Stuttgart 21 Hauptbahnhof wird zeitweise gesperrt

Von Konstantin Schwarz 

So soll der Bonatzbau künftig aussehen. Foto: Ingenhoven Architects/ Bahn AG
So soll der Bonatzbau künftig aussehen.Foto: Ingenhoven Architects/ Bahn AG

Zugreisenden stehen von 2018 an in Stuttgart weitere Umwege bevor. Die Bahn wird dann den Umbau und die Erweiterung des Bonatzgebäudes beginnen. Dazu wird der alte Bahnhofsbau zeitweise gesperrt.

Stuttgart - Neben der Grube für den Stuttgart-21-Tiefbahnhof werden sich im alten Hauptbahnhof sowie davor und daneben bis in zweieinhalb Jahren weitere Baustellen auftun. Die Bahn will im Empfangsgebäude nicht nur die Kopfbahnsteighalle zur Anbindung an den Tiefbahnhof umbauen, sondern durch eine Aufstockung Platz für ein Hotel mit 147 Zimmern und Kongressräume schaffen. Die Stadt plant die Verkehrsberuhigung der Schillerstraße. Vor dem Bonatzbau sollen nur noch Busse und Taxen fahren.

Die Pläne der Bahn stellte am Dienstag im Technikausschuss des Gemeinderats nicht der Bauherr, die Station und Service AG des Verkehrskonzerns, sondern die Leiterin der Planungsabteilung Stadtmitte vor. Es gehe auch um das Bahnhofsumfeld, begründete Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) den Einsatz von Carolin zur Brügge.

Der durch die Abrisse der Flügelbauten gefledderte Bonatzbau soll komplett umgemodelt werden. Zwischen kleiner Schalterhalle und Haupteingang werden nur die Außenwände stehen bleiben. Drinnen werden Reisendenversorgung, Gastronomie und Einzelhandel neu geordnet, im Erdgeschoss der Hotelempfang platziert, im zweiten Stock soll es einen Konferenzbereich, auf zwei weiteren Ebenen darüber Zimmer geben. Der dazu nötige Aufbau wird über das heutige Dach ragen, soll aber an der Schillerstraße soweit zurückgesetzt werden, dass er den Gesamteindruck des Monumentalbaus nicht stört.

Der Eingriff in den Bonatzbau soll an der Fassade sichtbar bleiben

Auf der Seite zum neuen Straßburger Platz hin, dem Dach des Tiefbahnhofs, sollen die Ausgänge mit Glas geschlossen und die Wände mit glatten Muschelkalksteinen verkleidet werden. Für die früheren Verbindungsstellen zu den Flügelbauten sieht der Architekt Christoph Ingenhoven bewusst nur eine Putzfassade vor, um den Eingriff sichtbar zu belassen. Auf der Nordseite ist eine Abfahrt in ein neues unterirdisches Versorgungsgeschoss neben dem Bonatzbau geplant. Der 100 Millionen Euro teure Eingriff muss vom Denkmalschutzamt abgesegnet werden.

Man erhalte „sehr attraktive städtebauliche Mosaiksteine um den Bahnhof herum“, bewertete CDU-Fraktionschef Alexander Kotz die Pläne. Der Eingriff in die Schillerstraße sei nur möglich, wenn der City-Ring verlegte werde. Mit den Planungen müsse man bald beginnen, forderte Kotz.

Jochen Stopper von den Grünen sprach von einem „Torso“, aber der sei ansprechend, die Bahn investiere. Wichtig sei, den Verkehr aus der Schillerstraße zu bringen, so dass in Verlängerung der Königstraße ein großer Vorplatz entstehe. Zustimmung kam auch von der SPD und den Freien Wählern. AfD-Stadtrat Eberhard Brett gingen die Vorstellungen für die Schillerstraße aber zu weit. „Da können wir ja gleich eine Pferdekutschenstation aufmachen“, plädierte er dafür, den Autoverkehr vor dem alten Bahnhofsgebäude zu belassen. Jürgen Zeeb von den Freien Wählern riet, sich die geplante Lastwagenzufahrt an der Heilbronner Straße für die Anlieferung im Untergeschoss genau anzusehen. Die Schräge „könnte hässlich sein“, warnte er.

Für SÖS/Linke-plus haben die Pläne der Bahn einen entscheidenden Fehler: „Wir gehen davon aus, dass man den Kopfbahnhof noch braucht, weil die Kapazität von Stuttgart 21 zu gering sein wird“, sagte Gangolf Stocker. Also müsse man die alten Gleise „in Reserve halten und in die Planung einbinden“. Der Bahn, so Stocker, gehe es mit ihren Plänen „um die Funktionalisierung eines ehemals funktionierenden Kopfbahnhofes und um Verhübschung“.

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