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Stuttgart 21 S-21-Gegner stürmen Baustelle

Jürgen Lessat, vom 20.06.2011 19:42 Uhr
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 Foto: Fotoagentur-Stuttgart
Foto: Fotoagentur-Stuttgart

Stuttgart - Im Anschluss an die so genannte Montagsdemonstration gegen Stuttgart 21 sind am gestrigen Abend mehrere Hundert Gegner des Bahnprojekts gewaltsam in das abgesperrte Baugelände des Grundwassermanagements eingedrungen. Neun Polizisten wurden beim Einsatz verletzt. 

 

Die Gruppe der Architekten für einen modernisierten Kopfbahnhof hatte im Anschluss an die so genannte Montagsdemonstration gegen Stuttgart 21 zu einem Protestzug zum Südflügel des Hauptbahnhofs aufgerufen. In dem Flügelkomplex wollte die Bahn nach eigenen Aussagen mit Entrümpelungsarbeiten die Bauarbeiten für Stuttgart 21 seit dem gestrigen Montag fortführen. Die meisten der laut Polizei rund 3000 Kundgebungsteilnehmer, das veranstaltende Aktionsbüro sprach von 7500 Zuhörern, folgte diesem Aufruf.

Randale statt Rede über Denkmalpflege

Doch statt der angekündigten Rede eines pensionierten Denkmalpflegers gab es unerwartet Randale. Einige Demonstranten traten den Bauzaun vor dem gegenüberliegenden Areal des Grundwassermanagements auf einer Länge von gut 100 Metern nieder. In wenigen Minuten stürmten mehrere hundert Menschen auf das Gelände. Aktivisten der sogenannten Jugendinitiative gegen Stuttgart 21 enterten über Bauleitern mehrere der haushohen Wassertanks und das Dach des Pumpenhauses. Dann entrollten sie Transparente gegen das Bahnprojekt, während die Menge am Boden lautstark einen endgültigen Baustopp des Tiefbahnhofprojekts skandierte. Einzelne Demonstranten warfen Baumaterialien über den Zaun in den Schlossgarten, an Baufahrzeugen wurde die Luft aus den Reifen gelassen.

Polizei völlig überrascht

Die Polizei, die seit dem Morgen wegen der Baustellenblockade mehrerer Dutzend Stuttgart-21-Gegner der mit mehreren Hundertschaften vor Ort war, wurde von der Besetzung völlig überrascht. Nach Angaben eines Polizeisprechers wurde ein Zivilbeamter enttarnt und von Demonstranten durch Fausthiebe und Tritte schwer am Kopf verletzt. Während der Explosion eines Knallkörpers erlitten acht Polizisten ein Knalltrauma. Mit Schutzhelm und Schlagstöcken ausgerüsteten Beamte beschränkten sich bis in den späten Abend hinein darauf, das Pumpenhaus zu sichern. Gegen 22.30 Uhr gaben die elf Aktivisten auf dem Pumpenhaus nach Aufforderung durch die Polizei auf und ließen sich in Gewahrsam nehmen.

"Wir haben nicht zu der Aktion aufgerufen und hoffen, dass Besetzer und Polizei sich weiter zurückhaltend verhalten", betonte Jochen Stopper als Sprecher des Aktionsbündnisses. Zuvor hatte auf der Kundgebung Gerhard Pfeifer vom Bund für Umwelt vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (Bund) betont, dass sich das Aktionsbündnis unter den derzeitigen Bedingungen nicht an der für den 14. Juli angekündigten öffentlichen Erörterung des Stresstestsergebnisses zum geplanten Tiefbahnhof beteiligen werde. Zur Teilnahme bedürfe es einer transparenten und frühen Offenlegung aller Daten.

Schon Montagfrüh Blockaden

Bereits Montagfrüh gegen 6 Uhr hatten sich rund 150 Männer und Frauen vor der Zufahrt zur Grundwasseraufbereitungsanlage beim alten Omnibusbahnhof versammelt. Sieben Männer und eine Frau setzen sich vor die Zufahrt auf die Straße. Nach mehrmaliger Aufforderung der Polizei, die Zufahrt freizugeben, gehen sechs Blockierer zu Fuß weg, nur einer wird getragen. Nach drei Minuten ist die Straße geräumt.

Als sich die Kolonne der Baufahrzeuge in Bewegung setzt, hocken sich ein paar junge Leute spontan auf die Straße. Es gibt kleinere Rangeleien mit den Beamten. Um 8.30 Uhr fährt die Kolonne auf die Baustelle ein. Als gegen Mittag auf der Cannstatter Straße die ersten beiden Stützen für das 17 Kilometer lange Rohrleitungsnetz aufgebaut werden, bleiben die Arbeiter ungestört.

"Dass heute nicht so viele Demonstranten da sind, sagt nichts über unseren Erfolg oder Misserfolg aus", betont SÖS-Stadtrat Hannes Rockenbauch mit Blick auf die spärliche Blockade am Vormittag. Manche Bürger machten lieber bei kleinere Aktionen mit; andere konzentrierten sich auf die nächste Großdemo am 9.Juli. "Die Menschen spüren jetzt wieder, dass es auch auf ihren persönlichen Widerstand ankommt", sagt Rockenbauch, der auch Sprecher für das Aktionsbündnis gegen Stuttgart21 ist. "Wenn die Bahn Bäume fällt oder den Südflügel abbricht, werden Tausende Menschen auf die Straße gehen", kündigt er an.

Im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" hat Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall (SPD) erklärt, dass es "Aufgabe des Staates" sei, das Baurecht der Bahn auch gegen Widerstand der Demonstranten "selbstverständlich zu ermöglichen". Recht müsse zu Recht verholfen werden. "Wir sind jetzt in der Regierung und tragen diese Verantwortung", so Gall.

 

 

Kommentare (200)
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JUN
24
03:47 Uhr, geschrieben von M.
Keine verletzten Polizisten - wo ist der Nachweis?
Hallo ich war dabei und habe KEINE brutalen Demonstranten und KEINE verletzten Polizisten gesehen. Auch ich bin neben dem selbstgebauten Kracher gestanden und ich habe kein Knalltrauma. Aber vielleicht sind Polizistenohren ja empfindlicher als die von bösen Hausfrauen Demonstranten. Das sich die Situation jetzt langsam zuspitzt ist auch Verdienst der neuen Landesregierung. Seit wir die gewählt haben, haben die anscheinend Kreide gefressen. Alle Argumente sind auf der Seite der S21 Gegner und trotzdem bekommen wir kein Recht. Kein Wunder, daß die Menschen langsam die Geduld verlieren. Die ganze Geschicht geht schon viel zu lange .
JUN
24
03:45 Uhr, geschrieben von Gerd
Logische Konsequenz
ist schon bemerkenswert, dass einige hier noch den Regierungswechsel nicht verkraftet haben. Die Besetzung des GWM ist die natürliche Reaktion auf das Missmanagement und die Lügen der Bahn.
JUN
24
03:42 Uhr, geschrieben von Zacherl
Gegendruck
Druck erzeugt Gegendruck, Herr Grube, schon mal drüber nachgedacht? Wir haben genug von der Bahnokratur und ihren Helfershelfern in Stuttgart. Und zur Mär der knalltraumatisierten Polizisten folgendes: http://www.youtube.com/watch?v=19K-jOr9fJg#at=40s (ab ca. Sekunde 39) Wenn man das sieht sollte man ja erwarten, dass es auch etliche Demonstranten mit Knalltrauma geben würde, dem ist aber offensichtlich nicht so.
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