Stuttgart 21 Ulm fürchtet Ende der ICE-Strecke

Konstantin Schwarz, 07.02.2013 13:00 Uhr
Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner appelliert an das Land, die Trasse bei einem Scheitern von Stuttgart 21 zu retten.

Stuttgart - Der Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner (SPD) warnt die Landesregierung davor, nach einem möglichen Scheitern des Projekts Stuttgart 21 auch von der Schnellbahnstrecke von Wendlingen nach Ulm abzurücken. Das Land beteiligt sich an dieser 60 Kilometer langen Strecke mit einem Festbetrag von 950 Millionen Euro.

Anders als Stuttgart 21 steht die Strecke im Bundesverkehrswegeplan. Daher werden alle weiteren Kosten – zurzeit werden für den Bau rund 3,3 Milliarden Euro angesetzt – vom Bund getragen. Er soll von 2016 an, wenn die Landesmittel aufgebraucht wären, die Finanzierung weiterführen. Dies wurde im Finanzierungsvertrag vereinbart.

Claus Schmiedel, SPD-Fraktionschef im Landtag, hatte am Dienstag gesagt, dass mit einem Scheitern von Stuttgart 21 die Geschäftsgrundlage für den Streckenbau entfallen werde. In Verknüpfung mit der alten Gleisinfrastruktur im Neckartal bringe die Neubaustrecke zudem laut Aussagen des S-21-Kommunikationsbüros keine Fahrzeitverkürzung mehr, so Schmiedel.

Dem Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG liegt allerdings eine gegenteilige Aussage vor. Die Kontrolleure wollten vom Bahn-Vorstand wissen, welche Auswirkungen die Beendigung von Stuttgart 21 auf die Strecke habe. Dem Kontrollgremium wurde mitgeteilt, dass sich mit dem Streckenbau, aber ohne Stuttgart 21, für die Verbindung Stuttgart–Ulm noch ein Fahrzeitgewinn von rund 20 statt rund 30 Minuten ergeben werde. Die Neubaustrecke würde dabei in Wendlingen über eine in den Plänen bereits vorgesehene Verbindungskurve an die aus Richtung Tübingen kommenden Gleise angebunden. Die Züge würden also ab Wendlingen über das Neckartal den Stuttgarter Hauptbahnhof erreichen. Eine direkte Verbindung zum Flughafen würde sich mit dieser Variante für die Ulmer nicht mehr ergeben. Das Stück von Wendlingen zum Flughafen ist ein Teil von Stuttgart 21.

„Ich bin mich sicher, dass nach Stuttgart–Wendlingen dann auch Wendlingen–Ulm fällt“

Trotz dieser positiven Wirkung auf die Fahrzeit erwartet Gönner nach einem möglichen Ende von Stuttgart 21 eine neue Debatte über den Streckenbau. „Ich bin mich sicher, dass nach Stuttgart–Wendlingen dann auch Wendlingen–Ulm fällt“, so der Stadtchef. Er appelliert daher an die Landesregierung, bei den Verhandlungen über Stuttgart 21 diese mögliche Auswirkung zu bedenken. Die Neubaustrecke sichere dem Osten des Landes über Ulm den Anschluss an eine moderne Eisenbahn-Infrastruktur und das Schnellfahrnetz. Im Fall des Falles müsse man deshalb „alles dafür tun, um die Strecke Wendlingen–Ulm zu retten“. Einen eigenen finanziellen Einsatz werde die Stadt an der Donau aber nicht leisten. Gönner: Man habe sich bereits für den neuen Bahnhof in Ulm engagiert und für eine S-Bahn, die der Fernbahn noch mehr Fahrgäste liefern werde.

Gönner erinnert daran, das sich das Land bei einem Abbruch des bereits begonnenen Streckenbaus erneut der Konkurrenz einer alternativen West-Ost-Verbindung über Frankfurt, Nürnberg und Passau nach Wien aussetze. Von dieser Magistrale sei zwar noch kein Teil geplant, die Linienführung werde aber von der Europäischen Union als neuer Korridor zwischen Straßburg und der Donau als förderwürdig betrachtet. Bisher fördert die EU die Strecke Wendlingen–Ulm. Deren Notwendigkeit sei bisher, so Gönner, „im Land von keinem bestritten worden“.

 
 
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Kommentare (40)
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Facts Ist schon länger als 1 Jahr her
@DonCarlos. Entschuldigen Sie bitte, aber Fakten sind mehrfach geschaffen. Politisch durch Beschlüsse auf allen Ebenen, juristisch durch Urteile in allen Instanzen, technisch durch Gutachten und Simulationen für alle Bereiche. Dazu wird seit mehreren Jahren gebaut, auch wenn Sie das leugnen werden. Aber Bauen beginnt nicht mit dem Rohbau, sondern mit den Arbeitsvorbereitungsmaßnahmen. Die SIND Baustelle! Und die sind nicht billig. Kurz: weil Fakten geschaffen sind, wird die keiner rückgängig machen wollen. Nicht mal die Grünen - auch wenn sie verbal noch manches Störfeuer los schicken. Aber es zählen auch bei Grünen nur Fakten. Und die unterstützen Stuttgart 21, zwangsläufig.
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Familie aus Remseck Ist schon länger als 1 Jahr her
Stimmt, das Nachbarhaus schräg gegenüber unserer Wohnung wird tatsächlich gebaut. Ansonsten fällt uns momentan nichts ein, was 'gebaut' werden würde.
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S21 Befürworter Ist schon länger als 1 Jahr her
Es wird gebaut !!!
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DonCarlos Ist schon länger als 1 Jahr her
Sie behaupten einfach haltloses Zeug, so wie ihre restlichen Kollegen Dietrich, Ramsauer und Konsorten. Wo sind die Fakten zu Ihren Behauptungen? Nennen sie die Publikation. Dieser Fahrplan wurde von den Kopfbahnhofbefürwortern in der 4. Schlichtungsrunde vorgestellt. Die DB AG hatte viel Zeit auf Mängel einzugehen. Sehen Sie sich die Schlichtung noch einmal an. Die DB AG hat jeden Furz bemängelt aber diese Fahrzeiten konnte sie nicht bemängeln. Die Gesamtlänge des Tunnels sei etwas länger als die bei S21 behaupten Sie? Ja, und? Dafür braucht es aber erhebliche weniger Tunnel insgesamt. Nur welchen Tunnel haben Sie da für den Kopfbahnhof ausgegraben. Der in der Schlichtung vorgestellte kann max. 8,5 km lang sein. Der Fildertunnel für S21 soll 9.468 Meter lang werden. Sie haben wie immer gar nichts in der Hand außer dreiste falsche Behauptungen. _____________________________________________________________________________________ „Für andere mag eine Pufferminute sinnvoll sein, das ändert aber nichts an der grundsätzlichen Fahrbarkeit der 28 Minuten.“ Nur wir vergleichen gerade Fahrpläne und nichts virtuelles. Von Stuttgart nach Ulm hat Stuttgart 21 daher keinen Vorteil gegenüber dem Kopfbahnhof. ______________________________________________________________________________________ „Wenn das Land dort zwei IRE bestellt, muss natürlich nicht parallel ein ICE fahren.“ Die DB AG macht aus ihren ICs willkürlich langsamere Verbindungen, die vom Land bezahlt werden müssen. Super Idee! Hauptsächlich kurze Züge, damit im Stresstest mehr Züge ohne mehr Kapazität ankommen könne. „Und wenn Sie mal zählen, halten in einer Spitzenstunde nach dem von Ihnen verlinkten Plan 18 Züge am Flughafen, 7 davon von/nach Ulm. Das ist ja wohl mehr als genug, warum sollte man parallel noch ICEs fahren lassen?“ Sie haben Sich auch leider verzählt. Es sind weniger Züge. Mannheim oder Karlsruhe sind wohl für den Provinzflughafen uninteressant. Nur wer soll mit so vielen Zügen zum Flughafen wollen? Bisher sind ja noch nicht einmal die 4 S-Bahnen pro Stunde ausgelastet. Selbst in der Spitzenstunde enden die Verstärkerzüge in Vaihingen. ____________________________________________________________________________________ „allein aufgrund der wegfallenden Bummelei durch das Weichenfeld, die Strecke nach Obertürheim und das langwierige Wendemanöver.“ Nur Polemik und keine Fakten. Das „langwierige Wendemanöver“ habe ich in Stuttgart schon in unter 3 Minuten gesehen. _____________________________________________________________________________________ „Was soll das mit der Haltezeit zu tun haben? Das ist doch wohl eher eine Frage der Pünktlichkeit und die ist mit dem Sackbahnhof ziemlich mies.“ Sorry, die Stiftung Warentest teilt Ihre Meinung leider nicht. Die längeren Haltezeiten ermöglichen mehr schnelle Umsteigeverbindungen. Daher ist der Kopfbahnhof für Reisenden auch schneller. _______________________________________________________________________________________ „Selbst bei direktester Trassierung (die einen extrem teuren, 11-12km langen K21-Fildertunnel voraussetzen würde) ist die K21-Anbindung keinen Meter kürzer als die bei S21, dafür erheblich langsamer.“ Die Fahrdynamik ist in der Ebene erheblich besser. Im Fildertunnel gibt es ab dem km 0,75 eine Steigung von 25 Promille. Das frisst so ca. die Hälfte der Beschleunigung eines ICE. Wie stark die einröhrigen Tunnel zusätzlich bremsen lasse ich mal weg. Bis km 0,7 darf nur 100 km/h gefahren werden. Danach 160 km/h. Nur muss hier über längere Strecken gegen Steigungen von 25 Promille beschleunigt werden. ____________________________________________________________________________________ „Die Höhendifferenz bei K21 wäre ähnlich, zwischen der fälligen Neckarunterquerung und der autobahnnahen Trassierung bei Denkendorf beträgt sie ebenfalls mehr als 150m. Ihr 'Argument' ließe sich genauso auf K21 anwenden.“ Ihre Argumente sind ziemlich gequält. Für eine Neckarquerung ist kein Tunnel notwendig. Was stört eine Brücke in einem Industriegebiet in der Nähe einer Mülldeponie? Der Bahnhof Obertürkheim liegt auf 229 m. Die zu unterfahrende A8 an der Raststätte Denkendorf liegt auf 320 Meter Höhe. Sie sind eine Mathegenie wie viele Proler. _____________________________________________________________________________________ „Sind Sie also dafür, diesen energiefressenden 'Schlenker' der Geislinger Steige endlich vom schnellen Verkehr zu entlasten?“ Der größte Energiefresser ist die Geschwindigkeit und der Höhenunterschied. Der Schlenker der Geislinger Steige wäre energetisch optimal, wenn er wie von der Deutschen Bundesbahn einst geplant voll für schwere Güterzüge ohne Nachschieben nutzbar wäre. 45 Minuten Fahrzeit nach Ulm wären für den Deutschlandtakt auch ausreichend. _____________________________________________________________________________________ „Das trifft für K21 ebenso zu, und zwar noch in stärkerem Maße, weil der tiefste Punkt der Strecke ja deutlich tiefer wäre als bei S21, trotzdem die 750m erklommen werden müssen.“ Ach ja? Kleiner logischer Fehler. Beide Strecken treffen sich ja an der Neckarbrücke in Wendlingen. Für beide wäre die Streckenführung ab hier gleich. Davor muss S21 aber deutlich mehr Höhe überwinden. Die Neubaustrecke ist energetischer Schwachsinn. Egal ob davor S oder K21 kommt.
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Gerhard Hellriegel Ist schon länger als 1 Jahr her
1. Zitat: 'Der Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner (SPD) warnt die Landesregierung davor, nach einem möglichen Scheitern des Projekts Stuttgart 21 auch von der Schnellbahnstrecke von Wendlingen nach Ulm abzurücken.' --- 2. Zitat: „Ich bin mich sicher, dass nach Stuttgart–Wendlingen dann auch Wendlingen–Ulm fällt“. --- Entweder ist man sich sicher - dann ist eine Warnung sinnlos. Oder man warnt, dann sieht man eine Möglichkeit, das eine ohne das andere zu realisieren. --- Sie begründen nun das zweite Zitat. Meine Kritik bezog sich aber auf das erste.
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