Stuttgart 21 Flughafen-Anschluss verzögert sich um ein Jahr

Von Konstantin Schwarz 

Ronald Pofalla  informiert die Baupartner über den Stand von Stuttgart 21. Foto: dpa
Ronald Pofalla informiert die Baupartner über den Stand von Stuttgart 21. Foto: dpa

Ronald Pofalla informiert am Freitag über den Fortgang der Arbeiten für Stuttgart 21. Er wird vermutlich wenig erfreuliche Nachrichten haben, da es an vielen Stellen hapert. Die Arbeiten werden sich wohl weiter verzögern.

Stuttgart - An diesem Freitag treffen sich Vertreter von Land, Stadt und Region Stuttgart sowie dem Flughafen mit dem Bahn-Vorstand Ronald Pofalla. Er soll über den Fortgang der Arbeiten für das Projekt Stuttgart 21 unterrichten. Der Infrastrukturvorstand, zuvor im Kanzleramt rechte Hand von Angela Merkel (CDU), wird wohl wenig erfreuliche Botschaften mitbringen. Die im Juli 2016 von Pofallas Vorgänger Volker Kefer bekannt gegebenen „extern induzierten Risiken“ – Kefer meinte schlicht Mehrkosten – sind offenbar nach wie vor nicht im Griff, und die Bauarbeiten vor allem für den Anschluss des Flughafens an das neue System mit Tiefbahnhof und Schnellbahnstrecke nach Ulm verzögern sich voraussichtlich um ein weiteres Jahr bis Ende 2023.

Die Bauarbeiten sind ausgebremst

Diese Jahreszahl gilt schon länger für den Hauptbahnhof. Im Talkessel versuchen S-21-Projektgesellschaft und Baufirmen, durch Nachtarbeit und zusammengefügte Bauschritte verlorene Zeit aufzuholen, doch das gelingt ihnen angesichts fehlender Genehmigungen offenbar kaum. Bei einem der Projektkritiker, dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) wundert man sich jedenfalls, warum am Wochenende auf der Baustelle wenig bis nichts läuft. Eine Ursache ist zum Beispiel die nach wie vor fehlende Genehmigung für die erneut geänderten Fluchtwege. Sie war für Mai 2017 erwartet worden, an anderer Stelle in den gleichen Bahnunterlagen steht auch Juli 2017. „Die Bahn hatte zuletzt noch Umplanungen vorgenommen, das Eisenbahn-Bundesamt erarbeitet die Entscheidung“, sagt ein Sprecher dieser Behörde. Solange diese fehlt, bleibt die Bahnhofshalle Stückwerk, an den Stützen für das Dach kann nicht weitergearbeitet werden.

Unmittelbar betroffen vom Zeitverzug ist die Landeshauptstadt selbst, die auf dem Bahngelände im Präsentationsjahr der Internationalen Bauausstellung (IBA), das ist 2027, mit Neubauten glänzen will. Man dränge daher auf eine „zügige Fertigstellung“, so OB Fritz Kuhn (Grüne). Dem Technikausschuss des Gemeinderates zeigte Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) in dieser Woche einen IBA-Fahrplan, der nach einem internationalen Wettbewerb Bauten für die IBA schon ab 2022 vorsieht. Der Stadt bleibt ein Notnagel: „Die IBA soll in der ganzen Stadt und in der Region sichtbar werden“, sagt Pätzold, also nicht nur auf dem dann alten Bahngelände.

Einsparungen nicht realisiert

Bei Thema S-21-Kosten erkannte Volker Kefer 524 Millionen Euro „Gegensteuerungsbedarf“. Nur wenn man die spare, ließe sich die vom Aufsichtsrat freigegebene Grenze von 5,987 Milliarden für Stuttgart 21 halten. Bis April 2017 konnten drei Millionen eingespart werden. Pofalla wird den Bahn-Aufsichtsrat also schon bald um einen Nachschlag bitten müssen.

Knifflig ist die Entwicklung auch am Flughafen, wo die Schutzgemeinschaft Filder seit 2016 gegen die Baugenehmigung für den Fernbahnhof und die Aufspaltung der Verfahren (der Gäubahn-Anschluss wurde abgetrennt) klagt. Der Verwaltungsgerichtshof Mannheim greift den Fall nicht vor 2018 auf, und auf das Votum will die Bahn warten. Gebaut werden sollte aber schon seit Anfang 2017. „Das wird eher 2024“, sagt der Schutzgemeinschafts-Vorsitzende Steffen Siegel zum Fertigstellungstermin. Bei der Flughafen-Geschäftsführung ist der Geduldsfaden inzwischen dünn. „Wir wollen den schnellstmöglichen Anschluss an das Fernbahnnetz. Wir würden alle Vorschläge ablehnen, die weitere Verzögerungen und damit Mehrkosten bedeuten könnten“, so Geschäftsführer Walter Schoefer.

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