Stuttgart 21 Tiefbahnhof hat zwei Jahre Verspätung

Von Konstantin Schwarz 

 Foto: PPFotodesign.com
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Nach der Vergabe von Bauarbeiten im März soll sich klären, was noch aufgeholt werden kann.

Stuttgart - Ihre Baumfällarbeiten im Schlossgarten konnte die Bahn Ende Februar zwei Tage vor dem geplanten Termin abschließen. „Für das Projektmanagement ist es immer sehr gut, wenn man früher dran ist“, sagte Projektleiter Stefan Penn am Montag vor der Presse. Die zwei Tage werden den Stuttgart-21-Zeitplan allerdings nicht retten können.

Den 45-jährigen Penn drücken erhebliche Terminprobleme. Der Bauzeitplan der Bahn von Ende 2007 sah den Rohbaustart Mitte 2010, die Inbetriebnahme Ende 2019 vor. Im Zeitplan von Januar 2011 war der Spatenstich für die Station auf Ende 2011 terminiert. Die Züge sollten immer noch Ende 2019 verkehren. Damit der Plan noch stimmte, hatte die Bahn die Bauzeit einfach um ein Jahr gekürzt – ohne zu sagen, wie das bewerkstelligt werden soll.

Realistisch ist, dass Stuttgart 21 Ende 2021 fertig wird

Nun soll der Tiefbau für die acht Durchgangsgleise Anfang 2013 starten. Und offiziell sollen sie noch immer Ende 2019 ans Netz gehen. Um das zu erreichen müsste Penns Mannschaft gleich zwei Jahre einsparen. Das ist illusorisch. Realistisch ist, dass Stuttgart 21 Ende 2021 fertig wird.

Intern hofft die Bahn inständig, alle Arbeiten für ihre neue Infrastruktur zwischen Feuerbach, Obertürkheim und Wendlingen ein Jahr schneller zu schaffen. Dazu gebe es „unterschiedliche technische Möglichkeiten“, sagt eine Projektsprecherin. Zum Beispiel könnte ein neuer Abwasserkanal (Nesenbachdüker) gekürzt werden. Ob neue Bauverfahren wie das Vereisen von Erdreich gegen den Wasserdruck zum Einsatz kommen ist unklar. Erkenntnisse sollen die für März vorgesehenen Vergaben liefern. „Noch sind die Firmen nicht an Bord“, sagt Penn. Im März will der Bauingenieur den Rohbau für den Tiefbahnhof und die Tunnel nach Feuerbach und Bad Cannstatt in Auftrag geben. „Das sind Arbeiten für rund eine Milliarde Euro“, so Penn.

Zusammen mit den im Juli 2011 in Auftrag gegebenen Tunneln zum Flughafen und nach Unter-/Obertürkheim wären damit 50 Prozent der Gesamtbausumme von bisher 4,1 Milliarden Euro und 90 Prozent der Tunnelbauten vergeben, sagt S-21-Sprecher Wolfgang Dietrich. Ob es zu Mehrkosten kommt wird am 23. März der Stuttgart-21-Lenkungskreis mit Vertreten von Land und Stadt erfahren. Grünen-Verkehrsminister Winfried Hermann fordert seit Monaten Zahlen und einen Bauzeitplan. Der Lenkungskreis könnte auch darüber entscheiden, ob die frühere Bahndirektion an der Heilbronner Straße doch abgerissen werden soll. Das könnte 20 bis 30 Millionen Euro sparen. Stadtverwaltung und Gemeinderat hatten vor Jahren den Erhalt des prägnanten Hauses durchgesetzt Da Beschlüsse im Lenkungskreis einstimmig sein müssen, ist der Abriss wegen der städtischen Stimme sehr unwahrscheinlich.

Grundwasser-Management ist der Knackpunkt

Damit der Tiefbau bei Stuttgart 21 Anfang 2013 starten kann, wird es laut Penn rund um den alten Bonatzbau viele vorbereitende Schritte geben. Baustraßen müssen angelegt, Logistikflächen befestigt, der Zugang zu den Bahnsteigen verschoben, vom Wagenburgtunnel über die B 14 ein Förderband für das Gestein aus dem Fildertunnel gespannt werden. Diese vorbereitenden Arbeiten würden rund acht Monate dauern, sagte Projektsprecher Wolfgang Dietrich.

Ein Knackpunkt der gesamten Stuttgart-21-Planung ist das Grundwasser-Management. Wasser muss aus unter dem Grundwasserspiegel liegenden den Baugruben gepumpt, gereinigt und zum Großteil wieder ins Erdreich zurückgepumpt werden. Nur so kann die Bahn im Trockenen Bauen. Die Bahn will die abzupumpende Wassermenge verdoppeln und – das ist neu, auch die Spitzenleistung erhöhen, sagte Penn am Montag. Die daraus entstehenden Mehrkosten seien noch unbekannt. Noch etwas gedulden müssen sich auch jene Stuttgarter, unter deren Grundstück die Bahntunnel verlaufen werden. Ein Gutachten, mit dem die Höhe finanzieller Entschädigungen geklärt werden soll, sei Mitte April fertig, sagt Dietrich. Im Mai wolle man alle Bürger bei einer Veranstaltung im Rathaus darüber informieren.

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Wie sicher ist der Tunnelbau im komplexen Stuttgarter Untergrund? Viele Kritiker fürchten Probleme. Doch die zuständigen Geologen sehen keine unkalkulierbare Gefahr. Sie überwachen die Baustellen rund um die Uhr.