea Iglezakis, die Vorsitzende des Trägervereins. Jede Gruppe hat ihr eigenes „Lägerle“ im Wald, wo sie sich hauptsächlich aufhält. Im Laufe der Jahre musste die Gruppe „Marienkäfer“ zweimal ihr Lägerle verlegen, weil das alte von einem Sturm verwüstet worden war. Mit dem Umzug kamen aber auch immer neue Spielräume und Gestaltungsmöglichkeiten auf. Die andere Gruppe, die „Tausendfüßler“, haben ihr Lägerle heute noch an der gleichen Stelle wie vor 20 Jahren.

Weniger Platz wegen Stuttgart 21

Eines der Lägerle muss in naher Zukunft möglicherweise dem Bauprojekt Stuttgart 21 weichen. Denn in der Nähe des Waldkindergartens soll die Rohrer Kurvegebaut werden, die den Nah- und Fernverkehr aus Richtung Böblingen direkt in Richtung Flughafen weiterleitet. So bleibt Reisenden der Weg über den Hauptbahnhof erspart. „Während der Bauzeit wird unser Aktionsradius schon deutlich eingeschränkt sein“, meint Dorothea Iglezakis.

Die Holzhütte in der Nähe des Spielplatzes am Lunaweg ist voraussichtlich weit genug weg von der Baustelle. In dieser wärmen sich die Kinder im Winter auf und essen zu Mittag. Früher stand dort ein Bauwagen; die Hütte gibt es seit 2006. Wenn es warm genug ist, machen sich die Kinder und Erzieher zum Essen auf zur Grillstelle. „Die ist noch ein Stückchen weiter im Wald“, sagt Iglezakis. Es komme durchaus vor, dass die Kinder im Winter aus dem Fenster der Holzhütte schauen und keine Lust mehr haben, nach draußen zu gehen. „Aber sobald sie draußen sind, macht es ihnen nichts mehr aus“, sagt Iglezakis.

Eltern bringen Wasser mit

Die Betreuung ist mit der Zeit flexibler geworden. „Wir haben mit den Jahren nicht nur die Holzhütte bekommen, sondern auch verlängerte Öffnungszeiten“, sagt Iglezakis. So können Eltern heute eine Betreuung bis 14.30 Uhr in Anspruch nehmen, es gibt verschiedene Abholzeiten und die Kinder dürfen morgens auch schon früher kommen.

Der Waldkindergarten funktioniert nur dank engagierter Eltern, die sich aktiv in die Organisation einbringen. „Wir tauschen immer, sodass jeder mal etwas machen muss“, sagt Iglezakis. So bringt pro Gruppe jeweils ein Elternteil 20 Liter Wasser mit – zum Händewaschen. Denn die Schutzhütte hat weder Wasser- noch Stromanschluss. Auch beim Putzen der Hütte wechseln sich die Eltern ab.

Verantwortliche hoffen das Beste

Das 20-jährige Bestehen feiern die Verantwortlichen beim diesjährigen Sommerfest am Samstag. „Im Fokus stehen Erinnerungen und Präsentationen“, sagt Iglezakis. Die Kinder zeigen, was sie gebastelt und gemalt haben. „Kaffee und Kuchen gibt es natürlich auch“, sagt die Vorsitzende.

Iglezakis ist sich noch nicht sicher, was der Bau der Rohrer Kurve langfristig für den Waldkindergarten bedeutet. Die Verlegung eines Lägerles wäre für die Verantwortlichen keine allzu große Sache. Aber wenn der Baulärm zu laut werden würde oder die Arbeiten eine Gefahr für die Kinder darstellen könnten, müsste der Kindergarten eventuell komplett umziehen. „Davon gehen wir aber im Moment nicht aus“, sagt Iglezakis. Durchaus fürchte sie sich jedoch vor „Unmengen an Lastwagen“ die bald durch den Wald fahren werden. Ihre Bedenken will sie in einem Einspruch gegen die Baumaßnahme formulieren. „Wir hoffen, dass wir nicht weg müssen“, so Iglezakis Wunsch für die Zukunft.

Redaktion Vaihingen

Ansprechpartner
Rüdiger Ott und Alexandra Kratz
vaihingen@stz.zgs.de

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