Stuttgart 21 Der Röhre fehlen fünf Meter

Von Christian Ignatzi 

Mitteilung der Röhre-Betreiber an ihre Gäste Foto: Screenshot
Mitteilung der Röhre-Betreiber an ihre GästeFoto: Screenshot

Stuttgart kommt ein wichtiger Konzertsaal abhanden: Am 15. Januar ist für den Rockclub Schluss.

Stuttgart - Wenn die Röhre Mitte Januar schließt, verliert Stuttgart eine Bühne, auf der große Rock- und Popbands ihre ersten Auftritte absolviert haben, ehe sie den Sprung in die großen Hallen schafften. Ein Ersatz ist nicht in Sicht. Hinter den Kulissen schieben sich die Beteiligten gegenseitig den Schwarzen Peter zu.

Jan Drusche ist wütend. „Was die Stadt ­behauptet, ist gelogen, das sage ich ganz ­offen“, sagt er. Drusche ist einer der drei ­Betreiber des Stuttgarter Clubs Die Röhre. Im Zuge der Planungen für das Verkehrs- und Städtebauprojekt Stuttgart 21 wurde klar, dass der Veranstaltungsort in der Nordröhre des Wagenburgtunnels früher oder später würde weichen müssen. „Das ist ja okay, weil wir nur Mieter sind“, sagt Mitbetreiber Peter Reinhardt. „Aber die Art und Weise, wie es abgelaufen ist, ist einfach enttäuschend.“

Bis Sommer 2012 sind in der Röhre 30 ­Konzerte geplant, die jetzt verschoben werden oder ausfallen müssen. „Wir haben ­mindestens ein halbes Jahr Vorlauf“, sagt Reinhardt. „Hätten wir nicht geplant, und es wäre weitergegangen, hätten wir unseren Betrieb nicht aufrechterhalten können.“

Nirvana und Greenday waren schon in der Röhre

Betroffen von den Konzertabsagen sind vor allem die Veranstalter. „Es ist immer schwieriger, Räumlichkeiten in der Innenstadt zu finden“, sagt Paul Woog vom Konzertveranstalter SKS Michael Russ. „Das Theaterhaus und die Liederhalle sind über Jahre hinweg ausgebucht.“ Eine Größenordnung wie die der Röhre sei wichtig in einer Stadt wie Stuttgart. Der Club ist bekannt ­dafür, als Sprungbrett für Bands zu dienen: Spätere Rockgrößen wie Nirvana, Die Ärzte und Greenday haben auf ihren ersten Tourneen in der Röhre gespielt. „Es ist schade, mit wie wenig Engagement die Stadt da zu Werke geht“, sagt Woog. „Wenn es so weitergeht, wird Stuttgart bald auf den Landkarten der Touren noch unbekannter Bands fehlen.“

Was Peter Reinhardt vor allem stört: Die Bahn benötigt nicht die Röhre selbst, sie will lediglich den Bereich vor dem Club als ­Baustelleneinrichtungsfläche nutzen. Der Notausgang des Wagenburgtunnels, der ­zwischen Club und Straßentunnel liegt, muss ohnehin frei gehalten und zu einem Fluchtweg geführt werden. Zwischen dem Eingang der Röhre und dem Notausgang liegen knapp fünf Meter. „Wenn die Bahn nur diesen ­Bereich freilassen würde, könnten wir unseren Betrieb mindestens bis zum Sommer aufrechterhalten und müssten keine Konzerte streichen“, sagt Drusche. „Aus sicherheits- und haftungsrechtlichen Gründen ist das nicht möglich“, entgegnet Markus Vogt als Sprecher der Stadt. „Die Baufläche der Bahn kann auch nicht beliebig für den ­Zugang ­hergerichtet werden.“

Am 15. Januar ist Schluss

Rückblick: Am 1. Oktober 2010 flattert den Betreibern der Röhre die Kündigung zum 31. Dezember schriftlich ins Haus. „Sie war aber unwirksam, weil sie einen Tag zu spät bei uns eingetroffen ist“, erinnert sich Peter Reinhardt. Deshalb verlängerte sich die Frist um weitere drei Monate auf den 31. März 2011. „Die Stadt hat damals von einer versehent­lichen Kündigung gesprochen“, sagt Reinhardt. „Da frage ich mich, was das heißen soll.“ Beim Amt für Liegenschaften war die Auskunft seinerzeit, die Kündigung sei auf der unteren Ebene verschickt worden, ohne die Amtsleitung zu informieren. Im März 2011 ­haben sich Vertreter der Stadt und die Röhre-Betreiber zusammengesetzt und eine weitere Fristverlängerung vereinbart. Im Sommer wollte die Stadt auf die Bahn zu­gehen, um zu fragen, wie weit die aktuellen Bauplanungen fortgeschritten sind. Mit einer verbindlichen Aussage der Bahn sei es vielleicht möglich, den Vertrag der Röhre über den 15. Januar hinaus zu verlängern, sagte Stuttgarts Kulturbürgermeisterin ­Susanne Eisenmann im März.

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