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Stuttgart-Album Auf zu neuen Ufern am Feuersee

Von Uwe Bogen 

Näher ran ans Wasser: Sitzstufen und Rasenflächen sollen zum Verweilen am Feuersee einladen, wenn das Ufer im Sommer für 630 000 Euro umgebaut ist. Das Stuttgart-Album blickt zurück.

Stuttgart - Höher als die Litfaßsäule war die See-Uhr, die es im Internetforum des Stuttgart-Albums vielen Besuchern angetan hat. Wir befinden uns in einer Zeit, als am Feuersee der Turm der Johanneskirche noch vollständig war – und die wuchtige Uhr über eine turmähnliche Spitze verfügte. Was ist aus den Standuhren der Innenstadt geworden? Dirk Wein, Kommentator unserer Facebook-Seite, weiß es: „Sie wurden im Krieg leider eingeschmolzen und das Material der Waffenproduktion zugeführt. Die meisten Standuhren, die auch zusätzlich als Wetterstationen dienten, waren aus Gusseisen.“

So soll der Feuersee bald aussehen.

Der Turm der evangelischen Johannes­kirche, die als das bedeutendste Kirchenbauwerk des 19. Jahrhunderts in Stuttgart gilt, war ursprünglich 66 Meter hoch. Bei den Bombenangriffen von 1943 und 1944 ist das Gotteshaus schwer zerstört worden. Beim Wiederaufbau fehlte es an Geld, alles wiederherzurichten. Heute gilt die fehlende Turmspitze als Mahnmal gegen den Krieg.

Die Feuerwehr hat den See 1701 angelegt

Unsere Leserin Irmgard Abt weiß aus der eigenen Familie, was die Markthändler am Feuersee vor dem Krieg verkauft haben: „Bei meiner Mutter gab es geschlachtete Hasen und Eier – das war eine sehr mühsame Arbeit. Dafür bekamen wir immer mal wieder ein paar neue Schuhe.“ Bei anderen gab’s Gemüse und Blumen. „Als ich Kind war, fehlte der Pfeifferskarle nie auf dem Markt“, hat Liselotte Fackler geschrieben.

Es war der See für die Feuerwehr – falls da mal ein Feuer wär’. 1701 ist der Teich als Speicher für Löschwasser angelegt worden. Die Menschen nutzten den Feuersee schon früh zur Erholung. Doch im Laufe der Jahrzehnte entfernten sich Wasser und Mensch. Mit dem Umbau des Ufers soll’s zurück zu den Anfängen gehen. Ein Höhenunterschied von zwei Metern muss von der Rotebühl­straße zum See überwunden werden, der um etwa zwei Meter kleiner wird. Das Büro g2 Landschaftsarchitekten will den Stuttgartern zu einer neuen Freitreppe verhelfen. In dieser Stadt hockt man gern, wie man vom Kleinen Schlossplatz weiß. Von diesem Sommer an soll die Treppe am See locken.

Auch Bürger haben mitgeholfen, dass dies möglich wird. 30 000 Euro sind gespendet worden. Weitere 40 000 Euro, die bei einem anderen Projekt eingespart werden konnten, fließen nun ans neue Feuersee-Ufer. Im Stuttgart-Album begrüßen die meisten Kommentatoren die Umgestaltung. „Noch besser wäre es“, meint Martina M., „wenn der Teich sauberes Wasser hätte.“ Von einem See will sie bei „dieser grünen Dümpelbrühe“ nicht reden: Die Wasserqualität sei ein „Armutszeugnis für Stuttgart“.

Der Rundflug kostet damals 15 D-Mark

Unser Geschichtsprojekt verdankt Thomas Mack eine großartige Luftaufnahme von 1958. Sein Vater hat bei einem Rundflug, der damals 15 D-Mark kostete, den Feuersee aus der Vogelperspektive fotografiert. „Erstaunlich“ findet Kommentatorin Joh Kaha, „dass 13 Jahre nach dem Krieg fast keine Kriegswunden mehr erkennbar sind.“ Ein weiteres Luftbild von 1953 zeigt einen Gasballon überm Westen. „Fahrten ab dem Cannstatter Wasen gibt’s heute noch von der Ballonsportgruppe Stuttgart“, merkt Anke Da Silva an, „nur ganz so tief dürfen wir nicht mehr über die Stadt fahren.“ Aber ­dafür dürfen wir bald näher ran an den See.

Diskutieren Sie mit unter www.facebook.com/Album.Stuttgart. Schicken Sie historische Fotos an info@stuttgart-album.de. Im Silberburg-Verlag sind zwei Bildbände vom Stuttgart-Album mit ­vielen Leserfotos erschienen

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