Stuttgart 21 Die Firmen warten auf Aufträge

Von Konstantin Schwarz  

  Foto: Kraufmann
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Azer führte Verhandlungen zu wichtigen Vergaben - Lenkungskreis muss entscheiden.

Stuttgart - Der Rückzug von Hany Azer als Leiter der Projekte Stuttgart 21 und Neubaustrecke Wendlingen-Ulm trifft die Planer, aber auch die Baufirmen. Sie haben in den nächsten Wochen Aufträge im bis zu dreistelligen Millionenwert erwartet. Diese Aufträge hätten die Unterschrift des 61-jährigen Projektverantwortlichen getragen. Azer hat zusammen mit den Verantwortlichen für die Teilbauabschnitte im Detail verhandelt.

Das Warten auf Arbeit könnte nun nicht nur wegen des politischen Drucks der neuen grün-roten Landesregierung auf die Bahn länger dauern. Selbst wenn Bahn-Chef Rüdiger Grube den im Januar zunächst der schwarz-gelben Regierungskoalition unter Ministerpräsident Stefan Mappus zugesprochenen und dann nach der Wahl für Grün-Rot verlängerten Vergabestopp beendet: Hany Azers Nachfolger wird nicht am ersten Tag den Füller für Unterschriften zücken können. Als Projektleiter ist er für das Einhalten der Budgets verantwortlich. Der Neubau der Bahninfrastruktur zwischen Feuerbach und Ulm ist mit insgesamt sieben Milliarden Euro veranschlagt.

Ob dem Nachfolger des erfahrenen Projektleiters eine längere Einarbeitungszeit vergönnt ist, entscheidet der politisch besetzte Projekt-Lenkungskreis. Bahn-Chef Grube, Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), dessen Vize Nils Schmid (SPD) und Vertreter weiterer Zahler wollen sich spätestens kommende Woche zusammensetzen. Dann geht es um die von der Regierung gewünschte Verlängerung des Bau- und Vergabestopps. Grün-Rot wünscht sich Stillstand bis zum Herbst, bis zur Volksabstimmung, die allein über Stuttgart 21, nicht aber über die auf 250 Kilometer pro Stunde ausgelegte Neubaustrecke von Wendlingen nach Ulm geführt werden soll.

Rüdiger Grube hat jüngst auf den Weiterbau gedrängt. Er wird eine Auflistung der bis zur Volksabstimmung auflaufenden Kosten vorlegen. Die Bahn steht auch unter dem Druck der Baufirmen. Sie müssen ihre Angebote laut der Ausschreibungen zum Teil nur noch bis zum Monatsende halten. Danach könnten sie Preissteigerungen geltend machen und neue Kalkulationen vorlegen.

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