Stuttgart 21 Schlichtung Für Heiner Geißler gelten neue Regeln

Von Konstantin Schwarz  

Bahn, Land und Projektgegner wollen Pro und Contra im nächsten Schlichtungsgespräch.

Stuttgart - Am Freitag dieser Woche treffen die Bauherren und Gegner des Projekts Stuttgart 21 erneut aufeinander. Sie wollen endgültig klären, was beim ersten Schlichtungstermin vergangenen Freitag offenblieb: Wie leistungsfähig ist der neue achtgleisige Durchgangsbahnhof in Tieflage? Kann die 4,1 Milliarden Euro teure neue Bahn-Infrastruktur 30 Prozent mehr Züge aufnehmen als der alte Kopfbahnhof? Am Nachmittag wird es um die Neubaustrecke von Wendlingen nach Ulm gehen.

Nach sechsstündigem, großteils im Fernsehen übertragenem Schlagabtausch diente das Wochenende beiden Seiten zur Manöverkritik. Als "nicht optimal gelaufen" beschreiben Bahn und Land ihren Auftritt. Der dauernde Hinweis des 80-jährigen Vermittlers Heiner Geißler, die Experten sollten "allgemein verständlich sprechen", sei "etwas schwierig umzusetzen, wenn einem das Wort abgeschnitten wird", lautet die Beschwerde gegenüber Geißler.

Fragen sollen unmittelbar beantwortet werden

Auch die Gegner wollen eine Änderung. "Herr Geißler wird mehr auf Pro und Contra achten. Die Experten werden künftig nicht mehr von ihm, sondern von der jeweiligen Seite aufgerufen", sagt der Grünen-Landtagsabgeordnete Werner Wölfle. So sollen Fragen unmittelbar beantwortet werden, sollen die Zuschauer den jeweiligen Argumenten besser folgen können.

Die Bahn wie auch das Aktionsbündnis der Gegner sind bis Freitag nicht untätig. Trotz des Aufrufs von Geißler, die Schlichtung als Friedenspflicht zu verstehen, werden Experten in öffentliche Veranstaltungen geschickt. So referierte am Montagabend Professor Ullrich Martin vom Stuttgarter Institut für Eisenbahn-Verkehrswesen über Stuttgart 21. Er verteidigte seine Berechnungen zur Leistungsfähigkeit des Tiefbahnhofs. Sie sei 2005 nach Bahn-Vorgaben noch ohne konkreten Fahrplan, aber mit Mindesthaltezeiten, zum Beispiel eine Minute für den Regionalexpress, erfolgt. „Ich habe nur einen Auftrag erfüllt“, so Martin. Nach seiner Rechnung ist Stuttgart 21 um ein Drittel leistungsfähiger als der Kopfbahnhof.

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