Stuttgart 21 Frischzellenkur für den Bonatz-Bau

Von Konstantin Schwarz 

Die Zugänge von der früheren Kopfbahnsteighalle zum Straßburger Platz will die Bahn aufwerten. Foto: Aldinger und Wolf
Die Zugänge von der früheren Kopfbahnsteighalle zum Straßburger Platz will die Bahn aufwerten.Foto: Aldinger und Wolf

Gleichzeitig mit ihrem neuen Tiefbahnhof will die Bahn Ende 2021 einen runderneuerten Bonatz-Bau in Betrieb nehmen. Das Planungsamt der Stadt hat am Dienstag im Technikausschuss des Gemeinderates Stadträten die jüngsten Änderungen präsentiert.

Stuttgart - Von Nord nach Süd, also vom früheren großen Parkplatz am Kiesinger-Platz bis zum Bahnhofsturm will die Bahn AG den 1922 eröffneten Bonatz-Bau umkrempeln. Rund 100 Millionen Euro sollen in das Empfangsgebäude fließen. In dem daran anschließenden Durchgangsbahnhof mit seinen acht Gleisen werden die täglich rund 230 000 Reisende keinerlei Versorgungseinrichtungen finden, denn, dafür ist dort kein Platz. Auf den Bahnsteigen soll es außer den Treppenläufen und Aufzügen keine Aufbauten geben.

Die Hauptzugänge zum Tiefbahnhof werden im Bonatz-Bau ein Stockwerk tiefer liegen als die heutige Verteilerebene der Kopfbahnsteighalle. Allein deshalb ist der Eingriff in den Altbau gewaltig. Die Bahn will den Umbau auch nutzen, um das Gebäude wirtschaftlicher zu machen. In einem Papier an den Bahn-Vorstand unter Vorsitz von Rüdiger Grube ist von „geringer Flächeneffizienz“ und „ungünstigen Zuschnitten“ für die bisher 40 Geschäfte die Rede. Außerdem soll das IC-Hotel, das mit dem Abriss des Nordflügels einige Zimmer verlor, durch einen Dachaufbau von 71 auf 150 Zimmer erweitert werden.

Auf der S-Bahn-Ebene soll es nicht so eng werden

Die Bahn hat den Umbau inzwischen beim Eisenbahn-Bundesamt beantragt. Carolin zur Brügge, die Leiterin der Abteilung Mitte im Stadtplanungsamt, stellte die Änderungen am Dienstag im Technikausschuss des Gemeinderates vor. Eine deutliche Veränderung gibt es bei der Verbindung zwischen der neuen Verteilerebene ein Stockwerk unter der Kopfbahnsteighalle und der S-Bahn. Bisher waren Treppenläufe, zwei Rolltreppen und eine Aufzug geplant. Das würde auf dem S-Bahnsteig zu erheblicher Enge führen. Auf einer Länge von 16,13 Meter wäre nur 2,64 Meter Abstand zwischen Bahnsteigkante und Treppen. Die Bahn hat das verworfen und plant nun mit vier Aufzügen, die zu einer Einengung auf nur noch 6,63 Meter entlang des Bahnsteigs führen. Jeder Aufzug kann 27 Menschen aufnehmen. In einer Vorlage für den Verband Region Stuttgart, der sich als Betreiber der S-Bahn mit den Plänen befassen muss, ist von einer Verbesserung gegenüber den bisherigen Plänen und dem heutigen Bestand die Rede.

Neu ist auch ein Zwischenboden, der im Abstand von 1,34 Meter unter der gesamten Kopfbahnsteighalle eingezogen wird. In ihm sollen alle Ver- und Entsorgungsleitungen verlaufen.

Auf der Nordseite gibt es im Untergrund ein Lagergebäude

 

Nahezu komplett abgebrochen wird die heutige Treppe am Bahnhofs-Mitteleingang, die man von der Klett-Passage aus über Rolltreppen erreicht. Weil die neue Verteilerebene auf dem Niveau der Schillerstraße liegt, gibt es hier einen Durchbruch zum Verteilersteg über den Durchgangsgleisen. Übrig bleiben nur schmale seitliche Treppenläufe zur Kopfbahnsteighalle. Abgebrochen wird auch der bisherige Zugang zur Klett-Passage auf der Nordseite des Bonatz-Baus. Dort entstehen im Untergrund ein Lagergebäude samt Zufahrt und ein schmalerer Treppenlauf zur Passage.

Deutlich aufgemöbelt werden sollen die bisherigen Ausgänge aus der Kopfbahnsteighalle. Es werden Bogenfenster mit ein Meter tiefen Stahlrahmen eingebaut. Von hier aus kann der Straßburger Platz (Bahnhofsdach) erreicht werden. Eine mäandrierende Treppe auf der gesamten Bahnhofslänge entlang des höher gelegenen Platzes bekommt für Rollstuhlfahrer Durchbrüche mit Rampen. Das Dach der Kopfbahnsteigehalle und die Wände zum Straßburger Platz hin erhalten Rauchabzüge.

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