Artikel weiterempfehlen Artikel drucken Artikel kommentieren

Stuttgart-21-Protest Gegner belagern das Rathaus

Josef Schunder und Michael Gerster , vom 23.09.2010 20:10 Uhr
vorherige Bild 1 von 15 nächste
Stuttgart-21-Gegner demonstrieren im Gemeinderat. Klicken Sie sich durch die Bilder aus dem Rathaus.  Foto: Kraufmann
Stuttgart-21-Gegner demonstrieren im Gemeinderat. Klicken Sie sich durch die Bilder aus dem Rathaus. Foto: Kraufmann
Siehe auch

Stuttgart - Mit Pauken und Trompeten, mit Trillern und Protestrufen sind Stuttgarts OB Wolfgang Schuster und die Stadträte am Donnerstag auf die neue Sitzungsperiode nach den Sommerferien eingestimmt worden. Eine stattliche Zahl Stuttgart-21-Gegner demonstrierte auf dem Marktplatz Unmut und forderte einen Baustopp. Die Polizei sprach von rund 1500 Protestierern. Da fünf Stunden später die Teilnehmer des Laufs für Stuttgart21 auf dem Marktplatz erwartet wurden, schien eine Konfrontation zwischen den Lagern nicht ausgeschlossen. Die Polizei hatte sich darauf eingestellt und zeigte Präsenz. Bis zum Abend räumten die Gegner das Feld aber weitgehend für die Befürworter.

Stadtrat Tom Adler (Linke) hatte die angespannte Lage maßgeblich ausgelöst und damit auch im Aktionsbündnis K21 Ärger ausgelöst. Bei der letzten Montagskundgebung habe Adler verkündet, dass im Gemeinderat über einen Antrag der Fraktion SÖS/Linke auf Baustopp abgestimmt werde, ärgerte sich der Grünen-Fraktionsvorsitzende Werner Wölfle am Donnerstag. Adler habe sich "viele Menschen vor und in dem Rathaus" gewünscht. Dieses Vorgehen sei mit niemandem abgestimmt gewesen - und der Hinweis auch noch falsch gewesen.

"Lieb und nett zu den Stuttgart-21-Läufern"

Aus formalen Gründen sei der Antrag nicht auf der Tagesordnung, musste der SÖS/Linke-Fraktionschef Hannes Rockenbauch auf dem Marktplatz erklären - was weitere Pfiffe gegen die Projektbefürworter und "Lügenpack"-Rufe heraufbeschwor. Man solle zwar lärmen und ein Signal an den Gemeinderat geben, dann aber das Feld räumen und "lieb und nett zu den Stuttgart-21-Läufern sein", wenn man sich doch noch begegne, bat Rockenbauch. Und auch sein Grünen-Kollege Wölfle riet dringend von kopflosem Verhalten ab. Später setzten sich die beiden auf der Tribüne im Rathaus bei rund 300 Demonstranten dafür ein, dass nach Protesten, "Schuster raus"-Rufen und einer fünfminütigen Unterbrechung die normale Sitzung beginnen konnte. Zuvor waren im Saal noch die Initiatoren des "Stuttgarter Appells" für ein Moratorium zu Wort gekommen. Darauf hatte sich Wölfle mit OB Schuster verständigt, um die Gemüter zu beruhigen. Als Bernhard Ubbenhorst für den "Stuttgarter Appell" warb, fehlten die Stadträte von CDU und FDP. Besonders bei der CDU sei der Ärger über Schuster groß, hieß es im Rathaus, weil er ohne Rücksprache mit den Fraktionen gehandelt habe.

Mit dem "Stuttgarter Appell" mahnen zwar auch Befürworter des Projekts für eine Denkpause und einen Baustopp, doch für den Geschmack der CDU stimmte die Balance trotzdem nicht. Zusammen mit der FDP, den Freien Wählern und der SPD forderte sie umgehend, dass anlässlich der nächsten Gemeinderatssitzung am 7.Oktober "die Befürworter ein vergleichbares Podium zur Selbstdarstellung bekommen".

Ebenfalls am Donnerstag teilte Innenminister Heribert Rech (CDU) den Landtagsabgeordneten mit, dass im Zusammenhang mit Stuttgart 21 bis zum 10.September 147 Ermittlungsverfahren gegen insgesamt 299 Beschuldigte und 69 unbekannte Täter eingeleitet worden seien. Darunter sind acht Verfahren wegen Körperverletzung und 31 wegen Sachbeschädigungen, erklärte Rech auf eine Anfrage der CDU-Landtagsfraktion. Auch gegen drei Stadträte seien Verfahren wegen Nötigung oder Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz eingeleitet worden. Die Polizeieinsätze hätten bis zum 5.September rund 4,1 Millionen Euro gekostet. Von November 2009 bis Anfang September seien mehr als 92.000 Einsatzstunden angefallen. Außerdem sei am 25. August ein Feuerwehrfahrzeug aktiv behindert worden. Behinderungen von Fahrzeugen des Rettungsdienstes habe es nicht gegeben.

Kommentare (13)
» Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
Anzeigen
SEP
25
10:02 Uhr, geschrieben von Jose
Gegner belagern das Rathaus
Hallo Herr Schunder und Herr Gerster, ein schöner Bericht! Es zeigt wieder einmal, das die k21 Befürworter durch solch Aussagen wie ...schien eine Konfrontation zwischen den Lagern nicht ausgeschlossen.. nur Kriminalisiert werden. Es wurden nun schon über 43 Wochen für das K21 Projekt demonstriert und es sind bisher keine nennenswerten Konflikte entstanden, wie Sie den Lesern weis machen wollen. Warum berichten Sie nicht, dass die S21 Befürworter wie die Nazis im Dritten Reich mit Fackeln durch Stuttgart gelaufen sind. Das sollten Sie berichten. Erbärmlich!
SEP
24
18:27 Uhr, geschrieben von Chris
@Stuttgarter
...würde empfehlen genauer zu lesen. Ich habe von Demonstranten gesprochen und nicht von Gegnern. "Die restlichen 97% sind sicher grösstenteils neutral oder gemässigt dagegen eingestellt". Die Umfragen zweifle ich nicht an, aber es geht darum was bei der Landtagswahl passiert und das sind immerhin noch 6 Monate. Die radikalen und Berufsdemonstranten gehen den "neutralen" Leuten immer mehr auf den Zeiger und genau da liegt euer Problem. Wenn ich mir die Zahlen so anschaue, müssen sogar nur ca. 20% überzeugt werden und nicht die Hälfte. Gem. aktuellen Umfragen wird BW sogar einen "grünen" Ministerpräsidenten bekommen. Glaubt ihr das wirklich? Das wird genauso wenig passieren, wie S21 gestoppt wird.
SEP
24
16:07 Uhr, geschrieben von Stuttgarter
@ Chris: Zahlen-Fakten
Repräsentative Umfragen in Stadt Stuttgart und Land BW: ******* Bürgerumfrage Stadt Stuttgart 2009: 49% gegen S21, 30 % für S21. ******* SWR 06/2009: 54 % gegen S21, 38 % für S21. ******* Emnid 2009: 58 % gegen S21, 38 % für S21. ******* MM Research 08/2010 (annähernd repräsentativ) in Stuttgart und der Region: 55% gegen S21, 28 % für S21. ******* Forsa 09/2010: 67 % in Stgt. gegen S21, 30 % für S21. ******* 51 % in BW gegen S21, 26 % für S21. ******* Infratest dimap 09/2010: 54 % in BW gegen S21, 35 % für S21. ******* Noch Fragen?
Kommentar-Seite
vorherige
1  von  5
nächste


Stadt mahnt bei der Bahn mehr Informationen an
Bilder [Kommentare 4] Bei einem Vortrag vor Stadträten standen Bahn-Verantwortliche Rede und Antwort.
Erler: „Wir müssen mehr Leute fragen“
[Kommentare 8] Staatsrätin Gisela Erler gibt den Filder-Dialog zu Stuttgart 21 trotz geringer Resonanz nicht auf.

 

Anzeigen

 

Anzeige
Nachrichtenticker
01:40   Trittin fordert Einstieg in Euro-Bonds - Drohung mit Fiskalpakt-Veto
01:40   EU-Gipfel sichert Griechenland weitere Hilfe zu
01:24   Hewlett-Packard setzt 27 000 Mitarbeiter vor die Tür
00:52   Merkel berät mit Oppositions-Spitzen über Fiskalpakt
00:45   Wieder Nachbeben in Italien
1   2   3   4   5   6   7   weiter
» aktualisieren
Video
Prospekte

Interaktiv
  • Umfrage
Facebook IPO

Das Soziale Netzwerk Facebook startete mit 38 Dollar pro Aktie - und legte einen der schlechtesten Börsengänge der vergangenen Jahre hin.  Wie reagieren Sie darauf?

 
Mit Schadenfreude! Ist doch gut, wenn der Facebook-Hype abschwächt
Mit Verwunderung. Ich hätte nicht gedacht, dass die Aktie so abstürzt
Mit Verärgerung! Wie kann das sein? Facebook ist doch ein tolles Unternehmen
 
(Ergebnis anzeigen)
 
  • Facebook
  • Foren
  • Twitter
 
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
ePaper
 
Für Abonnenten
Für Kaufinteressenten
» Abonnement
» StN Digital
» Einzelexemplar
» Infos
» Preise