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Stuttgart 21 Merkel bangt um Südwest-Bastion

Norbert Wallet, vom 06.10.2010 18:29 Uhr
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Berlin - Die Bundeskanzlerin spricht von einem "Herbst der Entscheidungen" und legt sich bei Stuttgart 21 klar fest. Das Bahnprojekt muss sein - und die Landtagswahl im März soll zu einer Volksabstimmung darüber werden.

Neulich im Bundestag: Lange plätschert auch diese Rede der Kanzlerin vor sich hin. Angela Merkel spricht nüchtern und routiniert. Es geht um den Haushalt. Wacker arbeitet sie sich an den aktuellen Themen ab: Hartz-IV-Reform, Gesundheitspolitik, Umbau der Bundeswehr. Gelegentlich klatschen die Abgeordneten der Koalition Beifall. Eher pflichtschuldig.

Landtagswahl als Schicksalswahl für Merkel

Dann aber kommt Leben in die Reihen der Parlamentarier. Weil Leben in die Rede der Kanzlerin kommt. Es geht um Stuttgart 21. Schon die Tatsache, dass Merkel das Thema überhaupt anschneidet, ist bemerkenswert. Es hat mit der Lage des Bundesetats nicht viel zu tun. Merkel könnte das Problem übergehen.

Und genau das tut sie nicht. Sie attackiert. Die Grünen agierten "verlogen", die SPD eiere herum. "Die SPD war jahrelang für Stuttgart 21. Jetzt, wo man ein bisschen dafür kämpfen muss, fangen Sie an, dagegen zu sein. Diese Art von Standhaftigkeit ist genau das, was Deutschland nicht nach vorne bringt." Großer Beifall im Regierungslager. Alle Entscheidungen seien rechtmäßig getroffen, also brauche man keine Volksabstimmung. Merkel wörtlich: "Die Landtagswahl im nächsten Jahr, die wird genau die Befragung der Bürger über die Zukunft Baden-Württembergs, über Stuttgart 21 und viele andere Projekte sein."

Donnerwetter. So hat man Angela Merkel selten erlebt. Es ist absolut nicht ihre Art, sich bei heiklen Konflikten so eindeutig festzulegen. So eindeutig übrigens, dass in der Stuttgarter Staatskanzlei der eine oder andere mächtig zusammengezuckt sein dürfte. Die Landtagswahl im März 2011 zur Volksabstimmung über Stuttgart 21 zu machen ist ja gerade das, was die Südwest-CDU unbedingt vermeiden will. Mancher meint deshalb, die Kanzlerin sei im Eifer des rhetorischen Gefechtes ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen. "Die baden-württembergische Wahl kann zur Schicksalswahl von Angela Merkel werden", sagt der Politikwissenschaftler Gerd Langguth.

Kommentare (3)
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OKT
07
19:58 Uhr, geschrieben von Anonymer Benutzer
DDR....Gab es da womöglich auch vernünftige politiker?
Sie soll ruhig bangen. Sie wird noch gerne an die zeit vor zwanzig jahren zurückdenken, als die politiker drübern anscheinend mehr verantworung gezeigt haben, als unser rambomappus. Drüben gab es keine schwerverletzten durch wasserwerfer mit reizgas. Die beiden werden nun schwimmen lernen müssen, denn wenn ihnen das wasser bis zu halse steht, können sie nicht mehr mit den füssen abstimmen, oder?
OKT
07
11:17 Uhr, geschrieben von Reigeschmeckter
Winke, winke, Angie! Winke, winke, Mappus!
Die CDU hat es in Stadt, Land und Bund immer noch nicht kapiert: Die Bürger holen sich jetzt, was ihnen Kohl und bezeichnenderweise Schäuble bei der Wiedervereinigung verwehrt haben: mehr direkte Demokratie. Es idt doch überaus blamabel, daß nach der Wende die DDR ein demokratischeres Gemeinwesen war als die BRD. Entweder, die CDU kapiert ganz schnell, was die Stunde geschlagen hat, oder sie wird mit ihrem bevormundenden Machtverständnis auf die Nase fallen. Und womit? Mit Recht!
OKT
07
10:32 Uhr, geschrieben von schwabenstolz
Die Zukunft Baden-Württembergs
"Die Landtagswahl im nächsten Jahr, die wird genau die Befragung der Bürger über die Zukunft Baden-Württembergs, über Stuttgart 21 und viele andere Projekte sein." Baden-Württemberg braucht keine CDU-Führung, die Gewaltprovokationen als Mittel der Politik ansieht. Baden-Württemberg braucht kein Stuttgart21, dessen "demokratische Legitimation" die CDU-Umweltministerin Tanja Gönner gestern auf den Punkt gebracht hat: Die Wähler auf dem Land merken jetzt erst, dass Stuttgart 21 ja kein Stuttgarter Thema ist, sondern ein landespoiltisches. Die "demokratische Legitimation" im Land gründet folglich auf Wählerstimmen von Bürgern, die von ihren mandatstragenden Wahlkandidaten der CDU über die Bedeutung der Entscheidung - freundlich formuliert - getäuscht wurden. Baden-Württemberg braucht keine Mandatsträger, die ihre Wähler vorsätzlich durch irreführende Informationslagen manipulieren. Baden-Württemberg braucht keine Immobilienprojekte, die nachträglich zu Verkehrsprojekten umdeklariert werden. Baden-Württemberg braucht keine viele andere Projekte, über deren Bedeutsamkeit die CDU nachträgliche Information in Scheindialoge einspeist. Was Baden-Württemberg braucht, ist eine Politik, die von einem aufrichtigen demokratischen Geist getragen ist. Davon hat die CDU leider nicht mehr viel zu bieten. Was Baden-Württemberg braucht, ist die aktive Einbindung der Bürger in Informationen vor Entscheidungen über Projekte und nicht Tricksereien mit dem Verwaltungsverfahrensgesetz, das für den Normalbürger ohnehin schon schwierige juristische und organisatorische Beteiligungshindernisse aufbaut. Und: Baden-Württemberg braucht auch keine Kanzlerin, die eine rückwärtsgewandte und lobbyorientierte Industriepolitik betreibt.


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