Stuttgart 21 Wahre Kosten verschwiegen?

Von Konstantin Schwarz 

Die Bauarbeiten für den neuen Durchgangsbahnhof gehen weiter Foto: dpa
Die Bauarbeiten für den neuen Durchgangsbahnhof gehen weiterFoto: dpa

Das Bahnprojekt Stuttgart 21 mit der neuen Durchgangsstation und 60 Kilometer Tunneln ist im Bau. Gegner und Kritiker lassen aber nicht locker. Am Montag präsentierten sie eine eigene Kostenschätzung. Sie endet bei 14,5 Milliarden Euro – weit entfernt von jenen 6,5 Milliarden, die Bahnchef Rüdiger Grube im März 2013 einräumte.

Stuttgart - Der Architekt Roland Ostertag, der Projektmanager und Tiefbauingenieur Peter Kappes, der am Montag „als Privatmann“ auftrat, weil er den Tiefbahnhof nicht ablehnt, und der Kabarettist und Autor Peter Grohmann werfen Grube und dem für die Bahn-Infrastruktur verantwortlichen Vorstand Volker Kefer vor, der Öffentlichkeit bis heute die wahren Kosten zu verschweigen.

„Die Bahn soll die Hosen runterlassen und dem Steuerzahler und den Stuttgarter Bürgern sagen, was Stuttgart 21 kostet. Ein Rückgängigmachen gibt es nicht mehr“, sagt Kappes. Den Punkt Rückgängigmachen sehen Ostertag und Grohmann anders, in der Einschätzung, dass die 6,5 Milliarden nicht ausreichen, stimmen sei mit Kappes überein.

Alle drei haben folgende Rechnung aufgemacht: Die Kosten von Stuttgart 21 lagen aus Sicht der Kritiker 2008 bereits bei 7,5 Milliarden Euro. Um die politische Zustimmung zu erhalten seien sie auf 4,5 reduziert worden. Rechnet man die 7,5 Milliarden Euro mit einer Preissteigerung von 3,5 Prozent pro Jahr weiter und addiert einen Risikozuschlag von 1,5 Milliarden Euro landet man bei 9,8 Milliarden – wenn alles 2022 fertig ist.

Dazu fehlt den Kritikern allerdings jedes Vertrauen. Kefer habe eine spätere Fertigstellung schon angedeutet. „Es dauert bis 2025, vielleicht länger“, sagt Ostertag. Preissteigerung und Risikozuschlag würden den Preis dann auf 12,6 Milliarden Euro treiben. Er registriere in den letzten Jahren Kostensteigerungen für Gebäudetechnik „von 30 Prozent“, sagt Kappes. Die 3,5 Prozent Aufschlag pro Jahr seien da eher „die untere Grenze“, so Ostertag.

Zu den reinen Baukosten addieren die Kritiker Themen, die zu S 21 gehörten und von allen Baupartnern bezahlen müssten. Zum Beispiel den Busbahnhofs am Flughafen, die neue Neckar-Realschule, neue oder umgestaltete Plätze, die Beseitigung der Altlasten und den Ausgleich von „Kollateralschäden“. Am Ende lande man bei 14,5 Milliarden. „Uns würden die heute bekannten Kosten interessieren“, so Kappes. Die Bahn bleibt bei 6,5 Milliarden. 48 Prozent aller Bauarbeiten seien vergeben, informierte sie am 20. April im S-21-Lenkungskreis.

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