Stuttgart 21 Kleiner Baum auf großer Fahrt

Von Julia Vogler 

Weg eines Ahorns aus dem Schlossgarten nach Bad Cannstatt – wir waren mit der Kamera dabei.

Stuttgart - Die Verpflanzungen im Schlossgarten sind in vollem Gang.  Insgesamt 68 Bäume sollen bis zum 29. Februar ihren Standort wechseln.  Doch wie funktioniert das überhaupt?

Auf der Uhr des Bahnhofsturms ist es zehn Minuten vor 14 Uhr, als die Verpflanzungsmaschine sich den Weg durch den Verkehr in der Willy-Brandt-Straße bahnt. Die Straße ist statt mit Zäunen nur mit Absperrbändern gesichert. Etwa 26 Tonnen wiegt die Rundspatenmaschine, die, umringt von Polizei und Arbeitern, in den abgesperrten Bereich neben dem Planetarium einfährt. Sie steuert die Gummimatten an, die über dem schlammigen Gelände liegen. Das Ziel der gewaltigen Maschine ist ein 8 Meter hoher Ahornbaum, der am Hang verwurzelt ist.

Der rund 40 Jahre alte Baum soll nach Bad Cannstatt in die Steinhalde kommen. Das einzige Problem: Der neue Standort ist mit einer Kiesschicht bedeckt. „Der Boden wird in den nächsten Wochen ausgetauscht“, erklärt einer der leitenden Arbeiter. Außerdem befände sich unter dem Schotter die gleiche Erde, die auch im Schlossgarten vorherrsche, so dass der Baum sehr gute Chancen habe zu überleben. „Er bleibt im gleichen Boden und im gleichen Klima. Bessere Voraussetzungen gibt es kaum“, sagt der Arbeiter weiter.

Die feinen Wurzeln sind wichtig

Während die Rundspatenmaschine zurücksetzt, laufen Arbeiter über den Hang und warten auf ihren Einsatz. Als die fünf Spaten der Verpflanzungsmaschine sich wie eine Hand um den Stamm des fast drei Tonnen schweren Baumes schließen, beginnen sie konzentriert die Grabwerkzeuge auszurichten. Während sich die Spaten in den aufgeweichten Boden bohren, bilden sich Trauben von Neugierigen , die mit gezückten Kameras oder Handys das Schauspiel festhalten. Das allgemeine Interesse gilt nicht nur den Pflanzen, sondern auch den Menschen: „Viele Arbeiter wurden angegriffen, weil sie an dem Projekt beteiligt sind“, sagt eine Sprecherin der Bahn. Um sie zu schützen, sollen ihre Namen in der Zeitung nicht genannt werden.

Die Grabwerkzeuge kappen einen Teil der Wurzeln ab und schließen sich unter dem Baum zu einer Art Schale zusammen. „Das Abstechen mit den Spaten ist für die Bäume viel schonender, als wenn man sie mit dem Bagger herausreißen würde“, sagt einer der führenden Mitarbeiter der Verpflanzungsfirma. Denn die Spaten seien innen glatt und durchtrennten die Wurzeln somit sauber. „Wichtig ist, dass möglichst viele Feinwurzeln erhalten bleiben“, fügt er hinzu. Denn die seien wichtig für das Wachstum und die Gesundheit des Baumes. Die dickeren Wurzeln gäben der Pflanze lediglich Halt, während die feinen Wurzeln sie mit Wasser und Nährstoffen versorgten. „Durch das regelmäßige Abstechen der Wurzeln in den Baumschulen erzieht man den Baum quasi dazu, ein kompaktes Wurzelwerk zu bilden“, sagt der Leiter der Verpflanzungen.

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