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Stuttgart 21 "Verbesserungen sind unabdingbar"

StN, vom 30.11.2010 18:30 Uhr
Heiner Geißler Foto: dpa
Heiner Geißler Foto: dpa

 

11. Für die Fortführung des Baues von S 21 halte ich aus den genannten Gründen folgende Verbesserungen für unabdingbar:

1. Die durch den Gleisabbau frei werdenden Grundstücke werden der Grundstücksspekulation entzogen und daher in eine Stiftung überführt, in deren Stiftungszweck folgende Ziele festgeschrieben werden müssen:

- Erhaltung einer Frischluftschneise für die Stuttgarter Innenstadt.

- Die übrigen Flächen müssen ökologisch, familien- und kinderfreundlich, mehrgenerationengerecht, barrierefrei und zu erschwinglichen Preisen bebaut werden.

- Für notwendig halte ich eine offene Parkanlage mit großen Schotterflächen

2. Die Bäume im Schloßgarten bleiben erhalten. Es dürfen nur diejenigen Bäume gefällt werden, die ohnehin wegen Krankheiten, Altersschwäche in der nächsten Zeit absterben würden. Wenn Bäume durch den Neubau existentiell gefährdet sind, werden sie in eine geeignete Zone verpflanzt. Die Stadt sollte für diese Entscheidungen ein Mediationsverfahren mit Bürgerbeteiligung vorsehen.

3. Die Gäubahn bleibt aus landschaftlichen, ökologischen und verkehrlichen Gesichtspunkten erhalten und wird leistungsfähig, z.B. über den Bahnhof Feuerbach, an den Tiefbahnhof angebunden.

4. Im Bahnhof selber wird die Verkehrssicherheit entscheidend verbessert. Im Interesse von Behinderten, Familien mit Kindern, älteren und kranken Menschen müssen die Durchgänge gemessen an der bisherigen Planfeststellung verbreitert, die Fluchtwege sind barrierefrei zu machen

5. Die bisher vorgesehenen Maßnahmen im Bahnhof und in den Tunnels zum Brandschutz und zur Entrauchung müssen verbessert werden. Die Vorschläge der Stuttgarter Feuerwehr werden berücksichtigt.

6. Für das Streckennetz sind folgende Verbesserungen vorzusehen:

- Erweiterung des Tiefbahnhofs um ein 9. und 10. Gleis.

- Zweigleisige westliche Anbindung des Flughafen Fernbahnhofs an die Neubaustrecke

- Zweigleisige und kreuzungsfrei angebundene Wendlinger Kurve

- Anbindung der bestehenden Ferngleise von Zuffenhausen an den neuen Tunnel von Bad Canstatt zum Hauptbahnhof.

- Ausrüstung aller Strecken von S 21 bis Wendungen zusätzlich mit konventioneller Leit- und Sicherungstechnik.

12. Die Deutsche Bahn AG verpflichtet sich, einen Streßtest für den geplanten Bahnknoten Stuttgart 21 anhand einer Simulation durchzuführen. Sie muß dabei den Nachweis führen, daß ein Fahrplan mit 30 Prozent Leistungszuwachs in der Spitzenstunde mit guter Betriebsqualität möglich ist. Dabei müssen anerkannte Standards des Bahnverkehrs für Zugfolgen, Haltezeiten und Fahrzeiten zur Anwendung kommen. Auch für den Fall einer Sperrung des S-Bahn-Tunnels oder des Fildertunnels muß ein funktionierendes Notfallkonzept vorgelegt werden. Die Projektträger verpflichten sich, alle Ergänzungen der Infrastruktur, die sich aus den Ergebnissen der Simulation als notwendig erweisen, bis zur Inbetriebnahme von S 21 herzustellen. Welche der von mir vorgeschlagenen Baumaßnahmen zur Verbesserung der Strecken bis zur Inbetriebnahme von S 21 realisiert werden, hängt von den Ergebnissen der Simulation ab.

Diese von mir vorgetragenen Vorschläge in den Ziffern 11 und 12 werden von beiden Seiten für notwendig gehalten.

13. Aller Voraussicht nach wird der Bau des Bahnhofs S 21 fortgesetzt werden. Ein Baustopp bis zur Landtagswahl ist sowohl von der Bahn wie von der Landesregierung abgelehnt worden. Es ist damit zu rechnen, dass der Protest trotz S 21 PLUS anhalten wird. Es ist nicht auszuschließen, daß es bei bestimmten Bautätigkeiten zu Konfliktsituationen kommen kann. Nach den positiven Erfahrungen in dieser Schlichtungsrunde rege ich an, eine situationsbedingte Schlichtung in ähnlicher Zusammensetzung unter Vorsitz eines Moderators, z. B. den Bischöfen oder eines Vertreters der Robert-Bosch-Stiftung, vorzusehen.

14. Die Schlichtung als solche, die Art und Weise der Diskussion, hat in der Bevölkerung ein überaus positives Echo gefunden. Dies könnte für den kommenden Wahlkampf ein Hinweis dafür sein, daß die Wahlchancen, je nachdem, wie sich die Parteien benehmen, umso größer werden, je mehr die Diskussionen um den Hauptbahnhof Stuttgart auf dem Niveau der jetzt zu Ende gehen Schlichtung geführt werden.

15. Ich danke den Teilnehmern der Schlichtung und den Sachverständigen für die auf hohem Niveau geführten sachlichen Debatten. Sie haben der Demokratie im allgemeinen und der bürgerschaftlichen Verständigung in dieser schönen Stadt einen großen Dienst erwiesen. Ich danke der Stadt Stuttgart und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren unermüdlichen Einsatz, die herzliche Gastfreundschaft und den kaum zu überbietenden perfekten Service. Der Dank gilt ebenso den Stenographen, der Presse und den Fernsehanstalten, die diesem Demokratieexperiment zu einer großen Publizität und zu einem entsprechenden Erfolg verholfen haben. Ich wünsche dem Stuttgarter Demokratie-Modell eine weite Verbreitung in Deutschland.

 

Kommentare (16)
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DEZ
03
21:22 Uhr, geschrieben von Anonymer Benutzer
Warum ist K21 besser als S21 plus?
- ein modernisierter Kopfbahnhof erfüllt die verkehrlichen Belange der Zukunft, dazu ist kein neuer Bahnhof nötig - integraler Taktfahrplan möglich, d.h. optimierte Zugverbindungen realisierbar (nicht möglich bei nur 8 oder 10 Gleisen) - kein Gefälle im Bahnhof, dadurch weniger Risiken für Züge und Menschen (Rollstühle, Kinderwägen, Rollkoffer) - höhere Sicherheit durch weniger Tunnelstrecke - ebenerdiger Zugang zu den Gleisen bleibt erhalten - ökologischer: weniger Energieverbrauch ohne künstliche Beleuchtung, Rolltreppen, Aufzüge - kein massiver Eingriff ins Stadtzentrum - kein Grundwassermanagement erforderlich, daher keine Gefahr des Vertrocknens von Bäumen und keine Verschandelung des Stadtbilds durch blaue Rohre - keine weitere Zerstörung des denkmalgeschützten Bonatzbaus - der mittlere Schlossgarten bleibt vollständig erhalten - keine Bedrohung artenschutzrechtlich geschützter Tiere wie Juchtenkäfer oder Fledermäuse - kein 8 Meter hoher Wall, der das Stadtzentrum von Nord nach Süd zerschneidet - keine geologischen Risiken durch aufquellenden Gipskeuper - keine Risiken für das Mineralwasser - keine Risiken durch Platzierung des Bahnhofstrogs quer zu den Grundwasserströmen - das Gleisfeld mit wertvollen Schotterflächen bleibt erhalten (Lebensräume für Tiere und Pflanzen) - kein Abtransport von Tunnelaushub im Stadtzentrum durch LKWs erforderlich (Feinstaub) - freie Flächen können sofort und nicht erst in 10 Jahren oder noch später genutzt werden - kulturelle Angebote wie z.B. die "Röhre" bleiben erhalten - kostengünstiger, selbst wenn man die Ausstiegskosten dazurechnet - schönere Einfahrt in die Stadt statt Fahrt im Tunnel unter der Stadt durch (in Feuerbach in den Tunnel und erst auf den Fildern wieder ans Tageslicht) - der Kopfbahnhof vermittelt den emotionalen Wert des Ankommens und Abfahrens und nicht des Durchrauschens - modulare Umsetzung ist von der Bahn eher zu bewältigen als das Großprojekt S21 oder S21 plus - barrierefreie Fluchtwege sind bei S21 plus gar nicht realisierbar - breitere Bahnsteige sind bei S21 plus ebenfalls nicht realisierbar - Verpflanzung großer alter Bäume ist bei S21 plus nicht realisierbar - geringere Unterhaltungskosten (Strom, Instandhaltung der Glasaugen etc.) Heiner Geißler hat all das zwar erkannt, aber letztendlich als Parteisoldat gehandelt, um seine CDU zu retten. Wir bleben trotzdem OBEN!
DEZ
02
11:12 Uhr, geschrieben von Stuttgarter
Es ist Geld in Massen da für S21 Plus, aber der Ausstieg ist zu teuer?
Das ist nur einer der Widersprüche in Geißlers Argumentation.
DEZ
02
10:13 Uhr, geschrieben von FraTreno
Schlichterspruch oder schlichter Spruch?
Für die Proler wird eher die Variante 2 gelten. Schon verkündet das Frollein Gönner, SMA hätte gemeint, Gleis 9 und 10 wären unnötig. Während der Schlichtungspausen wurde in Phönix ein Interview mit dem taffen Frollein gesendet, in dem sie behauptet, der Fahrplan bei S21 wäre längst durchsimuliert und funktioniert. In der Schlichtung dann versprach Bahn-Kefer, eine noch ausstehende Fahrplansimulation nachzureichen, nachdem die K21er Schwachstellen im Fahrplankonzept nachwiesen. Hat das Frollein nun gelogen oder keine Ahnung von dem sie spricht? Parallel zur Schlichtung, so im Spiegel zu lesen, haben Bahn und Baukonzerne schon mal über die Tunneljobs verhandelt, so dass bald die Angebote abgegeben werden können. Dabei galt die Friedenspflicht auch für die Bahn! Bei den Bäumen, die den Bauwütigen im Weg stehen, wird man leider, leider feststellen, dass sie alt und krank sind und notgeschlachtet werden müssen. Das liesse sich endlos fortsetzen… Parteisoldat Geissler reihte sich zu guter letzt auch noch wider besseres Wissen geschmeidig in Reih und Glied seiner vor der Landtagswahl bibbernden CDU-Kameraden ein und versteckte sich hinter Juristereien. Dabei ist gerde diese Art von "juritischer Korrektheit" (Unumkehrbarkeit einmal geschlossener Verträge), die die Bürger an unserem System zweifeln und verzweifen lassen. Zwar viel wortreiche aber unverbindliche S21-Kosmetik: Nur ein schlichter Spruch!
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